Minister bekam einiges zu hören: Ärger der Schuttertäler Bauern über EU-Gesetze ist groß

„Willkommen bei uns in Schuttertal“, sagte Bürgermeister Matthias Litterst zum Bundeslandwirtschaftsminister, nachdem der seiner Dienstlimousine entstiegen war. Bei der Begrüßung dabei waren (von links): Landrat Thorsten Erny, Litterst, Klaus Mack (CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt), der Ex-Landtagsabgeordnete Alfred Haas aus Emmendingen, die Landtagsabgeordnete Marion Gentges, Yannick Bury (Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Emmendingen/Lahr,) Alois Rainer sowie (verdeckt) der frühere Bundestagsabgeordnete Peter Weiß.
SchabelDer Abbau von Bürokratie ist ein ewiges Versprechen der Politik, trotzdem hört man aus der Wirtschaft nach wie vor laute Klagen über viel zu viele Vorschriften. Bei seinem Besuch in Schuttertal betonte Alois Rainer, dass er hier nun nicht zusichern wolle, Bürokratie abzubauen. Einfach deshalb, weil das schon so viele Politiker vor ihm getan hätten, ohne dass sich etwas gebessert habe. Er wolle lieber wirklich handeln, so der Bundeslandwirtschaftsminister.
Diese Worte kamen gut an bei seinen zahlreichen Zuhörern – mehr als 100 Vertreter aus Land- und Forstwirtschaft waren auf den Kasperhof gekommen. Das Podiumsgespräch wurde in der Scheune veranstaltet, es gab Bockwürste, Stollen, Kaffee und Wasser, zwischen den Füßen der Zuhörer flitzte eine schwarz-weiß-gefleckte Katze umher. Das rustikale Ambiente passte zum Thema des von Marion Gentges (CDU) veranstalteten Podiums, das unter dem Titel „Land. Wald. Zukunft – Politik im Dialog mit der Praxis“ lief.

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Schwarzwälder BoteDie Politik verkörperte in erster Linie der Bundeslandwirtschaftsminister, der im Gespräch mit Vertretern des BLHV, der Forstkammer, Landfrauen und des Arbeitskreises Klimapositive Waldwirtschaft den richtigen Ton traf. Kein Wunder, denn Rainer (CSU), 1965 in Straubing geboren, hat auch schon ein Leben außerhalb des Bundestages geführt, dem er seit 2013 angehört: Er ist Metzgermeister, leitete zeitweise den elterlichen Metzgereibetrieb, war außerdem 18 Jahre Bürgermeister der niederbayerischen Gemeinde Haibach.
Die Bürokratie habe auch ihn schon genervt, so der neue Minister
Ein Mann der Praxis also, der diese Karte bei seinem Besuch in Schuttertal natürlich ausspielte. Zum Beispiel sagte er durchaus glaubhaft, dass er für den Ärger von Landwirten über zu viele Vorschriften vollstes Verständnis habe. Weil er in seiner Zeit als selbstständiger Metzger selbst unter der Bürokratie gelitten habe.
Tatsächlich hat Rainer sich die Reduzierung von Bürokratie nun sogar groß auf die Fahnen geschrieben. Bereits an seinem zweiten Tag als Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat – das Amt hat er seit dem 6. Mai 2025 – habe er eine eigene Stabsstelle im Ministerium ein- gerichtet, um Dokumentationspflichten zu reduzieren, betonte er in Schuttertal.
Bei der anschließenden Diskussion fiel immer wieder ein Begriff, zur Sprache gebracht von Rainer selbst, aber auch von anderen Podiumsteilnehmern: EUDR. Mit dieser Abkürzung ist eine Entwaldungsverordnung gemeint, die seit dem 30. Dezember 2025 in Kraft ist. Die Maßnahme der Europäischen Union soll sicherstellen, dass Produkte, die in der EU verkauft oder exportiert werden, nicht zur Entwaldung oder Waldschädigung weltweit beitragen.
Unternehmen müssen seither nachweisen, dass Rohstoffe wie Kaffee, Holz oder Kautschuk sowie daraus hergestellte Erzeugnisse nicht auf entwaldeten Flächen produziert wurden. Ziel der Regelung, die auch für Rinderhalter gilt, ist der Schutz der Wälder. „Es ist ein totaler Schmarrn“, sagte Rainer aber über die neue Vorschrift. Denn in Deutschland habe man bereits Waldgesetze.
