Interview mit Johannes Mette
: Das sagt der Lahrer Dekan vor seinem Abschied

Johannes Mette wird am Sonntag seine letzte Predigt in Lahr halten. Der Dekan wird im Zuge der Umstrukturierung der Erzdiözese nach Bruchsal versetzt
Von
Jonas Köhler
Lahr
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Wird die Region, ihre Menschen und ihre Kirchen vermissen: Pfarrer Johannes Mette, hier in St. Peter und Paul, wo er am Sonntag verabschiedet wird.

asd

Die Erzdiözese Freiburg verschlankt sich zu 36 Großpfarreien. Damit gehen personelle Veränderungen einher. Der bisherige Lahrer Dekan, Johannes Mette, leitet künftig die Kirchengemeinde Bruchsal. Der Abschied fällt ihm schwer.

Herr Mette, am Sonntag geben Sie Ihren letzten Gottesdienst in St. Peter und Paul. Wie schwer fällt es Ihnen, Lahr zu verlassen?

Ich gehe schon mit Wehmut. Ich war jetzt siebeneinhalb Jahre da und wäre ohne die Reform in der Erzdiözese Freiburg, die eben erforderlich macht, dass ich wechsle, auch gerne noch geblieben.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Ich bin immer gern in die Gemeinden und die Gottesdienste gegangen. Die Gespräche vorher und nachher waren wie eine Nahtstelle. Das ist wichtig, das ist unser Kerngeschäft. Ich war überall gerne, in Lahr und Schuttertal gibt es wunderbare Kirchen. Eine schöner als die andere. Aber eben auch Leute, die sehr offen sind. Das werde ich sehr vermissen.

Ihre neue Kirchengemeinde umfasst rund 100 000 Gläubige. Wie haben Sie sich auf die neue Herausforderung vorbereitet?

Ich bin in den letzten Monaten sehr oft dort gewesen. Es standen viele Dinge an – von Vorplanungen bis zu Einstellungsgesprächen –, bei denen ich dabei sein musste. Ich habe mir auch schon einige Gedanken gemacht und nach meiner Verabschiedung noch eine Auszeit, die ich nutzen werde. Mir ist wichtig, dass ich gut gerüstet bin. Ich habe immer das Gefühl, Neues lernen zu können. Der größte Fehler wäre, zu sagen: „Ich weiß schon alles.“

Die Austrittszahlen sind oft Thema, aber viele gehen noch immer gern in die Gottesdienste. Warum hat die Kirche immer noch eine so große Bedeutung?

Da gibt es sicher verschiedene Gründe. Mir sagen die Menschen, dass der Gottesdienst ihnen Kraft und Halt gibt, dass sie Inspiration brauchen. Ich habe den Eindruck, dass das zugenommen hat. Die Menschen kommen bewusst und mit einer Erwartung. Ein zweiter Punkt ist, dass vielen Menschen kirchliches Leben in ihrem Ort wichtig ist. Sie spüren, dass die Bindung weniger wird und fühlen sich in der Pflicht, dass kirchliches Leben weitergeht.

Trägt ein Vorgehen wie das der Caritas beim Pflegeheim in Seelbach dazu bei, dass sich die Menschen mehr von der Kirche distanzieren?

Ich habe gemerkt, dass es Kritik, Enttäuschung und Verärgerung gab. Das hat uns geschadet und war nicht gut für das Gemeindeleben in Seelbach.

Wird die Reform der katholischen Kirche helfen?

Hoffentlich. Es hat eine Änderung gebraucht, wir hatten zu viele Ebenen, so dass Außenstehende keinen Überblick hatten. Das Ziel ist die Verschlankung auf eine große Pfarrei. Ich habe lediglich die Befürchtung, dass es mit den Umstellungen am Anfang etwas knirschen wird und es Zeit braucht, bis diese greifen. Denn es ist sehr vieles auf einmal neu.

Das heißt, sie raten den Gläubigen zu Geduld?

Genau. Wir haben beispielsweise eine neue Gottesdienstordnung für die südliche Ortenau beschlossen. Das bedeutet einerseits, dass es weniger Gottesdienste gibt, weil es weniger Priester gibt, aber es ist eine sehr gerechte Lösung, dass alle sagen können: „Wir werden gleich behandelt“. Da bitte ich um Verständnis für diese Veränderungen. Sie haben einen Grund.

Wie blicken Sie insgesamt auf die Zukunft der katholischen Kirche?

Ich bin da ein bisschen Berufsoptimist. Es ist wichtig, dass man nicht nur umgestaltet, sondern in Aufbruchsthemen investiert. Wenn alle, die interessiert und motiviert sind, Aufbrüche schaffen, kann etwas wachsen. Man kann nicht den Schalter umlegen und dann sind die Kirchen wieder voll.

Was sind diese Aufbruchsthemen?

Eines ist: „Was möchte Gott von mir?“, also die Berufswahl mit dem Glauben zu verbinden. Ich merke, dass Jugendliche oft nicht wissen, was sie im Leben machen sollen. Es gilt zu schauen: „Welche Begabung hast du, was hat Gott dir an Gaben geschenkt?“

Das Ziel ist also, den Glauben mehr in den Alltag einzubinden...

Genau. Kirche ist oft verbunden mit Tradition. Das Klischee: Man geht in den Gottesdienst, sitzt ihn ab, und geht wieder nach Hause. Das ist für mich kein Aufbruch, wenn es aus einer Verpflichtung geschieht. Aufbruch ist dort möglich, wo ein Feuer zündet. Kirche möchte dabei helfen, dass der Glaube eine Form bekommt.

Denken Sie, dass die Kirchengemeinde Südliche Ortenau bei Ihren Nachfolger, Nelson Ribeiro, in guten Händen ist?

Ich habe ein gutes Gefühl. Ich wünsche ihm, dass es eine gute Zeit wird. Es ist aber eine Teamaufgabe.

Wie wird Ihr letzter Gottesdienst ablaufen?

Ich werde versuchen, eine ordentliche Predigt abzuhalten und natürlich vielen Leuten auch persönlich „Danke“ zu sagen. Es ist mir sehr wichtig, direkt Abschied zu nehmen.

Der Abschiedsgottesdienst

Johannes Mette, Jahrgang 1970, wird an diesem Sonntag ab 10.30 Uhr bei seinem letztes Gottesdienst in St. Peter und Paul in Lahr verabschiedet. Mettes erster Gottesdienst an neuer Wirkungsstätte ist am Sonntag, 26. Oktober, in der Stadtkirche in Bruchsal.

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