Hitze entscheidet mit
: Jannik Maute gewinnt die Kahlenberg Open in Ringsheim

Der Tennisspieler aus Albstadt hat die Kahlenberg Open gewonnen. Er profitierte im Halbfinale sowie im Endspiel jeweils von den Aufgaben seiner Gegner.
Von
Wolfgang Künstle
Ringsheim
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Lokalmatador Bastian Bross (rechts) musste im Finale aufgeben und Jannik Maute frühzeitig zum Sieg gratulieren.

Wolfgang Künstle

Jannik Maute aus Albstadt und die Bulgarin Lidia Encheva haben sich die Titel bei den Kahlenberg Open in Ringsheim gesichert. Maute setzte sich im Finale des Tennisturniers gegen Lokalmatador Bastian Bross vom TC Oberweier durch, der in überzeugender Manier ins Endspiel eingezogen war, dort aber im zweiten Satz entkräftet aufgeben musste.

Das Wetter hatte entscheidenden Anteil am Ausgang der 23. Auflage des Turniers. Um jeweils 7500 Euro Preisgeld traten die Spieler und Spielerinnen in ihren Konkurrenzen an. Doch je länger das Turnier andauerte, desto mehr litten die Spieler unter der extremen Hitze.

Am Samstag, dem Finaltag, war kaum noch an Leistungssport zu denken, denn das Thermometer kratzte im Schatten an der 40-Grad-Marke und auf dem sonnigen Sandplatz lagen die Temperaturen noch deutlich darüber. Zudem starteten die Spieler bereits ausgelaugt von den Vortagen in den Finaltag.

Lorena Schaedel hinterlässt einen guten Eindruck

Das familiäre, aber professionell organisierte Turnier in Ringsheim ist beliebt in der Tennisszene, wie Alice Violet bestätigte. Die Spielerin aus Hamburg war schon einige Male in Ringsheim dabei. Hauptberuflich als Tennistrainerin tätig, betrachtet sie es als eine Art Hobby, durch die Turnierlandschaft zu reisen. „Man kann hier in Ringsheim viele Punkte erreichen und die guten Preisgelder machen das Turnier natürlich attraktiv“, sagte sie.

Lorena Schaedel, 25-jährige Lehramtsstudentin aus Neckarsulm, die für den TC Ludwigshafen in der zweiten Bundesliga aufschlägt, präsentierte sich in Ringsheim sympathisch und gut gelaunt. Weniger mit extremer Härte und atemberaubendem Tempo als viel mehr mit grundsolidem und präzisem Tennis spielte sie sich ins Halbfinale und war stets zu einem Plausch aufgelegt. Nach ihren Spielen sammelte sie die Bälle ein und war sich auch nicht zu schade, den Wassereimer ihrer Kontrahentin – den alle Aktiven zum Abkühlen bereitgestellt bekamen - mit vom Feld zu tragen, als diese ihn nach der Niederlage frustriert vergessen hatte.

Lorena Schaedel schied im Halbfinale aus. Sie bestach durch ihre Art.

Foto: Wolfgang Künstle

Die an Platz eins gesetzte Denislava Glushkova aus Bulgarien schied überraschend glanzlos bei ihrem ersten Auftritt im Achtelfinale mit 6:4, 3:6 und 5:10 gegen Anastasiya Kuparev aus.

„Es könnte sein, dass bei ihrer Einordnung mit der Umrechnung etwas schiefgegangen ist“, mutmaßte Oberschiedsrichter Nico Weschenfelder. Wenn ein Spieler nicht in der deutschen Rangliste geführt werde, müsse in einem komplizierten Verfahren der Weltranglistenplatz umgerechnet werden, um ihn einordnen zu können. Dabei könne es durchaus zu größeren Fehlplatzierungen kommen.

Für die 22-jährige Glushkova spuckte der Computer Rang 18 in der deutschen Rangliste aus, was Platz eins in der Setzliste zur Folge hatte. Eine Eingruppierung, der sie – zumindest im Achtelfinale am Donnerstag – nicht gerecht wurde.

Lidia Encheva gewann bei den Damen im Finale klar.

Foto: Wolfgang Künstle

Ganz anders sah es bei der Nummer zwei der Setzliste, Lidia Encheva, aus. Sie gewann das Turnier auf beeindruckende Weise und ließ dabei im Halbfinale, das am Samstagvormittag gespielt wurde, Schaedel keine Chance. Auch Finalgegnerin Alyssa Richter, die zwar deutsche Eltern hat, mittlerweile aber in Kalifornien lebt und deshalb mit der Hitze gut klarkam, stand beim 2:6 und 1:6 im Finale auf verlorenem Posten.

Beim Aufschlag macht der Kreislauf nicht mehr mit

War das Starterfeld bei den topgesetzten Frauen eher international, lagen die Hoffnungen der Zuschauer auf Bastian Bross vom Regionalligisten TC Oberweier, Stammgast bei den Kahlenberg Open. Der 30-Jährige setzte sich im Viertelfinale am Freitagabend nur hauchdünn gegen Toros Yakincam durch.

Die Entscheidung, den dritten Satz als Match-Tiebreak zu spielen, erwies sich als goldrichtig, denn keine zehn Minuten, nachdem Bross den Entscheidungsdurchgang mit 11:9 für sich entschieden hatte, brach ein Gewitter mit Sturm und heftigem Regen über Ringsheim und die Tennisanlage herein. Das Unwetter hätte eine Pause bis tief in die Nacht erforderlich gemacht.

Am Samstagvormittag deklassierte Bross dann den Zweiten der Setzliste Yvo Panak zügig mit 6:1 und 6:3, doch forderten die bisherigen Hitzetage ihren Tribut. Im Endspiel um die 2700 Euro Siegprämie musste der Lokalmatador dann völlig entkräftet beim 3:6 und 0:2 gegen Jannik Maute aufgeben. „Ich habe beim Aufschlag Sterne gesehen“, sagte Bross. „Da wusste ich, dass es nicht mehr geht.“

Maute war damit das Glückskind des Turniers. Im Halbfinale gegen den topgesetzten Ivan Nedelko stand der 22-Jährige unmittelbar vor einer Aufgabe, gewann den ersten Satz aber doch im Tiebreak und rettete sich in die Toilettenpause, die die Spieler für eine Abkühlung nutzten. Bei seiner Rückkehr auf den Platz erfuhr er, dass sein Kontrahent soeben die Segel gestrichen habe und er somit unverhofft im Finale stehe. Auch das Endspiel gewann er durch eine Aufgabe, diesmal von Bross.

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