In Landelins Garten
: Wie zwei Musiker in Ettenheimmünster über Heimat sprechen

Beim dritten Gesprächsabend in Ettenheimmünster kamen zwei dorfbekannte Künstler zu Wort: Matt Woosey und Hans-Peter Eckert. Beide blickten zurück.
Von
Michael Masson
Ettenheim
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Matt Woosey (links) und Hans-Peter Eckert sprachen im Landelins Garten über ihre Liebe zur Musik. Dortje Treiber moderierte das Ganze.

Hiller

Auch zum dritten Teil der Gesprächsreihe „Heimatabend – Zeit für Menschen und Geschichten“ fanden sich in Landelins Garten auf dem ehemaligen Klostergelände viele Gäste ein. Nach vorangegangenen Themen der Schule und heimischen Küche (wir berichteten) ging es jetzt um die Musik.

Dazu hatte Dortje Treiber als Moderatorin unter freiem Himmel mit den erzählfreudigen Gesprächspartnern Matt Woosey und Hans-Peter Eckert wahrlich keine Ortsfremden eingeladen. Eckert ist in Ettenheimmünster bestens bekannt, nicht nur als jahrzehntelanger Vorsitzender des hiesigen Musikvereins, und drum stilgerecht auch im grünen „Dienstanzug“ erschienen. Obzwar gebürtiger Engländer ist längst auch Matt Woosey in dem Klosterdorf angekommen, seitdem er 2016 nach Münchweier eingeheiratet hatte und später dort mit seiner Frau Lisa sechs Jahre lang das „Gallaghers Nest“ als Szene- Musiktreff betrieben hatte.

Erste Frage von Treiber, nachdem Woosey zum Einstieg ein selbst geschriebenes Sehnsuchtslied „Going home“ samt Gitarre kraftvoll bis zart zum stimmlichen Besten gegeben hatte: „Was sind eure Erinnerungen an früher?“ Für Eckert mit Jahrhunderte langen Familienwurzeln in Ettenheimmünster war das ganz klar: „Als ich noch jung und hübsch war, prägte die Landwirtschaft noch fast jede Familie – so auch meine mit vier Geschwistern.“

Landwirtschaft bestimmt die Kindheit

Damals habe man schon als Kinder in der Freizeit per Hacke oder Gabel kräftig mitgeschafft. Woosey hingegen, in eine oft umziehende Soldaten-Familie hineingeboren, sei immer das schwarze Schaf gewesen, weil er als einziger Nachkomme die Musik einer Armeekarriere vorgezogen habe. Er schlug auch nach langem Internat-Aufenthalt noch keine richtigen Wurzeln, bis er erstmals als junger Erwachsener zwischen Birmingham und Bristol länger wohnen blieb.

Zweite Frage: Was schätzen die beiden Musiker an der Heimat? Eckert zugegebenermaßen anfänglich wenig, wie er spitzzüngig erklärt: „Als Junger will man da einfach weg aus dem Scheißkaff.“ Das hat sich im Erwachsenenalter offenbar geändert. Für Eckert gab’s immerhin schon als Zehnjähriger den Musikverein, anfänglich mit Klarinette und Saxophon plus Notenlernen – nicht gerade zur Freude der Eltern. Doch die machten dann ihren Frieden, mit klarer Ansage zum Dabeibleiben.

Anfangs wollte Eckert „nur weg“ aus dem Dorf

Für Eckert gab’s nur Freude beim Verein: „Da waren die Musikproben schön und lustig, es gab auch Ausflüge.“

Woosey hingegen hatte im Internat ein Schlagzeug entdeckt, war mit dem als erst 15-Jähriger sogar schon für zwei Wochen beim musikalischen Theaterstück einer irischen Band eingesprungen: „Das machte mehr Spaß als Mathe.“ Noch in der Schule lernte er Gitarre, entdeckte dabei den Blues und „Led Zeppelin“ als Lieblingsband. Auch Eckert blieb unbeirrt bei seiner jugendlichen Musikbegeisterung: „Mir waren die Sommerferien eher zu lang, weil es da keine Proben gab.“ Eine der ersten Vereinsausflüge führte ihn nach Südtirol. Wenn er nicht in der Türkei urlaubt, fährt er bis heute nach Tirol, richtet sich dabei zeitlich nach dortigen diversen Konzerten und bringt Noten mit nach Hause zurück.

Das Publikum lauschte gespannt.

Foto: Hiller

Schon mit 15 Jahren hatte sich Eckert bei seinem Musikverein als Jugendleiter engagiert, einige Zeit später nach Schriftführertätigkeit dann für stolze 36 Jahre am Stück als Vorsitzender. Bis heute versäumt Eckert so gut wie keine Probe: „Es geht nichts über eine gute Kameradschaft mit vielen schönen Stunden und Musik.“ Dass der Inhaber der goldenen Landesehrennadel Baden-Württembergs einst schon beim 50-jährigen Gründungsfest seines Musikvereins noch als Kleinkind im Kinderwagen 1953 mit dabei war, lässt ihn gerne darauf hinweisen, dass der eigentlich schon längst früher als 1903 existierte: Zuvor hatte nämlich schon eine achtköpfige Kapelle mit Pauken und Trompeten bei den damaligen Bad-Kurgästen zum Tanz aufgespielt.

Woosey hatte hingegen nach seinem Münchweierer Herzug anfänglich mit Ehefrau Lisa Besucher zu kleinen Konzerten im eigenen Wohnzimmer eingeladen. Das kam derart gut an, dass es schließlich nach einer Interimszeit im Münchweierer Rebstock zum Betreiben des eigenen „Kulturhaus Gallaghers Nest“ führte, mehr als sechs Jahre lang. Bis es schließlich Anfang diesen Jahres unfreiwillig seine Münchweierer Pforten wegen eines geplanten Bauvorhabens schließen musste. Wird es irgendwie, irgendwo damit weiter gehen? Woosey scheint nicht ganz abgeneigt: „Vielleicht schaffen wir ja doch wieder irgendwo eine kleine Location.“ Auch wenn es in Deutschland keine typische Kneipenszene wie in England mit viel Improvisation und sich einbringenden Künstlern gäbe, will er das nicht ausschließen.

Abschließend waren sich beide Gesprächsgäste einig darüber, dass Heimat, welche auch immer, ohne Musik etwas wichtiges fehle. Eckert: „Musik ist ein Lebenselixier – ohne sie geht nichts.“ Und Woosey: „Physikalisch macht die Musik nichts, aber sie bewegt was in uns.“

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