Mit Fingerkuppen Stadt entdecken: Neues Bronzemodell am Storchenturm enthüllt

An der feierlichen Enthüllung des Stadtmodells am Storchenturm nahmen unter anderem Bundestagsabgeordneter Yannick Bury (CDU, Zweiter von links) und Stadtrat Eberhard Roth (KFW, Vierter von rechts) teil.
StadtMit den Fingerkuppen durch Lahr spazieren – was ungewöhnlich klingt, wird bald für alle möglich sein. Vor dem historischen Storchenturm wurde am Mittwochmittag ein neues Bronzemodell der Innenstadt vorgestellt. Es misst rund einen Quadratmeter und zeigt die gesamte Innenstadt. Das Modell bietet Bürgern sowie Gästen die Möglichkeit, die Anordnung der Plätze und Gassen eigenständig zu ertasten und die Straßen haptisch zu erkunden. Die Architektur sowie die Stadtgeschichte werden dadurch auf besondere Weise erlebbar.
Das Stadtmodell wird prominent auf dem Platz vor dem Storchenturm platziert. Das Modell soll Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden. Es zeigt nicht nur den aktuellen Stand der Innenstadt, sondern auch den früheren Verlauf der historischen Stadtmauer, markiert durch eine feine goldene Linie.
Das Modell ist bewusst barrierefrei gestaltet, um allen Menschen, besonders auch solchen mit einer Sehbehinderung, einen eigenen Zugang zur Stadt zu ermöglichen. Die Kombination aus tastbaren Elementen und Beschriftungen in Brailleschrift schafft dabei eine inklusive Erfahrung. So wird das Stadtmodell nicht nur zu einem Orientierungspunkt, sondern auch zu einer Möglichkeit, die Geschichte und Gegenwart der Stadt auf unterschiedliche Weise zu erleben.
Es sei ein „offenes Buch der Stadt“, so Oberbürgermeister Markus Ibert bei der feierlichen Enthüllung. Zuvor hatte der Künstler das Modell nach Lahr geliefert. „Ich wünsche mir, dass viele Bürgerinnen und Bürger, Besucherinnen und Besucher künftig an diesem Modell verweilen. Dass sie unser Lahr neu entdecken, neue Blickwinkel einnehmen und vielleicht auch an einen Menschen denken, der viel für diese Stadt getan hat“, so Ibert.
Modell ist Unternehmer Rolf Kaufmann gewidmet
Markus Kaufmann, der gemeinsam mit seinem Bruder Andreas die Initiierung des Stadtmodells vorangetrieben hat, erklärte bei der Enthüllung, wie die Idee entstanden war. Nach dem Tod ihres Vaters, des Unternehmers Rolf Kaufmann, im Jahr 2023 und den Spenden, die anlässlich der Trauerfeier zusammengekommen waren, hatten sie die Idee, damit etwas Nachhaltiges, etwas Öffentliches, etwas Bleibendes zu schaffen. Das Projekt wurde vom Lahrer Rotary Club, der Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg/Ortenau sowie der Stadt Lahr unterstützt.
Verantwortlich für die Umsetzung des Modells war der Bildhauer Felix Broerken. Dessen Vater entwickelte vor mehr als 30 Jahren die ersten bronzenen Stadtmodelle zum Fühlen, Sehen und Begreifen. Gemeinsam haben die beiden Künstler bereits mehr als 250 Stadtmodelle geschaffen, die inzwischen viele Innenstädte prägen und einen Beitrag zur Inklusion leisten sollen. Jedes ihrer Modelle wird dabei in Handarbeit gefertigt. Dazu kommen noch Markierungen in Brailleschrift für bereits verschwundene Gebäude – im Lahrer Modell am Storchenturm ist das beispielsweise die Tiefburg.
Für das Lahrer Stadtmodell lieferte die städtische Abteilung Geoinformation die nötigen Daten. Broerken schuf einen ersten Entwurf, Abteilungsleiter Markus Nerz und seine Mitarbeiter kontrollierten daraufhin jeden Winkel und jede Dachneigung, damit diese korrekt dargestellt wurden. Danach wurde das Modell in Wachs ausgearbeitet und anschließend als Bronzemodell ausgegossen.
Wieder abgebaut
Bis zur finalen Aufstellung am Storchenturm wurde das Modell vorübergehend wieder abgebaut. Im weiteren Verlauf des Sommers soll es dann dauerhaft öffentlich zugänglich gemacht werden.