Kultur
: Lahrer Filmclub dreht mit „Tatort“- und „Fallers“-Schauspielern

Der Verein hat die Dreharbeiten für sein bisher größtes Projekt abgeschlossen: der abendfüllende Streifen „Draußen“, der eine dramatische Geschichte aus dem Obdachlosenmilieu erzählt. Die Handlung ist fiktiv, doch ein Charakter hat ein reales Vorbild: Alfons Nowak, Lahrs bekanntester Obdachloser.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Jörg Harald Werron als „Alfons“ und Dieter Rupp als „Franz“ bei Dreharbeiten auf dem Lahrer Marktplatz. Die Kamera bediente Lukas Herbrand, die Tonangel hielt Jan Korinth.

Jörg Harald Werron als „Alfons“ und Dieter Rupp als „Franz“ bei Dreharbeiten auf dem Lahrer Marktplatz. Die Kamera bediente Lukas Herbrand, die Tonangel hielt Jan Korinth.

Schabel
  • Lahrer Filmclub schloss Dreharbeiten zu „Draußen“ ab – ein Sozialdrama über Obdachlosigkeit.
  • Hauptfigur Franz verliert nach dem Tod seiner Frau den Halt und strandet mittellos in Lahr.
  • Rollen: Dieter Rupp als Franz, Jörg Harald Werron als „Alfons“ nach Vorbild Alfons Nowak.
  • Gedreht wurde an realen Schauplätzen in Lahr, ohne große Absperrungen und mit Passanten.
  • Premiere ist am Freitag, 3. März 2027 im Lahrer Forum-Kino in Anwesenheit von Crew und Cast.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Die beiden Darsteller sitzen lässig in Klappstühlen, während Regisseur Enrico Kurz mit dem Kamerateam letzte Details durchgeht. „Wir sind soweit“, sagt der 66-Jährige dann zu Dieter Rupp und Jörg Harald Werron, die sich daraufhin auf dem Marktplatz aufstellen. Vor ihnen Kameramann Lukas Herbrand und Jan Korinth, der die Tonangel hält.

„62, die Erste“, sagt Kurz, dann beginnt die Aufnahme. Rupp und Werron unterhalten sich lautstark und kicken wild eine leere Bierdose über den Platz, während Herbrand die beiden im Rückwärtsgehen filmt. Dank der dynamischen Kameraführung sollen spannende, kinotaugliche Bilder entstehen. Kurz lässt die gut eine Minute lange Szene einmal wiederholen und ist dann mit der Aufnahme zufrieden.

Werron trägt einen Rock, Cowboyhut und Gummistiefel, ein Outfit, das nicht zufällig gewählt ist. Denn die von ihm gespielte Figur ist an Alfons Nowak angelehnt. „Alfons“, wie er von den meisten genannt wurde, war bis zu seinem Tod im Mai 2019 im Alter von 70 Jahren der bekannteste Obdachlose in Lahr. Mit seinen schrillen und bunten Verkleidungen gehörte er fast schon zum Stadtbild.

Er sei ihm nie begegnet, sagt Werron, Theaterpädagoge und Schauspieler aus dem Rhein-Main-Gebiet. Lediglich in einem Video habe er Nowak gesehen. Doch in Lahr hätten ihm viele Menschen von ihm erzählt, als sie erfuhren, dass er ihn in einem Film verkörpert. Zum Beispiel, dass er besonders freundlich zu Kindern war oder es liebte, den Verkehr zu regeln.

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Der Film zeigt, wie ein Mensch den Halt verlieren kann

„Alfons“ ist indes nicht die Hauptfigur des sozialkritischen Spielfilms mit dem Titel „Draußen“. Die heißt vielmehr Franz.

Die Handlung in Kurzfassung: Nach dem Tod seiner Frau verliert Franz den Halt, auch der Kontakt zu seinem Sohn bricht ab. Auf einer geplanten Reise nach Spanien wird er im Zug ausgeraubt und strandet ohne Geld und Ausweispapiere in Lahr, wo er ganz unterschiedlichen Menschen begegnet, darunter „Alfons“. In Lahr soll sich sich sein weiteres Schicksal entscheiden.

Verkörpert wird Franz von Dieter Rupp, der mit seiner hageren Erscheinung perfekt zu der Rolle passt – er ist ebenso treffend gecastet wie Werron, der Alfons Nowak durchaus ähnlich sieht.

