Mehrere Jahre Haft drohen
: Angeklagte gestehen nicht nur versuchte Geldautomatensprengung in Münchweier

Zwei Männer sollen sich im Herbst 2024 auf Beutezug begeben und Geldautomaten gesprengt haben. Dreimal scheiterten sie – auch in Münchweier. Nun drohen Haftstrafen.
Von
Felix Paschke
Ettenheim
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Am Freiburger Landgericht hat am Montag der Prozess gegen zwei Männer (hier mit ihren Anwälten) begonnen. Sie sollen unter anderen in Münchweier versucht haben, Bargeld aus einem Geldautomaten zu stehlen.

Philipp von Ditfurth/dpa

Die Anklage hat die mutmaßlichen Taten minuziös aufgelistet: Zweimal waren zwei vorbestrafte Männer im Oktober 2024 beim Versuch, aus einem Geldautomaten Geld zu stehlen, gescheitert – erst in Glottertal im Freiburger Umland, dann in Eschbach im Markgräflerland. In der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober versuchten es die beiden heute 51- und 54-Jährigen in der Volksbank in Münchweier ein drittes Mal.

Gegen 4.30 Uhr sollen die zwei Männer, gegen die am Montag der Prozess vor dem Landgericht Freiburg begonnen hat, in die Bank gegangen sein. Das Ziel laut Staatsanwaltschaft: Eine Detonation erzwingen, um das Geld aus dem Automaten zu stehlen.

Allerdings „gelang den Angeklagten nur die Öffnung des Automatendeckels“, heißt es in der Anklage. Eine Aussage, die sich mit dem Polizeibericht wenige Tage nach der Tat deckt. „Ersten Ermittlungen zufolge wurde gegen 4.30 Uhr an dem Automaten mit Werkzeug gehebelt“, hieß es damals.

Einer der beiden Männer war damals wohl auf der Flucht aus dem ZfP

Anschließend sollen die beiden Männer die Räumlichkeiten der Volksbank im Ettenheimer Ortsteil verlassen haben. Bargeld wurde dabei laut Anklage nicht entwendet, allerdings blieb in der Bank ein Schaden in Höhe von 8000 bis 10.000 Euro. Es ist der letzte von drei Fällen, die den beiden Männern zur Last gelegt werden. Wenige Tage später – am 16. Oktober 2024 – wurde in Bad Krozingen das gestohlene Auto gefunden, das die beiden Männer für ihre drei Diebstahlversuche verwendet haben sollen.

Beide Männer legen Geständnisse ab

Über Verteidigererklärungen räumten die Angeklagten die ihnen zur Last gelegten Vorwürfe vollumfänglich ein. Dadurch und durch die getroffene Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten kamen zudem erste Details ans Licht. Der 51-jährige Angeklagte soll sich demnach zum Zeitpunkt der Taten auf der Flucht aus dem Maßregelvollzug aus dem Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Emmendingen befunden haben. Eigentlich eine Randnotiz, die durch mehrere Fluchtversuche in den vergangenen Wochen jedoch für Brisanz sorgt. Der Mann räumte die Taten ein, mehr ließ er über seinen Anwalt nicht mitteilen.

In Glottertal hinterließ die Sprengung eine Spur der Verwüstung.

Foto: Bernhard Würzburger/dpa

Sein mutmaßlicher Komplize äußerte sich per Verteidigererklärung detaillierter. Sein Bekannter soll demnach irgendwann bei ihm zu Hause vorbeikommen sein. Er sei auf der „Flucht vor Libanesen“, denen er Geld schulde, soll er gesagt haben, wie der Anwalt des 54-Jährige verlas. Später sollen eben diese Libanesen auch bei ihm aufgetaucht sein und ihm geraten haben, seinem Bekannten zu helfen. Er habe die ihm vorgeworfenen Dinge „leider gemacht“, hieß es weiter.

Korridor für Strafmaß steht fest

Weil er nicht am Autodiebstahl in Denzlingen beteiligt gewesen sein soll, wurde für den älteren der beiden Angeklagten ein Strafkorridor zwischen vier Jahren und vier Monaten und vier Jahren und zehn Monaten vereinbart. Seinem mutmaßlichen Komplizen, der am 23. September in Denzlingen ein Auto im Wert von rund 20.000 Euro gestohlen haben soll, droht eine Haftstrafe im Bereich zwischen fünf und fünfeinhalb Jahren.

In Glottertal entstand der größte Schaden

Nur in einem von drei Fällen kam es am Ende zu einer Detonation: In der Sparkasse in Glottertal explodierte der Geldautomat und sorgte für eine zerstörte Bankfiliale. Allerdings wurden laut Anklage Geldscheine im Wert von etwa 70.000 Euro durch den entstandenen Brand zerstört, außerdem entstand ein Sachschaden von mehr als 100.000 Euro. In Eschbach sollen die Angeklagten von ihrem Vorhaben abgekommen sein, als die Nebelanlage beim Betreten der Bank ausgelöst wurde.

Der Prozess geht am Freitag, 12. Juni, weiter. Die Plädoyers sind für den 29. Juni geplant. Ob dann auch schon ein Urteil fällt, ist noch offen.

Mehrere Fälle in der Ortenau

Der Fall in Münchweier ist nur einer unter vielen in der Ortenau: Zwischen August 2023 und Januar 2024 kam zu sechs Automatensprengungen. Der Getränkemarkt von Edeka Kohler in Allmannsweier war der erste Schauplatz dieser Serie. Einen Monat später traf es einen Automaten in Zell, einen Monat danach wurde ein Automat in Lahr-Sulz und einer in Niederschopfheim gesprengt. Im November knallte es erneut in Lahr – dieses Mal im Fachmarktzentrum, das bereits im September 2022 von Tätern ins Visier genommen wurde. Der letzte Fall dieser Serie trug sich im Januar 2024 in Kappel zu. Erste Fahndungen blieben in allen Fällen erfolglos.

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