Konzert in Ettenheimmünster: Mischung aus Jazz und ungarischen Klängen verzaubert Gäste

Rund 80 Gäste kamen nach Ettenheimmünster, um das Quartett spielen zu sehen.
Vichra- Quartett „Akrobat“ begeisterte in Ettenheimmünster mit Jazz und Bartók-Interpretationen.
- Spielort war „Landelins Garten“ im Rahmen der Reihe „Jazz am Schönberg“ mit über 80 Gästen.
- Besetzung: Kontrabass, E-Gitarre, Schlagzeug und Vibrafon – teils mit spontanen Zwischenapplaus.
- Programm mischte eigene Stücke und Bartók-Bezüge, darunter „Mikrokosmos“, „Ederlezi“ und Tänze.
- Nächster Termin im Garten: am Sonntag, 6. September, spielt Florian Döling mit „European Quartett“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wie passen afroamerikanisch inspirierter Jazz und der ungarische Komponist Béla Bartók als Vertreter der Moderne des letzten europäischen Jahrhunderts zusammen? Judith Goldbach machte es mit ihrem Quartett vornehmlich als „Klanggemälde“ deutlich. Schauplatz des Konzertes mit mehr als 80 Gästen war der klösterliche „Landelins Garten“ der Pächterfamilie Treiber, dies abermals im Rahmen der Freiburger Konzertreihe „Jazz am Schönberg“ als Sommerfestival in diversen Gärten.
Vorab muss man wissen, dass sich die Stuttgarterin Goldbach mit ihrem für Jazz recht untypischen Kontrabass auch noch als Ideengeber ihrer eigenen Kompositionen ausgerechnet auf Bartók kapriziert hatte. Der war auch für sein systematisches Sammeln von Balkan-Volksliedern bekannt gewesen.
Zum Einstieg erklangen folgerichtig „Variationen“ zu Bartóks originalem „Mikrokosmos“, nicht minder munter, ausgefallen und herrlich verjazzt. Dazu trugen natürlich auch hier schon Gitarrist Sebastian Böhlen, Schlagzeuger Michael Fischer und Vibrafonist Michael Kiedaisch maßgebliche Zusammenklänge bei.
E-Gitarren-Solos begeistern das Publikum
Eine frühere Allgäuwanderung hatte Goldbach zum eigenen „Nachtwandel“ inspiriert – mit Kuhglocken, kraftvoll stapfenden Bass-Tritten und gespenstischen Vibrafon-Passagen plus geheimnisvollen Gitarren-Licks als kurze Tonfolgen.
Mit ruhig schreitendem Kontrabass, dezentem Schlagzeug und kontemplativer Gitarre entstand hier ein Klangteppich von eher gemütlichem und dennoch facettenreichem Jazz. Mit „Ederlezi“ kam indes ein vom Bartók gesammeltes, eher wehmütiges rumänisches Volkslied in neuer Jazzfassung daher, einschließlich eingestreuter muntererer Vibrafon-Variationen.
Beim von Gitarrist Böhlen komponierten träumerischen „Chip & Charge“ kam neben hineinwirbelndem Vibrafon natürlich auch eine E-Gitarre zur Geltung. Der ebenfalls von Böhlen geschriebene Samba „Bartitok“ samt stilgerechten brasilianischen Pfeifen erwies sich ebenso als sehr pfiffig. Naturgemäß hatte sich Goldbach mit ihrem tieftönenden Kontrabass nur in sehr gelegentlichen Soloparts die musikalische Hauptrolle erspielen können – hatte das aber auch gar nicht vor. Hingegen hatte sich der in Ostfriesland aufgewachsene Sebastian Böhlen an der E-Gitarre etwa manchen spontanen Zwischenapplaus als Meister der Improvisation eingeheimst, ebenso der Stuttgarter Kiedaisch als „Libero der Klänge“ an seinem für Jazz klassischen Vibrafon.
Fremde und eigene Stücke wechselten sich ab
Der Mannheimer Perkussionist Michael Fischer steuerte zu allem passende, wohltuend unaufgeregte und dennoch prägnante, stets passende Schlagzeugtöne bei. Ein „Periculum“ (Gefahr) aus Goldbachs eigener Notenfeder brachte die beiden Saiten-Virtuosen zur besonderen Geltung, bevor mit „Todoras Dreams“ ein von Bartók schriftlich gerettetes bulgarisches Schlummerlied über ein Mädchen unter dem Nussbaum nun behutsam wieder auferstand, gelegentlich nahezu an die Sandmännchen-Melodie erinnernd. Mit „In one Spot“ ging es per rumänischem Volkstanz munter, balkan-orientalisch angehaucht, weiter, samt bester Gitarreneinlage.
Dem folgte Goldbergs lange „Unendlichkeit“ mit besonders sphärischen Klängen, zarter Gitarre, unaufdringlichem Schlagzeug und natürlich besonders beruhigend tonangebendem Kontrabass beim geruhsamen Gleiten in die Ewigkeit hinein. Das Stück war als Erinnerung an Goldbergs verstorbenen früheren Drummer entstanden.
Anschließend wurde nochmals Bartók aufgegriffen, nämlich mit einem klar balkan-geprägten „Siebenbürgischen Tanz“ samt angerockten gitarristischen Einlagen. Auch bei der beharrlich herbeigeklatschten Zugabe blieb sich das Quartett stilistisch treu – nämlich mit einem balkanischen Rundtanz zu einem Kindergeburtstag, hier eher jazzbesinnlich als üblich quirlig.
Das Sommerfestival geht am Sonntag, 6. September, in die letzte Runde in diesem Jahr. Zu Gast in Landelins Garten in Ettenheimmünster ist Florain Döling mit dem „European Quartett“. Die vier Musiker lassen in ihren Stücken sehr viel Raum für den individuellen und spontanen Ausdruck, heißt es in einer Mitteilung. Los geht es um 17.30 Uhr.