Im Stadtpark: 400 Gitarristen sollen in Lahr rocken

Historische Gitarrenmodelle der Firma Gibson wie unter anderem diese ES-150 aus dem Jahr 1969 sollen am 26. Juli im Lahrer Stadtpark erklingen.
Seiwert-FautiUdo Seiwert-Fauti aus Neuried brennt für die Rock- und Bluesmusik sowie ihre Historie. Das merkt man, wenn man mit ihm spricht. Seine Liebe zu Bands wie den Beatles und Pink Floyd sowie eine Leidenschaft für den Journalismus habe er früh entdeckt, erzählt er. Für ihn sei immer klar gewesen, dass er beruflich „irgendetwas mit Medien“ zu tun haben wollte. Die beiden Leidenschaften vereinte er in seiner Karriere im Radio, unter anderem bei SWF3 und später auch bei der BBC.
Sein größter Wunsch ist es, bei einem Flashmob (zu Deutsch: „spontane Menschenansammlung“) über 400 Gibson-Les-Paul-Gitarristen zum gemeinsamen Musizieren zu vereinen. Ausgerechnet im Stadtpark Lahr soll das Ganze am 26. Juli von 14 bis 16 Uhr stattfinden.
Die Idee entstand nach seiner aktiven Schaffenszeit, als er zusammen mit Stefan Thurn von der Neurieder Firma Wemaprint einen Kalender auf den Markt brachte, der statt der Stars und Sternchen der Branche die Menschen abbildet, die den Löwenanteil der Käuferschaft der legendären Marke ausmachen: die Hobbymusiker. Gut vier Monate und 560 Fotos später kam das fertige Produkt auf den Markt. Unter anderem abgebildet ist Fabian Roßmanith, Hobbygitarrist und städtischer Chef des Stadtparks, mit seiner Gibson LP 2018 Tribute. Damit ist die Unterstützung seitens der Stadt Lahr für sein Vorhaben sicher, sagt Seiwert-Fauti lachend.
„Die Lokalität ist ideal gelegen, die Bühne ist groß genug und die Gegend fasst genug Platz, um alle teilnehmenden Gitarristen sowie am Event Interessierte unterzubringen“, so Seiwert-Fauti weiter. Auch um das Event herum hat er einiges geplant: „Wir haben bei der Musikschule Lahr angefragt, ob diese die Bewirtung für die Veranstaltung übernehmen wolle.“ Um Geld geht es Seiwert-Fauti dabei nicht, berichtet er: Die Einnahmen könnten sie für eigene Zwecke behalten. Auf der Bühne im Bürgerpark soll auch die Band „Reloaded“ spielen, bevor es dann zum Highlight kommt: den letzten zwei Songs, die die teilnehmenden Gitarrenbegeisterten zusammen spielen sollen.
Die Idee hat ihren Ursprung in einem Kalender
Dass man auch an verrückte Ideen glauben kann, hat er im Leben schon früh gelernt, führt er weiter aus. Zunächst blickte er während seines Studiums hinter die Kulissen der öffentlich-rechtlichen Sender: „Ich war der erste Volontär bei SWF3 Popshop“, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion stolz. Das sei erstmal eine ungewöhnliche Schule gewesen: „Ursprünglich stamme ich aus dem Rheinland und musste erstmal eine Sprecherausbildung durchlaufen, um den Dialekt loszuwerden, bis ich ans Mikrofon treten durfte.“ Ab dem Jahr 1977 war er als Reporter und Moderator für den SDR tätig, moderierte dort unter anderem Livesendungen wie „Point“.
Seinen beruflichen Werdegang bezeichnet er als „unfassbares Glück“. Er berichtet von Konzerten von Paul McCartney und The Who – auch Musiklegenden wie Eric Clapton habe er live auf der Bühne erleben dürfen. Hier hat auch seine Begeisterung für die Gitarrenmarke Gibson ihren Ursprung: „Musiker wie Clapton und Co. haben diese Instrumente notorisch gespielt in den 70er-Jahren, der Klang und die Handwerkskunst, die dahinter steckt, haben mich schon immer begeistert.“ Selbst spielt er allerdings lieber Schlagzeug.
Dem 75-Jährigen geht es nicht um Profit
Für den 26. Juli erhofft er sich ein besonderes Highlight: „Ich finde, Bryan Adams würde gut zu unserer Veranstaltung passen!“ Warum? Für Seiwert-Fauti ist klar: Als Erstes ist Adams selbst Gibson-Spieler, zweitens stammt er aus Kanada, wo der Weltstar in Kingston – nur knapp 80 Kilometer entfernt von der Lahrer Partnerstadt Belleville – aufwuchs. Da Adams dieses Jahr ohnehin noch für eine Tournee nach Deutschland kommt, sieht der ehemalige BBC-Mann hier seine große Chance.
Leisten könne er sich die Gage des Musikers nicht, betont er, zeigt sich aber dennoch hoffnungsvoll. Denn: „Solche hochkarätigen Musiker lockt man nicht mit Geld“ – das würde sie laut Seiwert-Fauti erst gar nicht interessieren –, „sondern mit besonderen Dingen: Wie wäre es zum Beispiel, wenn Bryan Adams gemeinsam mit 400 Gitarristen seinen Welthit Summer of ’69 spielt?“ Bereits fünf Mal hat der Gibson-Enthusiast bei Adams angefragt, eine Antwort aber bisher nicht erhalten. Aufgeben sei für ihn aber keine Option: „Man muss einfach frech sein, etwas wagen, das habe ich in meinen 75 Lebensjahren gelernt.“
Der Traum von Seiwert-Fauti soll nun also tatsächlich Realität werden, die Genehmigung der Stadt Lahr hat er bereits. Gerade sei er dabei, die, wie er sagt, „vielen Kleinigkeiten“ zu organisieren, die im Hintergrund eines solchen Events notwendig seien. Unter anderem sei er im Austausch mit dem E-Werk Mittelbaden, um für eine ausreichende „Bestromung“ des Events zu sorgen. „Ich bin der Meinung, dass man solche Ideen einfach einmal angehen muss – wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Auch lautet ein laut Seifert-Fauti in den internen Kreisen der BBC bekannter Spruch: „Never challenge Udo“ – und dem müsse man schließlich gerecht werden, erzählt er lachend.
Über die Gitarrenmarke
Die Gitarrenmarke Gibson wurde im Jahr 1902 vom Instrumentenbauer Orville Gibson in den USA gegründet und zählt heute zu den bekanntesten Gitarrenherstellern der Welt. Berühmt wurde die Marke vor allem durch ihre elektrischen Modelle wie die „Les Paul“ . Besonders in den 1950er- und 60er-Jahren prägte Gibson den Sound des Rock’n’Roll entscheidend mit. Musikgrößen wie Eric Clapton, Jimmy Page oder Angus Young machten die Instrumente weltweit populär. Heute werden Gibson-Gitarren sowohl von internationalen Profimusikern als auch von Hobbygitarristen gespielt und viele ältere Modelle gelten inzwischen als begehrte Sammlerstücke.