Krankenwagen auf dem Platz: SV Rust verliert gegen Fautenbach ein Finale mit großem Schreckmoment

Enttäuscht stehen die Ruster Spieler nach der Finalniederlage auf dem Platz.
Horst KünstleBezirkspokal, Finale: SV Rust - SV Fautenbach 1:2 (1:0). Es sollte ein unbeschwerter Fußballnachmittag vor einer tollen Kulisse von 1800 Zuschauern werden, als sich mit dem SV Rust und dem SV Fautenbach die beiden besten Teams der Bezirksliga auch im Finale des Bezirkspokals gegenüberstanden. Doch am Pfingstsonntag waren die Gedanken rund um die 60. Spielminute ganz woanders.
Fautenbachs Torwart Luca Bauhüs parierte einen Schuss von Nando Schoner und warf sich auch in den Abpraller, der Santino Größer vor die Füße gefallen war. Die beiden prallten zusammen und Bauhüs wurde am Kopf getroffen. Sofort wurde nach den Sanätätern gerufen, die – mit einiger Verzögerung – auch beim Verletzten ankamen. „Er ist komplett weg“, sagte einer der Fautenbacher Spieler an der Seitenlinie. Sichtschutz und Sonnenschirm wurde aufgebaut und der Krankenwagen gerufen.
Die Partie war insgesamt rund eine halbe Stunde unterbrochen. Als Bauhüs abtransportiert wurde, winkte der Schlussmann noch den Zuschauern zu und gab zu verstehen, dass es ihm den Umständen entsprechend gut ging. Er erlitt trotz allem einen offenen Bruch.

Der Krankenwagen war im Einsatz.
Foto: KronAls das Spiel dann wieder aufgenommen wurde, war es wie ein Neustart der Partie. Rust war kurz vor der Pause durch ihren Top-Torjäger Santino Größer in Führung gegangen. Er drehte sich im Strafraum mit dem Ball eng am Fuß um die eigene Achse und hatte dann Glück, dass das Spielgerät vom Gegenspieler wieder zurück zum Torjäger sprang. Größer blieb beim Ping-Pong im Strafraum hervorragend in der Balance und stocherte die Kugel noch ins rechte untere Eck. Es war ein richtiges Wühler-Tor des Stürmers, das an Thomas Müller oder dessen großen Namensvetter Gerd erinnerte.
Gegner trifft nach offizieller Spielzeit in der 100. Minute
Als es nun nach der langen Unterbrechung weiterging, kippte das Spiel jedoch. Fautenbach hatte in der – laut offizieller Spielzeit – durch die Verletzungspause schon 100. Minute zunächst Pech, als ein klarer Vorteil vom Schiedsrichter abgepfiffen wurde. Statt einer guten Schussposition im Strafraum gab es Freistoß an der rechten Strafraumkante mit schlechtem Winkel zum Tor. Felix Ehrmann war dies allerdings egal. Er brachte die Kugel scharf rein und der Ball flog an Freund und Feind vorbei ins Netz. SVR-Keeper Pascal Metzger hatte so viele Beine vor sich, dass er denn Ball spät sah und in dieser unangenehmen Situation für jeden Torwart geschlagen war.

