Meißenheim: Firma Fuchs beantragt Insolvenz

Eine kostspielige Angelegenheit: Rund zwei Millionen Euro verschlang 2009 der Bau des futuristischen Fuchs-Gebäudes in Meißenheim. Archivfoto: privat
Lahrer ZeitungVon Florian Würth
Meißenheim. Weil ihr die Zahlungsunfähigkeit drohte, hat die Meißenheimer Firma Fuchs Ende Februar die Insolvenz beantragt. Ein Rechtsanwalt prüft derzeit die zur Verfügung stehenden Optionen. Eine Firmengruppe aus Österreich meldet, sie habe die Patente von Fuchs gekauft.
Genau genommen handelt es sich um drei Firmen: "Fuchs Technology", "Fuchs Products" und "Fuchs Engineering". Schon seit Längerem liefen die Geschäfte schlecht. Geschäftsführer Markus Fuchs, 50, macht dafür unter anderem die Situation auf dem weltweiten Stahlmarkt verantwortlich. Weitere Gründe seien die schlechte Zahlungsmoral der Kunden und ungünstige Klauseln in Verkaufsverträgen gewesen, sagte er.
Die Fuchs-Unternehmensgruppe ist in der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von Maschinen, technischen Anlagen und Schweißkonstruktionen tätig – insbesondere stellt sie Elektrolichtbogen- und Pfannenofenanlagen her, die etwa ermöglichen, aus Stahlschrott Stahl zu schmelzen.
Der Berliner Rechtsanwalt Stefan Ludwig hat die vorläufige Insolvenzverwaltung übernommen. Er sagte gestern gegenüber der "Lahrer Zeitung", die Löhne der 16 Beschäftigten würden noch zwei, möglicherweise drei Monate weiter ausgezahlt. Das geschehe über eine sogenannte Insolvenzgeldvorfinanzierung, das heißt, die Bundesagentur für Arbeit zahlt die Gehälter aus. Der Rechtsanwalt sagte, er wolle sich bis April oder Mai Zeit nehmen, um zu prüfen, ob die Firmen sanierungsfähig sind und ein Käufer zu finden ist.
Unterdessen hat die österreichische Inteco-Gruppe, ein Mitbewerber im Stahlanlagengeschäft, vermeldet, sämtliche Patente und sonstigen gewerblichen Schutzrechte der drei Fuchs-Unternehmen gekauft zu haben. Gleichzeitig gab es einen Bericht der "Legal Tribune Online", der noch weiter ging und sogar den Verkauf "sämtlicher Anteile" der Firma Fuchs an Inteco vermeldete. Hierzu wollte Inteco sich gestern gegenüber der "Lahrer Zeitung" wiederum nicht äußern. Markus Fuchs teilte auf Anfrage mit, den Verkauf sämtlicher Anteile könne er "nicht bestätigen". Insolvenzverwalter Stefan Ludwig sagte, die Meldungen seien "inhaltlich nicht zutreffend" und kündigte eine offizielle Stellungnahme für die kommenden Tage an.
Vielen dürfte die Firma Fuchs vor allem wegen des futuristisch anmutenden Gebäudes bekannt sein, das 2009 im Meißenheimer Gewerbegebiet errichtet wurde und rund zwei Millionen Euro gekostet hat. Im dem auf Stelzen stehenden Prestigebau arbeiteten die Ingenieure, die Anlagen wurden für den Export bei der benachbarten Firma Zürcher gebaut.
Gerhard Fuchs hatte bereits 1969 in Legelshurst ein Unternehmen gegründet und es 2001 verkauft. Eine Geschäftsidee trieb ihn dazu, nach einer mehrjährigen Pause und mit fast 70 Jahren in Meißenheim noch einmal durchstarten zu wollen. Fuchs’ Maschinen sollten die Stahlherstellung energie- und kostensparender machen.
2012 übergab Gerhard Fuchs die Geschäfte an seinen Sohn Markus, der gelernter Maschinenbauer ist. Er war bereits 2009 in die Firma und 2010 in die Geschäftsleitung eingestiegen. 2011 hatte die Firma noch 56 Beschäftigte. Doch die Auftragslage war schlecht, die Rücklagen bald aufgebraucht. Zurzeit hat Fuchs noch zehn Ingenieure angestellt, vier Mitarbeiter sind in der Fertigung und zwei im Vertrieb beschäftigt. Markus Fuchs hat angekündigt, sich aus der Stahlbranche zurückzuziehen, sobald die Insolvenz abgewickelt ist.