Große Umfrage gestartet: Die Bürger sollen mitentscheiden, wie Schuttertal 2040 aussehen soll

Arbeiten am Gemeindeentwicklungskonzept (von links): Gemeinderat Anton Kopf, die Experten Patricia Schulte und Sybille Hurter, Bürgermeister Matthias Litterst sowie Stephan Ohnemus und Diana Neumaier (beide Gemeinderat).
KöhlerEs geht um Wohnen und Daseinsfürsorge, um Landwirtschaft um Klima, um Gemeinschaft und Mobilität: Die Gemeinde Schuttertal will zentrale Eckpunkte ihrer Zukunft in einem Gemeindeentwicklungskonzept festhalten. Bei einer Pressekonferenz im Rathaus stellt der Arbeitskreis die Ideen für „Schuttertal 2040+“ vor – und erläutert, warum die Beteiligung der Bürger über eine Online-Umfrage so entscheidend ist.
Vor 20 Jahren seien bereits Konzepte für die einzelnen Ortsteile erstellt worden. Nun ist es „das erste Mal, dass wir uns die Gesamtgemeinde anschauen werden“, leitet Bürgermeister Matthias Litterst ein. Er bildet mit den Gemeinderäten Diana Neumaier und Michael Vögele (Schuttertal), Anton Kopf und Markus Schoor (Dörlinbach) sowie Stephan Ohnemus und Kurt Weber (Schweighausen) – das heißt zwei Räten aus jedem Ortsteil – den Arbeitskreis zum neuen Gemeindeentwicklungskonzept. Unterstützt wird dieses Septett durch Patricia Schulte (FSP Stadtplanung) und Sybille Hurter (Kommunalkonzept BW).
Entwicklungskonzept ist Grundlage für so manches Förderprogramm
Doch was ist ein Gemeindeentwicklungskonzept und was ist sein Ziel? Die beiden Experten beantworten im Pressegespräch die zentralen Fragen. „Wir möchten der Entwicklung der drei Orte eine Klammer geben und sie ganzheitlich betrachten“, erklärt Schulte. Das Konzept – zudem Grundlage für so manches Förderprogramm – gehe die Themen „nicht klein-klein“ an, sondern bilde eine Grundlage für künftige Entscheidungen. „Vieles was wir tun“, ergänzt Litterst, „ist aktuell äußeren Umständen geschuldet“. Heißt die Gemeinde reagiere, wenn eine Wasserleitung kaputt oder ein Hallendach sanierungsbedürftig ist. Mit dem Entwicklungskonzept erarbeite man „eine Leitlinie, eine Richtschnur, die die Frage beantwortet: Wohin soll die Reise gehen?“, so Litterst. Auf dieser Grundlage könne man Entscheidung künftig nach außen tragen. Zentral für die Erstellung in dieser Phase sei nun der „Input“ aus der Bevölkerung.
Dafür haben die Profis eigens eine Online-Umfrage entwickelt. „Wir wollen große Teile der Bevölkerung erreichen“, so Litterst. Die Umfrage ist unter www.umfrageonline.com/c/7a7rn4p9 abrufbar. Zudem wird der Fragebogen „an jeden 15. Schuttertäler über 15“ verschickt, um die Rücklaufquote zu erhöhen und vielleicht auch Menschen mit ins Boot zu holen, die über die klassischen Wege nichts von der Umfrage mitbekommen würden. Hurter erläutert, dass die Umfrage etwa 15 bis 20 Minuten dauert und selbstverständlich sowohl freiwillig als auch anonym ist. Bei insgesamt 18 Fragen zu 15 Themenkomplexen können die Teilnehmer eine Bewertung vornehmen und in eine freie Zeile eigene Anmerkungen anbringen.
Bürgermeister ist gespannt auf die Ergebnisse zum Thema Wohnraum
Um festzulegen, welche Themen sie in die Umfrage aufnehmen, haben sie sich bereits intensiv mit Schuttertal auseinandergesetzt. „Die Themen Gemeinschaft und Daseinsvorsorge haben besonderen Stellenwert“, skizziert Schulte. Behandelt werde das Jungsein beziehungsweise Altwerden in der Gemeinde. Auch die Aspekte Tourismus, Mobilität oder Erneuerbare Energien greift die Umfrage auf. Bürgermeister Litterst freut sich bereits auf die Erkenntnisse aus dem Schwerpunkt wohnen. Etwa ob die Bürger einen Bedarf an Mietwohnungen sehen oder für Seniorenwohnprojekte. Die Umfrage, betonen die Beteiligten, richte sich ausdrücklich nicht nur an Schuttertäler Bürger, sondern an „alle, die sich mit der Gemeinde verbunden fühlen“.
Schulte und Hurter bringen Erfahrung aus anderen Kommunen mit, etwa in Friesenheim und Biberach haben sie bereits Gemeindeentwicklungskonzepte erstellt. Als realistisch schätzen sie eine Rücklaufquote von 20 bis 30 Prozent ein. Ob sie da die Schuttertäler nicht überraschen, die ja schon bei der Zukunft der Nahversorgung in Dörlinbach fleißig mitgestimmt haben? Litterst muss bei dem Gedanken grinsen.
Wieder ernst betont der Bürgermeister, dass er auf die Gemeinderäte als Multiplikatoren setzt. Beruflich wie in der Freizeit seien sie in der Gemeinde vernetzt, sollen die Idee nach außen tragen. „Ich hoffe, wir können mit dem Entwicklungskonzept Synergien über die Ortsteile hinaus schaffen“, kommentierte Diana Neumaier bei der Pressekonferenz. „Es geht auch darum, einen Fahrplan zu erarbeiten“, meinte Stephan Ohnemus.
Alle eint der Wunsch: Die Schuttertäler sollen selbst entscheiden, wie ihre Gesamtgemeinde im Jahr 2040 aussehen wird.
Der weitere Fahrplan
Die Online-Umfrage läuft bis zum 20. Juli. Über die Sommerferien, erklärt Hurter, wird sie ausgewertet, die Ergebnisse stehen dann als Download zur Verfügung. Im Oktober (am 16. in Schuttertal, am 17. in Dörlinbach und Schweighausen) stehen Ortsspaziergänge an, bei dem der Arbeitskreis gemeinsam mit den Bürgern ihre Heimatorte besichtigen und Stellschrauben begutachten will. Im Frühjahr 2027 soll das fertige Gemeindeentwicklungskonzept stehen.