Damit rannte er bei Bernhard Bolkart offene Türen ein. Der Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) bewirtschaftet in der Höhenlage von Schonach einen Grünland- sowie Forstbetrieb und ärgert sich „maßlos“ über das neue Gesetz, wie er in Schuttertal sagte. Denn die EUDR bekämpfe ein Problem, das in Deutschland gar nicht existiere, da die Waldfläche hier zunehme.
Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg, kritisierte die EU-Wiederherstellungsverordnung, die seit August 2024 in Kraft ist und die Mitgliedsstaaten zur Renaturierung geschädigter Ökosysteme verpflichtet. Wegen des Klimawandels sei es aber gar nicht möglich, Naturräume in den Originalzustand zu versetzen, so Hilt.
Für die Forstwirtschaft sei es ohnehin eine „große Herausforderung, die Wälder klimafit zu machen“ Dabei sei die durch die EU verursachte Bürokratie eine zusätzliche Belastung. „Wir brauchen Gestaltungsfreiheit“, betonte Hilt.
Den kürzesten Anfahrtsweg aller Podiumsteilnehmer hatte Kurt Weber, Sprecher des 2023 in Baden-Württemberg ins Leben gerufenen Arbeitskreises Klimapositive Waldwirtschaft, ein Zusammenschluss aus Waldbesitzern, Forstbetriebsgemeinschaften und Partnern, der sich für eine aktive, nachhaltige Bewirtschaftung des Forstes einsetzt.
Weber, der auch Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Schuttertal ist, forderte ein besseres Image für den Rohstoff Holz und seine Produzenten. Man könne stolz sein auf das Holz, das in heimischen Wäldern wachse, betonte er – und dass er kein Freund davon sei, durch den Verzicht auf Bewirtschaftung Urwälder entstehen zu lassen.
Karla Wöhrle macht sich für bessere soziale Absicherung von Landfrauen stark
Karla Wöhrle aus Gutach, Präsidiumsmitglied der Landfrauen Südbaden, sprach über die Situation von Frauen in der Landwirtschaft. Vielen sei es so ergangen wie ihr, erzählte sie mit launigem Unterton: Sie habe sich verliebt und dann festgestellt, „dass zu dem Mann auch ein Hof gehört“.
Sie sei in den Betrieb eingestiegen, kümmere sich um Stall und Kinder. Trotz einem Arbeitsleben als Dreh- und Angelpunkt der Familie auf dem Hof sei die soziale Absicherung von Frauen in der Landwirtschaft aber oft schlecht, betonte Wöhrle.
Rainer zeigte Verständnis für diese Sorgen, „die Altersvorsorge der Landfrauen sollte man nicht vergessen“, betonte er. Er selbst sei mit fünf älteren Schwestern aufgewachsen und wisse daher am besten, was Frauen im Betrieb zu leisten vermögen.
Insgesamt machte sich Rainer bei seinem Auftritt in Schuttertal für weniger Bürokratie und Änderungen an EU-Regeln stark, insbesondere bei der Renaturierungsverordnung und dem Entwaldungsgesetz. Er zeigte sich als Befürworter von Anpassungen und Lockerungen der EU-Vorgaben für die hiesige Landwirtschaft– dafür erhielt er am Ende seines rund eineinhalbstündigen Besuchs Beifall von den Zuhörern.
Sein Abschiedsgeschenk, überreicht von Gentges, waren Wursterzeugnisse des Kasperhofs, außerdem eine Flasche „Schwarz-Waldrausch“ – ein Weißtannenzapfen-Schnaps aus dem Dreisamtal.
Das ist der Kasperhof
Der Kasperhof in Schuttertal wird seit mehr als 300 Jahren von der Familie Müllerleile bewirtschaftet – heute von Metzgermeister Martin und Kräuterpädagogin Brigitte Müllerleile. Neben der Landwirtschaft ist die Direktvermarktung ein Schwerpunkt. Im Hofladen erhalten die Kunden Fleisch und Wurst von Rindern oder Schweinen aus eigener Aufzucht und Schlachtung, den Kasperhof-Schinkenspeck, Holzofenbrot aus der eigenen Backstube, veredelte Brände von eigenen Streuobstwiesen und weitere Produkte aus der Region.