Grundgesetz im Fokus: Ein Blick, der den Betrachter in seinen Bann zieht

Die Beiträge von Andrea Weghaupt (links) und Inge Reutter-Eck für die Grundrechte-Aktion des Lahrer Kunstvereins
privat- In Lahr zeigen 16 Künstler in der Innenstadt Interpretationen zentraler Grundrechte.
- Andrea Weghaupt veranschaulicht Artikel 3, Absatz 3: Schutz vor Benachteiligung wegen Herkunft u.a.
- Ihr Bild zeigt eine Person hinter einem Zaun – Ausgrenzung und Vielfalt stehen im Fokus.
- Weghaupt ist Gastronomin mit Hobby Malerei und arbeitet mit Alkoholtinte, Glitzer und Epoxidharz.
- Inge Reutter-Eck thematisiert Artikel 4: Eine offene Tür symbolisiert Glaubensfreiheit und „ICH BIN“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
An Stelen in der Innenstadt zeigen zurzeit 16 Künstler ihre Interpretationen von Artikeln des Grundgesetzes. Wo sonst Ankündigungen für Kulturveranstaltungen hängen, lassen sich nun ihre Werke betrachten. Zum Beispiel ein Bild, mit dem Andrea Weghaupt Grundgesetz-Artikel 3, Absatz 3 künstlerisch umgesetzt hat. Er verbietet es, Menschen zu benachteiligen oder zu bevorzugen, wegen ihres Geschlechts, ihrer Abstammung, ihrer Rasse, ihrer Sprache, Heimat und Herkunft, ihres Glaubens, ihrer religiösen oder politischen Anschauungen.
Das Bild zeigt eine Person hinter einem Zaun, der für Ausgrenzung, Vorurteile und Benachteiligung steht. „Die leuchtenden und vielfältigen Farben des Gesichts symbolisieren die Unterschiedlichkeit der Menschen und verdeutlichen, dass Vielfalt unsere Gesellschaft bereichert“, sagt Weghaupt. Die Person wirke gleichzeitig eingeschränkt und ausgeschlossen – so wird auf Diskriminierung aufgrund von Herkunft und Abstammung aufmerksam gemacht.
Das Bild fordere dazu auf, „Menschen nicht nach ihrer Herkunft zu bewerten, sondern ihre Würde und Gleichheit zu achten“, betont Weghaupt. Damit veranschauliche es die Botschaft: Niemand darf wegen seiner Abstammung benachteiligt werden – alle Menschen sind gleich und haben die selben Rechte.
Eine Gastronomin mit dem Hobby Kunst
Andrea Weghaupt hat ein auffälliges Bild geschaffen, das den Betrachter in seinen Bann zieht – auch weil die darauf abgebildete Person ihn direkt anblickt. Dabei ist die Sulzerin keine Künstlerin von Beruf. Die 44-Jährige ist gelernte zahnmedizinische Fachangestellte, arbeitet seit mehreren Jahren aber als Gastronomin. Mit ihrem Mann Michael führt sie den Catering- und Cocktail-Service „Grill und Chill“. Die beiden bewirten mit ihren Food Trucks bei Hochzeiten und Geburtstagen, Firmen- und sonstigen Festen.
Die Malerei sei ihr Hobby, sagt Andrea Weghaupt. Dabei hat sie sich auf die Arbeit mit Alkoholtinte spezialisiert. Eine „flüssige“ Maltechnik, bei der sich die Farben durch den Alkohol schnell verflüchtigen und einzigartige Farbverläufe erzeugen. Weghaupt setzt auch Glitzer und Epoxidharz ein, der die Farben weiter intensiviert und ihren Bildern außerdem eine besondere Tiefenwirkung verleiht.
„Was wären wir ohne Glauben“, sagt Inge Reutter-Eck
Inge Reutter-Eck hat für ihre Arbeit Artikel 4 des Grundgesetzes gewählt, der die Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit schützt. Er gewährleistet die freie Ausübung der Religion, aber auch, dass es möglich ist, keiner Glaubensrichtung anzugehören.
Sie selbst sei gläubig, halte sich gern in Kirchen auf und engagiere sich an ihrem Wohnort Freiburg in der örtlichen Kirchengemeinde, sagt die Künstlerin in einem Gespräch mit unserer Redaktion. „Was wären wir ohne Glauben, ohne Anschauung von der Welt, in der wir leben? Einer Welt, in der wir uns nach Sinn und Verbundenheit sehnen, uns fragen, wer wir sind; in der wir nach Antworten auf den Ursprung des Seins suchen, in der wir uns finden und uns als einzelne Menschen zugehörig fühlen in der Dimension des Unerklärlichen, Ungreifbaren?“
All das brauche Freiheit als tragende Kraft, betont sie. „Wer also wollte sich anmaßen, diese Kraft zu maßregeln, Türen zu verschließen, zu dem, was so wesentlich menscheneigen ist?“

Andrea Weghaupt (links) und Inge Reutter-Eck sind Mitglieder des Lahrer Kunstvereins.
BaubliesTypisch für das künstlerische Wirken von Reutter-Eck sind Tapisserien – Wandteppiche, die auf dem Hochwebstuhl in einer einfachen klassischen Webtechnik entstehen –, und Fotografien, bei denen sie mit zusätzlichen Raumebenen arbeitet.
Ihr Beitrag für die Grundgesetz-Aktion von L’ Art pour Lahr zeigt eine offene Tür, die für die Freiheit steht, die Artikel 4 garantiert. Zu sehen sind auch verschiedene Menschen – das kann man so interpretieren, dass hierzulande jedermann Religion so (aus-)leben darf, wie er mag. Es ist eine individuelle Entscheidung, die die eigene Persönlichkeit prägt – dafür stehen die Worte „ICH BIN“ – im Original war das ein Graffiti, das Reutter-Eck in Freiburg fotografiert hat.
Die Künstlerin, Jahrgang 1952, werden in Lahr viele Menschen kennen. Nach einer vorherigen beruflichen Station in Tübingen war sie von 2004 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2015 Kunstlehrerin am Scheffel-Gymnasium und hat in dieser Zeit Generationen von Schülern betreut. Studiert hat sie unter anderem an einer bedeutenden Kunsthochschule in Reykjavík, wo sie auch Kostproben ihres Wirkens zeigte. In ihrer Vita steht damit auch eine Ausstellung in Island – nicht gerade alltäglich für eine Künstlerin aus unserer Region.
Erste Führung an diesem Donnerstag
Die insgesamt 16 Kulturstelen mit Plakaten zu Grundrechten sind noch bis zum 15. August in der Innenstadt zu sehen. Danach werden die Originale vom 18. bis 29. August in der Galerie von L’art pour Lahr in der Obertorstraße 4 gezeigt. Initiatoren sind der Lahrer Schriftsteller Michael Paul und der Verein L’art pour Lahr, unterstützt vom Kulturamt und dem Forum Demokratie Lahr. Bei geführten Rundgängen durch die Stadt erklären Künstler und Projektbeteiligte die Idee hinter den Werken, erzählen von ihrer Entstehung und geben Einblicke in die Bedeutung der jeweiligen Grundrechte. Die Führungen starten heute, Donnerstag, um 17 Uhr sowie an drei Samstagen, 1., 8. und 15. August, jeweils um 11 Uhr vor der Galerie von L’art pour Lahr.