Klänge und Komik: So lief das Winterkonzert der Schlosskapelle Schmieheim

Dirigent Christian Sade führte die Kapelle durch ihr Winterkonzert. Gemeinsam boten sie eine eindrucksvolle Vorstellung, die das Publikum in der voll besetzten Festhalle überzeugte.
Schillinger-TeschnerWenn Biene Maja und Aschenbrödel aufeinander treffen, dann findet in Schmieheim wieder das Winterkonzert der Schlosskapelle statt. Dirigent Christian Sade hatte ein ganzheitliches Feuerwerk inszeniert, das alle Sinne der Zuhörer anzusprechen wusste. Diese waren so zahlreich in die Festhalle geströmt, dass zusätzliche Bestuhlung aufgefahren werden musste. Sabrina Bischof und Georg Frenk geleiteten charmant und mit pointenreichen Spitzen durch das Gesamtwerk, spielten und konterten die verbalen Spielbälle mit dem Schauspieler-Duo Sabine Hartmann und Dieter Henninger sowie dem Dirigenten des ganzen Spektakels, der alle Fäden zu vereinen wusste.
Zur Eröffnung des Winterkonzertes zeigten die Jungmusiker ihr Können mit der Musikalversion von „I will follow him“ aus Sister Act und ernteten für die teilweise in weniger als einem Jahr angeeigneten Spielkünste verdienten Applaus. „Not amused“ zeigte sich Moderatorin Sabrina Bischof, als das Orchester „Biene Maja“ anstimmte und hierdurch dieselbe nebst Freund Willi anlockte. „Solche Klänge kannst du zu deinem Jubiläum 2027 anstimmen lieber Christian, heute möchten wir angemessen getragen unterhalten werden“, verbannte sie die beiden Bienchen von der Bühne und ermahnte Dirigent und Orchester zu mehr Ernsthaftigkeit. Folgsam wurde „A Christmas Festival“ von Leroy Anderson intoniert, das ein Medley der acht bekanntesten Weihnachtslieder von „Joy to the World“ über „Jingle Bells“ bis zu „Stille Nacht“ verwob.
„Als der Nikolaus kam“, Erich Kästners Übersetzung des amerikanischen Weihnachtsgedichts „A Visit from St. Nicholas“ von Clement Clarke Moore mit zauberhaften Formulierungen, wurden von Dieter Henninger im Armlehnstuhl vorgelesen, vom Orchester mit den stimmigen Geräuscheffekten unterstützt und von Sabine Hartmann mit komödiantischem Feinsinn in Szene gesetzt. Musikalisch ging es dann mit dem traditionellen afroamerikanischen Spiritual „He’s got the whole world in his hands“ und „He’s a jolly good fellow“ weiter.
Jäger geht auf eine musikalische Pirsch
Die Anmoderation von „Hallelujah“ als nächstem Liedbeitrag entfachte zwischen den beiden Schauspielern eine lebhafte Diskussion, welches Halleluhja denn nun zu erwarten sei. Virtuos lösten die Musiker das Rätsel auf und boten eine sehr gelungene Interpretation von G.F. Händels „Halleluhja“ aus dem Messias. Das Märchen „Hans im Glück“ der Gebrüder Grimm schloss sich als gespielte Musikgeschichte an. Für „L’inverno è passato“ (Der Winter ist vorüber) begab sich ein Jäger auf die Pirsch, um den Kuckuck aufzuspüren. Mit seinem hellen Ruf auf der Gefäßflöte – einem mittelalterlichen Blasinstrument – angelockt, musste der Vogel schließlich reichlich Federn lassen. Mit „Noël Provençal“ von Michel Carros entführten Dirigent und Musiker die Zuhörer in die Lavendelfelder der französischen Region. Mit „Küss mich, lieb mich, halt mich“ aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ erfüllten die Musiker den sehnlichsten Weihnachtswunsch der Prinzessin Hartmann, die in standesgemäßem Kleid mit ihrem Prinzen den Klängen lauschte und sogar ein Tänzchen wagte. Mit „wake me up bevor you go-go“ von Wham wurde der musikalische Gegenpart gesetzt.

Die Musiker sorgten auch für Lacher.
Foto: Schillinger-Teschner„Sweet bells fantasy“, eine kreative Interpretation des deutschen Weihnachtsliedes „Süßer die Glocken nie klingen“, sorgte mit leisen Tönen der Holzbläser über Decrescendi der Blechinstrumente bis zu Akzenten durch das Schlagwerk für Begeisterung. Gepfiffen und mitgesungen wurde dann zu „always look on the bright side of life“, dem „Gassenhauer“ aus Monty Pythons „Life of Brian“. Opulent setzte das Orchester die von Sade zu einem Stück vereinten „Schtschedryk“ – ukrainisches Volkslied, das Ursprung und besser bekannt als „Carol of the Bells“ ist – und Tschaikowskys „Valse Scherzo“ als krönenden Abschluss des Winterkonzertes um. „Feliz Navidad“ und gemeinsam angestimmte Weihnachtslieder rundeten den Abend musikalisch ab.
Info – Besondere Anlässe
Nach Dankesworten an alle Helfer und Mitwirkenden durfte Georg Frenk, assistiert von Sabrina Bischof, noch zwei besondere Anlässe verkünden: Die Eheleute und langjährigen aktiven Musiker der Schlosskapelle Anne und Sigi Haist hatten erst von wenigen Tagen ihre Goldene Hochzeit feiern dürfen. Hierzu gratulierte der Musikverein. „Last but not least“ durfte Philipp Ernst die Ernennungsurkunde zum Ehrenvorsitzenden entgegen nehmen. Er hatte sechzehn Jahre die Geschicke des Vereins gelenkt und ist dem Ensemble weiterhin aktiver Musiker erhalten geblieben.