Leidenschaftliches Statement: Gesellschafter verteidigen das Lahrer Gründerzentrum

IGZ-Geschäftsführer Daniel Halter (von links), OB Markus Ibert, Anja Olbrisch von der Firma Herrenknecht, Brigitta Schrempp von Schrempp edv, Johannes Weide von Blackvrst Equity und der Lahrer Wirtschaftsförderer Robin Derdau stellten im Mai vergangenen Jahres die Pläne für ein Innovations- und Gründerzentrum in Lahr vor.
Schabel„Das Innolab 33 steht für modernes Unternehmertum, sinnvolle Nutzung von Bestandsflächen und gelebte Kooperation. Es zeigt, wie unternehmerische Verantwortung, Innovationsförderung und Standortbindung ineinandergreifen können – getragen von Menschen, die die Zukunft der Region mitgestalten wollen.“ Mit einem leidenschaftlichen Statement haben sich Martin Herrenknecht (Herrenknecht AG), Brigitta Schrempp (Schrempp EDV) und Johannes Weide (Blackvrst Equity) für das auf dem Lahrer Flugplatz entstehende Start-up-Center ausgesprochen.
Bekanntlich soll das früher von kanadischen Streitkräften genutzte B 33-Gebäude in der Rainer-Haungs-Straße zum Domizil für junge Firmen werden. Am Montag ist der Lahrer Gemeinderat aufgerufen, grünes Licht für die Sanierung zu geben – trotz gestiegener Kosten, die die Stadt zu tragen hat. Wie berichtet, soll sich das Vorhaben unter anderem wegen nicht eingeplanten Maßnahme (Erneuerung der Hausentwässerung, Betonsanierungen an den Rampen und Stützen sowie Einbau einer Zisterne) von 1,1 auf 1,55 Millionen Euro verteuern.
Dennoch, heißt es in der am Donnerstagmorgen versendeten Pressemitteilung der Gesellschafter, sei das Vorhaben ein lohnenswertes. Martin Herrenknecht sieht in Innolab einen strategischen Beitrag zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung der Region: „Wir müssen jungen Menschen hier in der Region die Möglichkeit geben, eigene Ideen umzusetzen – mit modernem Arbeitsumfeld, Vernetzung und konkreter Unterstützung. Das Innolab 33 bietet genau dafür den Rahmen. Wenn aus einer guten Idee ein marktfähiges Produkt wird – und das direkt hier in Lahr –, dann haben wir als Standort alles richtig gemacht.“
Im ländlichen Raum sei es entscheidend, Innovationskraft zu ermöglichen
Aus Sicht von Brigitta Schrempp wird das Start-up-Center mit seinem „inhaltlich innovativen Konzept“ den Standort stärken: „Das Innolab 33 hat das Potenzial, eine hohe Strahlkraft zu entwickeln. Es wird wesentlich dazu beitragen, Lahr und die Ortenau als Wirtschaftsstandort attraktiv zu halten. Aus vielen Gesprächen mit weiteren Unternehmern ist mir bekannt, dass sie mit dem Innolab 33 ebenfalls große Chancen für die gesamte Region verbinden.“
Johannes Weide betont die „offene, vernetzende Idee“, die über Lahr hinaus wirke: „Wir schaffen hier einen Ort, an dem sich Start-ups, Mittelstand, Hochschule und Stadtgesellschaft auf Augenhöhe begegnen können. Es geht nicht um geschlossene Räume, sondern um gelebten Austausch.“ Gerade im ländlichen Raum sei es entscheidend, Innovationskraft nicht nur in Großstädten zu fördern, sondern aktiv vor Ort zu ermöglichen.
Im Januar wurde nach Gremienbeschlüssen aus dem vergangenen Jahr die Betreibergesellschaft „Startklahr Innovationen GmbH“ gegründet und mit Tobias Fischer im Mai ein Geschäftsführer verpflichtet, der die Konzeption und Planung vorantreiben und die künftigen Akteure und Nutzer des Centers zusammenbringen soll.
Gesellschafter sehen keinen Grund, Start-up-Center in Frage zu stellen
Der flammende Appell der Gesellschafter zum jetzigen Zeitpunkt kommt nicht zufällig. Sowohl im Gemeinderat als auch im Rathaus gab es zuletzt Stimmen, die die Investition in das Innolab kritisch sehen. Wegen der prekären finanziellen Lage der Stadt gibt es viele gesellschaftliche Einschnitte. So wurde zuletzt etwa die Errichtung der Sport-Kita auf der Dammenmühle von der Baukommission zurückgestellt, während gleichzeitig die Kindergartengebühren steigen sollen.
Die Gesellschafter sehen dennoch keinen Grund, das Start-up-Center infrage zu stellen – im Gegenteil: „Ein Gründerzentrum ist kein Luxus. Es ist ein Werkzeug, das Lahr im Wettbewerb um Fachkräfte, Ideen und Unternehmen konkurrenzfähig hält. Und es ist ein klares Signal: Wir investieren in unsere Zukunft.“ Für die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit der „Startklahr Innovationen GmbH“ seien Mieteinnahmen aus dem B 33 unabdingbar. Mit der Modernisierung schaffe die Stadt dafür die Voraussetzungen und steigere zugleich den Wert ihrer Immobilie. Die Maßnahmen, die zusätzliche Kosten verursachen, seien dabei unabhängig von der Nutzung als Gründerzentrum notwendig, um das Gebäude weiter wirtschaftlich betreiben oder verpachten zu können, betonen Herrenknecht, Schrempp und Weide. „Ohne diese Sanierung drohen mittelfristig ein Nutzungsverbot und in der Folge ein kostspieliger Rückbau.“ Das B33 sei „nicht irgendein Altbau, sondern das Fundament für die Umsetzung des gesamten Projekts“. Eine geeignete Ausweichfläche oder eine kostengünstigere Alternative gebe es nicht.
Hintergrund
Das Innovations- und Gründerzentrum Innolab 33 soll von der im vergangenen Jahr aus der Taufe gehobenen „Startklahr Innovationen GmbH“ betrieben werden. Diese wiederum wird getragen von der Stadt Lahr (Anteile für 154 000 Euro), dem Industrie- und Gewerbezentrum Raum Lahr (154 000 Euro) sowie den Firmen Schrempp EDV (50 000 Euro), Herrenknecht (50 000 Euro) und Blackvrst Equity (40 500) Euro.