Großes Engagement: Diese junge Lahrerin vertritt 54.000 Schüler

Lina Sum aus Sulz, hier im Innenhof des Max-Planck-Gymnasiums, ist eine vielfach engagierte Schülerin.
Schabel- Lina Sum, 16, vertritt im Landesschülerbeirat 54.000 Schüler an 72 Gymnasien.
- Sie ist Sprecherin für Allgemeinbildende Gymnasien im Bezirk Freiburg und Vize-Pressesprecherin.
- Trotz G8 und 36 Wochenstunden plant sie strikt, Notenschnitt 1,6, Sprachen liegen ihr.
- Aufgaben: Schulprojekte, Vermittlung bei Konflikten, Anliegen wie Hitzeschutz und mehr Grün.
- Nach den Ferien will sie Demokratiebildung, mentale Gesundheit und Beteiligung vorbringen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mittwochvormittag im Max-Planck-Gymnasium. Noch ehe um 11 Uhr der Gong ertönt, ist ein großer Schwung Schüler auf dem Weg ins Freie. Die Stimmung ist gelöst, den Kindern und Jugendlichen ist die Vorfreude auf eineinhalb Monate ohne Unterricht und Hausaufgaben anzumerken. Es sei schön, jetzt entspannen zu können, sagt Lina Sum, mit der sich der Autor an einem Mensatisch im Schulhof unterhält, während sich das Gebäude zügig leert. „Die letzte Zeit war stressig, es gab viele Klassenarbeiten.“
Die Erholung in den Ferien hat sich die 16-Jährige besonders verdient – denn sie gehört dem Landesschülerbeirat an und ist dabei Sprecherin für die Allgemeinbildenden Gymnasien im Regierungsbezirk Freiburg. Damit vertritt sie die Interessen von rund 54.000 Schülern an 72 Gymnasien. Darüber hinaus ist sie stellvertretende Pressesprecherin des gesamten Landesschülerbeirats. In dieser Funktion hat sie bereits Statements verfasst, die Medien wie der Spiegel, Focus, der SWR oder die Tagesschau online veröffentlicht haben. Sum ist auch Schülersprecherin am MPG und dort natürlich auch Sprecherin ihrer eigenen Klasse, der 10c.
Verkürzung der Schulzeit erhöht den Druck
Dabei ist ihr täglicher Lerndruck hoch, denn das Abitur steht bei ihr bereits nach der 12. Jahrgangsstufe an – und das achtjährige Gymnasium (G 8) ist berüchtigt für seine extreme Stoffverdichtung. Sum hat 36 Stunden Unterricht pro Woche, plus Hausaufgaben.
Die erste Frage an die 16-Jährige lautet logischerweise, wie sie das alles schafft. Sie plane jede Woche im Voraus, es sei wichtig, gut strukturiert zu sein, erwidert sie. Der wöchentliche Aufwand für ihre Arbeit als Schülervertreterin betrage fünf bis sechs Stunden, zusätzlich nehme sie alle drei Wochen an einer ganztägigen Sitzung des Landesschülerbeirats in Stuttgart teil, für die sie mit dem Zug anreise. Den Schulstoff, den sie dadurch verpasst, hole sie später nach.
Trotz der Zusatzbelastung ist Lina Sum eine gute Schülerin, ihr Zeugnis hat einen Notenschnitt von 1,6. Besonders Fächer mit Sprachen würden ihr liegen, etwa Deutsch oder Englisch, erzählt sie. Eine Streberin sei sie aber nicht, so die junge Sulzerin, die in ihrer knapp bemessenen Freizeit E-Gitarre in der Lahrer Mädchenband Simplicity spielt.
Klassensprecherin ist sie bereits seit der fünften Klasse. Warum eigentlich? Auf die Frage sagt sie, dass persönliches Engagement wichtig sei und nur derjenige etwas verändern könne, der anpacke. Ihr liege auch daran, dass die Menschen in ihrer Umgebung sich wohlfühlen, eine Charaktereigenschaft, die sie von ihrer Mutter geerbt habe –„die ist auch so“.
Ihre Aufgabe als Schülervertreterin am MPG besteht zum Beispiel darin, Projekte mitzuplanen wie den Schulball, die Unterstufenparty oder Motto-Tage, bei denen die Schüler sich verkleiden. Es geht auch um ganz praktische Verbesserungen, etwa die Anschaffung einer Mikrowelle, die einige Jugendliche sich wünschen – dieses Thema werde sie nach den Ferien angehen.
Sum ist am MPG auch „Kummerkasten“ für Schüler, sogar aus älteren Jahrgängen, die Schwierigkeiten mit einem Lehrer haben. In so einem Fall schalte sie einen Verbindungslehrer ein, da der leichter Zugang zu seinem Kollegen finde. Sie selbst habe sich aber auch schon mit Pädagogen unterhalten, über die Klagen an sie herangetragen wurden – und habe den betroffenen Schülern damit helfen können. Am Mut für so ein Gespräch fehle es ihr nicht.
Auf das Max-Planck-Gymnasium lässt sie indes nichts kommen – „eine sehr gute Schule“, sagt sie. Allerdings könnte ihrer Ansicht nach der Hitzeschutz dort besser sein, „in den oberen Stockwerken ist es im Sommer heiß“. Für die betroffenen Schüler wünscht sie sich besser gedämmte Räume mit Klimaanlagen, außerdem für alle mehr Grün im weitgehend asphaltierten Außenhof.
Neben der Basisarbeit am MPG beschäftigt Sum sich im Landesschülerbeirat, in den sie im Frühjahr gewählt wurde, mit allgemeinen Fragen der Bildungspolitik. Nach den Ferien werden sie und ihre Mitstreiter Wünsche im Ministerium vorbringen, sagt sie. Ihre Hauptanliegen seien Demokratiebildung, mentale Gesundheit und Schülerbeteiligung an den Bildungseinrichtungen im Ländle.
Es verwundert nicht, dass die engagierte Teenagerin sich gut vorstellen kann, sich später politisch zu engagieren. Auch eine Arbeit als Anwältin sei möglich – „auf jeden Fall etwas, womit ich anderen Menschen helfen kann“.
Der Beirat
Der Landesschülerbeirat ist die gewählte Interessenvertretung von rund 1,5 Millionen Schülern in Baden-Württemberg gegenüber Landespolitik und Öffentlichkeit. Als offizielles Beratungsgremium des Kultusministeriums nimmt er Einfluss auf die Bildungspolitik. Darüber hinaus nimmt er die Aufgaben der baden-württembergischen Schülervertretung wahr.