Fautenbach feiert den Sieg.
Foto: Horst KünstleNur sechs Minuten später hatten die Fautenbacher das Spiel komplett auf den Kopf gestellt. Wieder war Ehrmann zur Stelle, als der SVF über den linken Flügel konterte. Die Hereingabe erreichte die Nummer 13 mutterseelenallein im Strafraum stehend und er musste den Ball nur noch gegen die Laufrichtung des Torwarts reindrücken.
Die Schlussphase brach an und nun waren es die Ruster, die Hinterherlaufen mussten. Bis zu ihrer Führung waren die Europa-Park-Kicker das leicht bessere Team mit mehr Ballbesitz gewesen, ohne jedoch zahlreiche Hochkaräter rauszuspielen. Bei drückend warmen Sommerwetter war es allerdings auch verständlich, dass dem Spiel die letzte Spritzigkeit abging.
Wartezeit nach dem Erfolg 2011 geht weiter
Der eingewechselte Viktor Draghici versuchte es noch zwei Mal aus der Distanz und Kapitän Matteo Größer zielte über das Tor. Dann war Schluss und die Fautenbacher liefen jubelnd über den Rasen.
Fautenbach hatte den Pokal zuletzt 2021 gewonnen und war 2022 im Finale unterlegen. Die Ruster waren 2011 der Titelträger gewesen und müssen diese lange Wartezeit ohne den Cup in den Händen nun noch einmal verlängern.
„Wir haben zu Beginn der Partie als auch zum Start der zweiten Halbzeit richtig gut gespielt. Wir waren aggressiv, wir haben alles auf dem Platz gelassen und haben guten Fußball gezeigt“, sagte SVR-Trainer Lucca Größer nach dem Spiel, bevor er auf den Knackpunkt durch die Verletzung von Bauhüs einging: „Erst einmal Genesungswünsche an ihn. Es ist sehr schade, dass so ein Pokalspiel davon überschattet wird. Für uns war diese lange Pause im Nachgang nicht gut, nachdem wir die 60 Minuten stark im Spiel waren. Dann braucht Fautenbach nicht einmal zehn Minuten für die zwei Tore. Danach hatten wir wieder gute Chancen, aber leider hat es heute nicht sein sollen. Trotzdem ein Riesenkompliment an meine Mannschaft.“
Für Rust ist die Saison mit dem Finale im Pokal noch lange nicht beendet, denn in der Bezirksliga stehen noch drei Spiele an, in denen der Relegationsplatz zum Landesligaaufstieg gesichert werden soll. „Wir haben uns in der Liga eine super Ausgangslage erarbeitet. Jetzt gilt es, den zweiten Platz zu erreichen und dann die Relegation zu gewinnen“, so Größer. Für diese entscheidende Ligaphase haben sich die Ruster allerdings noch nicht aller Verletzungssorgen entledigt. „Santino Größer hat heute auf einem Bein gespielt und Geraldum Kappa hatte vor dem Finale nur einmal trainieren können. Er war die einzige Option auf unserer Bank mit Tempo, daher musste er noch reinkommen. Es könnte rosiger sein, es wird aber auch wieder besser“, schloss der SVR-Coach und fasste mit diesem Schlusssatz das Seelenleben nach der bitteren Niederlage wie auch die personelle Situation passend zusammen.
Bei der Siegerehrung wurden die besten Spieler der jeweiligen Teams ausgezeichnet. Der jeweils gegnerische Trainer hatte dafür seine Stimme abgegeben. Als bester Spieler von Rust wurde Cagkan Saki geehrt und bei den Fautenbachern fiel die Wahl verständlicherweise auf den Doppeltorschützen Felix Ehrmann. Der SV Rust bekam zudem vom SBFV noch einen Scheck über 1200 Euro und der SV Fautenbach einen über 2500 Euro überreicht.
SV Rust: Metzger; Singler, M. Größer, Saki (90+14 Draghici), Schoner, S. Größer, B. Bodnik (46. Rupps), M. Bodnik, Depner, Feger, Sobczyk (90.+28 Kappa).
Tore: 1:0 S. Größer (45.), 1:1 Ehrmann (90.+10), 1:2 Ehrmann (90.+16).
Appenweier verliert 1:3
Schon vor dem Herren-Finale um 16 Uhr standen die Frauen in Ottenheim auf dem Platz, um den neuen Bezirkspokal-Sieger zu bestimmen. Neu war der Gewinner am Ende allerdings nicht, denn die SG Renchtal verteidigte ihren Titel aus dem Jahr 2025 gegen den SV Appenweier. Jessica Kramm hatte den SVA in der 24. Minute in Führung gebracht, doch schon vor der Pause drehte die SG durch Tore von Christine Veth und Cindy König das Ergebnis zu ihren Gunsten. In der zweiten Halbzeit passierte lange Zeit auf der Anzeigentafel nichts, bis Lisa Bähr mit ihrem Treffer zum 3:1 nachlegte.
