Letzter Ballkontakt für SC Lahr: Johannes Wirth gibt Einblicke in seine Gefühle nach dem Elfmeter-Fehlschuss

Johannes Wirth (in Blau, hier im Zweikampf gegen Bruchsal) war beim Relegationsaus des SC Lahr in Holzhausen die tragische Figur.
Wolfgang KünstleAls Johannes Wirth als sechster Schütze im Relegationsrückspiel zur Oberliga gegen Holzhausen zum Elfmeterpunkt schritt, war es eine besondere Drucksituation für den Mittelfeldmann der Dammenmühlen-Kicker. Die Anspannung ging auch am Lahrer nicht vorbei.
„Mir wurden schon etwas die Knie weich. So gut habe ich mich nicht gefühlt, weshalb ja auch vorher fünf andere Schützen von uns ran durften“, sagt Wirth zwei Tage nach dem Drama im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit seinem letzten Ballkontakt für den SC Lahr vergab er und die Dammenmühlen-Kicker bleiben Verbandsligist.
„Beim Aufwärmen hatte ich schon einen Elfmeter mal so geschossen und da hat das gut geklappt. Wenn der Torwart in die andere Ecke geht, ist der natürlich drin. Aber ich muss auch ehrlich festhalten: Der Elfmeter war sehr mäßig geschossen“, gesteht die Legende des SC Lahr, die seit der Vereinsgründung 2015 dort am Ball gewesen ist, ein. „Der Moment war vielleicht etwas zu groß. Ich habe mir vor dem Elfmeter schon den ein oder anderen Gedanken gemacht“, gibt Wirth weitere Einblicke. „Knapper hätten wir nicht scheitern können. Das Spiel hätte aber auch schon vorher in unsere Richtung kippen können.“
Gegnerischer Schütze spricht von eigener Nervenstärke
Als sechster Schütze von Holzhausen war zuvor Lars Czerwonka, der schon das 1:1 in der letzten Aktion der regulären Spielzeit erzielt hatte, an den Punkt getreten. Trotz der enormen Bedeutung der Partie machte sich der Offensivspieler der Gastgeber – zumindest nach eigenen Angaben – keinen großen Druck. „Als ich zum Elfmeterpunkt gegangen bin, habe ich mir nicht viele Gedanken gemacht. Ein Elfmeter ist ein Elfmeter und das Tor ist groß. Also hau den Ball einfach rein. Genau das wollte ich machen. Am Ende hat es geklappt, auch wenn es vielleicht etwas knapp war“, so der entscheidende Schütze aus Holzhausen gegenüber unserer Redaktion.
Beim Gespräch am Dienstagnachmittag lasse die Intensität der kreisenden Gedanken um den verschossenen Strafstoß bei Johannes Wirth zwar etwas nach. „Es fühlt sich aber immer noch beschissen an“, hält der Mittelfeldspieler der Dammenmühlen-Kicker fest. Dieses Gefühl sei trotz des großen Zuspruchs, den Wirth nach dem Fehlschuss erfuhr, nicht weg. Die Unterstützung freut den 33-Jährigen trotzdem. „Auf der Rückfahrt und später bei der Zusammenkunft an der Dammenmühle war der Rückhalt groß. Viele Menschen haben sich die Tage bei mir gemeldet, sogar zwei Spieler, mit denen ich noch gar nicht zusammen gespielt habe. Du hast es nicht verdient, dass deine Zeit beim SC Lahr so endet, war der Tenor“, berichtet Wirth.
Ansprache an die Weggefährten war ohnehin geplant
Wieder in Lahr angekommen, hielt der ehemalige Kapitän noch eine Ansprache. „Die hatte ich so oder so geplant, auch ohne den vergebenen Elfmeter. Ich hatte ja trotzdem eine tolle und lange Zeit hier“, so der Kicker, der sich in der kommenden Runde dem SV Rust anschließt.
In der Rede ging es Wirth besonders darum, danke zu sagen. „Es gibt viele Menschen, die mich hier begleitet haben. Beispielsweise Frank und Petro Müller, Konstantin Fries, Dennis Häußermann oder auch Violand Kerellaj. Die habe ich mit einigen Anekdoten da in meine Worte eingebunden“, so Wirth. Das Spiel in Holzhausen war für ihn sein wettbewerbsübergreifend 270. Einsatz für den SC Lahr – und diese Partie wird er wohl nicht vergessen.
