Im Alten Rathaus
: Lahrer Künstlerin zeigt Bilder, Objekte – und Kleidungsstücke

Sibylle Wagner  hat in der Zeit des Lockdowns eine spielerische Lust an der Textilkunst entwickelt. Ihre aktuelle Ausstellung ist noch bis Mitte November zu sehen.
Von
Jürgen Haberer
Lahr
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Sibylle Wagner stellt in der städtischen Galerie in Lahr aus.

Sibylle Wagner stellt in der städtischen Galerie in Lahr aus.

Jürgen Haberer
  • Ausstellung „Prêt-à-porter“ in der städtischen Galerie Lahr, noch bis 15. November geöffnet.
  • Gezeigt werden Bilder, Wandobjekte und Kleidungsstücke, teils aus ungewöhnlichen Materialien.
  • Schürzen aus Stoffen, Spitzen, Folien und Alltagsobjekten – ergänzt durch eine Bluse aus Putzlumpen.
  • Werke aus rund zwei Jahrzehnten: Keramiken, Plexiglas-Arbeiten, Malerei, Installationen und Lichtkunst.
  • Wiederkehrendes Nabelmotiv und „Narziss-Aura“ aus Plexiglas mit Spiegel verweisen auf Vielfalt und Tiefe.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es liegt etwas Schelmisches in der Luft, wenn Sibylle Wagner ihre Ausstellung in der städtischen Galerie in Lahr unter den Titel „Prêt-à-porter“ stellt. An den Stellwänden im Dachgeschoss des alten Rathauses hängen neben Bildern und Wandobjekten zwar tatsächlich auch Kleidungsstücke. Von Konfektions- und Stangenware kann aber keine Rede sein.

Die 1952 in Stuttgart geborene Künstlerin, die zwischen Berlin und Wintzenbach im Elsass pendelt, hat in der Zeit des Lockdowns eine spielerische Lust an der Textilkunst entwickelt. In Lahr wartet sie mit einer Schürzenkollektion aus außergewöhnlichen Materialien auf, die durch eine im Treppenhaus hängende Bluse ergänzt wird, die sie aus einem mit Spitzen verzierten Putzlumpen geschneidert hat.

Ihre Schürzen verbinden Stoffe, Spitzen und Häkelware mit Noppenfolien und Plastikplanen, Vorhängen und Tischdecken, Hosenträgern, Nylonstrümpfen und Wollschals, Einkaufstüten und schwerem Brokat. Die erstmals von der jungen Kunsthistorikerin Olivia Zwach kuratierte Ausstellung hat aber weit mehr zu bieten als textile Spielereien. Sibylle Wagner, die bis zu dessen Tod im Jahr 2000 mit dem Maler Lothar Quinte verheiratet war, steht auch für eine nicht bewusst und nicht gegenständlich angelegte Malerei und Objekte und Lichtkunst aus Plexiglas, Installationen und Arbeiten, die gesellschaftspolitische Themen aufgreifen.

Gezeigt werden Werke aus rund zwei Jahrzehnten

In Lahr werden Werke aus rund zwei Jahrzehnten gezeigt, darunter auch Keramiken, die in den frühen 2000er-Jahren im Zusammenhang mit freien Kunstprojekten in der Karlsruher Majolika entstanden sind. Das Spektrum reicht hier von der Gebrauchskunst mit eingearbeiteten Fremdstoffen bis hin zu Tellern, in denen die Künstlerin den eigenen Bauchnabel nachgebildet hat. In diese Werkgruppe hat sich auch ein unscheinbarer Aschenbecher aus gebranntem Ton eingeschmuggelt, eine Schülerarbeit aus dem Jahr 1962.

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Das Nabelmotiv ist in der Ausstellung immer wieder zu finden. Sibylle Wagner hat es als 3D-Druck nachgearbeitet und auf einem Teppich verewigt. Es taucht in einer großformatigen Graphitzeichnung auf Hartfaserplatte auf und in drei Plastiken aus Bronze und Aluminium. Entscheidend ist hier aber der farbliche Kontrast der drei Arbeiten. Sie sind 2016, im Nachklang der Flüchtlingskrise, als Plädoyer für Vielfalt und Offenheit entstanden.

Auch die neuste Arbeit in der Ausstellung spielt indirekt mit dem Motiv, schlägt gleichzeitig aber auch eine Brücke zur inhaltlichen Positionierung und der künstlerischen Auseinandersetzung mit Plexiglas, aus dem Sibylle Wagner ein stilisiertes Gesicht mit einer zentralen Vertiefung geformt hat. In sie ist ein herzförmiger Spiegel eingelassen. „Narziss-Aura“ lautet der Titel des durch eine goldene Tafel ergänzten Werkes, deren Text inhaltlich die griechische Legende aufgreift.

Das plastische Spiel mit Plexiglas, farbiger Folie und Licht, das mehrere Arbeiten prägt, verweist klar in Richtung Konstruktivismus und konkrete Kunst.

Indem sie Malerei und Materialbilder, ein Porträt ihrer Freundin, der Lahrer Bratschistin Tabea Zimmermann, in von innen bemaltem oder eingefärbtem Plexiglas einhaust, erzeugt Sibylle Wagner aber auch auf optischer Ebene scheinbare Plastizität. Das eigentliche Motiv gewinnt daraufhin an Tiefe, auch wenn es teilweise hinter einen magischen Schleier zurücktritt.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung Sibylle Wagner – „Prêt-à-porter“ ist bis zum 15. November in der städtischen Galerie im alten Rathaus zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 16 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.