Es sei ein tolles Drehbuch, sagt Rupp in einer kurzen Drehpause unserer Redaktion. Die Geschichte habe ihn angesprochen, da sie von einem Schicksal erzähle, das jeden treffen könne. Nämlich dass man durch eine plötzliche Wendung den Halt im Leben verlieren kann.

Rupp hat bereits in mehr als 70 Film-und-Fernsehproduktionen mitgespielt, darunter deutsche Kinoperlen wie „Der Untergang“ oder „Sophie Scholl – die letzten Tage“ sowie Krimiserien wie „Derrick“ oder „Tatort“. Werron hat ebenfalls TV-Erfahrung, er wirkte vor allem in Gerichtsshows wie „Barbara Salesch“ oder „Alexander Hold“ mit.

Zur Besetzung gehört auch Alessio Hirschkorn, den man aus der SWR-Fernsehserie „Die Fallers“ kennt. Hirschkorn hatte seine Szenen aber bereits abgedreht und war beim letzten Drehtag am Freitag auf dem Marktplatz nicht dabei. Insgesamt 13 professionelle Schauspieler und Schauspielerinnen standen vorder Kamera – alle ohne Gage, der Filmclub zahlte ihnen lediglich die Übernachtungen vor Ort.

Auf die Frage, was ihn an dem Low-Budget-Projekt gereizt hat, nennt Rupp die Überzeugungskraft eines ambitionierten Drehbuchs sowie das insgesamt sehr angenehme Set-Umfeld des Lahrer Filmclubs, das er bereits von einem früheren Dreh gekannt habe. Ihm habe dieses Projekt mehr Freude bereitet als so manche Großproduktion. „Es ist richtig schade, dass die Dreharbeiten nun enden“, sagt er unserer Redaktion.

Für die Schlüsselposition hinter der Kamera holte sich der Filmclub ebenfalls einen Profi an Bord. Die Bildregie führte der Düsseldorfer Lukas Herbrand, der an Produktionen für Plattformen und Sender wie Netflix, ZDF, Pro7 und den WDR mitarbeitete. An der Produktion sind natürlich auch Mitglieder des Lahrer Filmclubs beteiligt. Die Bildtechnik betreuten auf dem Marktplatz Jürgen Bergmann und Werner Harter. Zum engeren Team gehören auch Bergit Bergmann (Kamera), Kai Brändle (Licht) und Maurizio Poggio (Organisation).

Gedreht wird im echten städtischen Leben in Lahr

Der Kopf hinter dem Projekt ist Enrico Kurz. Der 66-Jährige führt nicht nur Regie, sondern hat auch das Drehbuch geschrieben. Der Tod von Alfons Nowak habe ihn dazu gebracht, eine Geschichte über einen Menschen zu entwickeln, der schuldlos in existenzielle Not gerät, erzählt er. Ihre Spannung beziehe die Handlung aus der Frage, ob „Franz“ in die Obdachlosigkeit abdriftet oder die Rückkehr in ein normales Leben schafft.

Im April 2025 begannen die Aufnahmen, die wegen anderweitiger Verpflichtungen der Schauspieler nach wenigen Tagen unterbrochen werden mussten. Insgesamt gab es fünf jeweils einwöchige Drehblöcke. Gedreht wurde direkt im echten städtischen Leben in Lahr, unter anderem in der Marktstraße, im Bürgerpark, an der Schutter sowie in Mahlberg und am Offenburger Bahnhof, ganz ohne große abgesperrte Filmsets. Im Hintergrund der auf dem Marktplatz gefilmten Szene werden zum Beispiel Passanten zu sehen sein, die zufällig vorbeigingen.

Nun, da alles im Kasten ist, beginnt die umfangreiche Endbearbeitung, die ebenfalls Enrico Kurz übernimmt. Der Film, gedreht in 4k, könne bis zu 120 Minuten lang werden; so viel Material habe man gedreht, sagt Kurz. Und dass „Draußen“ den Höhepunkt des bisherigen Schaffens des Lahrer Filmclubs darstellen werde.

Premiere im Lahrer Forum-Kino

Der Tag der Filmpremiere steht bereits fest – es ist Freitag, 3. März 2027. An dem Abend wird „Draußen“ im Lahrer Forum-Kino gezeigt – in Anwesenheit der Schauspieler und der Filmcrew sowie vor einem großen Publikum, wünschen sich die Beteiligten vom Lahrer Filmclub.