Gespräch mit Yannick Bury
: Das wünscht sich der TV Lahr von der Politik

Im Rahmen einer „Sportwoche“ besuchte der Bundestagsabgeordnete Yannick Bury Sportvereine in seinem Wahlkreis Emmendingen-Lahr, um sich über deren Arbeit zu informieren. Dabei traf er sich auch mit sieben Vorstandsmitgliedern des TV Lahr im Henkerhiisli, um zu erfahren, wo den Verein der Turnschuh drückt.
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red/sl
Lahr
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Schwarzwälder Bote

Seit Anfang 2024 ist der Wahlkreisabgeordnete Berichterstatter im Haushaltsausschuss des Bundestages für den Etat des Bundesinnenministeriums, das unter anderem auch für die Sportförderung verantwortlich ist. Und um Probleme der Sportförderung ging es auch gleich zu Beginn des knapp zweistündigen Gesprächs beim TV Lahr, wie einem Vereinsbericht zu entnehmen ist.

Ein Sportfördergesetz soll noch im Herbst vom Bundestag verabschiedet werden. Ihm gehe es darum, so Bury (CDU, welche sportpolitischen Akzente künftig gesetzt und welche Sportarten besonders gefördert werden sollen. Wobei er betonte, dass der Breitensport nicht in den Zuständigkeitsbereich des Bundes falle, sondern der Länder. Dem Bund gehe es um die Förderung des Spitzensports, und da seien im Haushalt deutliche Zuwächse vorgesehen.

Aber bei der Besteuerung der Übungsleiter- und Trainerentgelte habe der Bund beispielsweise auch direkt Einfluss auf die Situation im Breitensport. Und hier plädierte Bury für eine regelmäßige Anpassung der Freibeträge an die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, um damit zu erreichen, dass auch die Vereine im Breitensport weiter kompetente Übungsleiter gewinnen können.

Bury wurde darauf hingewiesen, dass sich die Übungsleitervergütung seit mehr als 20 Jahren nicht viel verbessert, aber der Tätigkeitsbereich der Vereine sich deutlich erweitert habe. Und es werde immer schwieriger, Übungsleiter unter diesen Bedingungen zu gewinnen. Der Staat erwarte zum Beispiel, dass sich Sportvereine auch an Schulen engagieren und dort Traineraufgaben übernehmen. Dabei erschwere die Einführung der Ganztagsschule die Arbeit in den Vereinen ganz erheblich, denn Kinder und Jugendliche würden aus zeitlichen Gründen häufig davon abgehalten, in Sport- und Musikvereine einzutreten.

Ein wichtiges Thema in dem Gespräch war die Frage, was der Staat für die Förderung von Sport und Bewegung und damit für die Gesundheit der nachfolgenden Generationen unternehme – und welchen Stellenwert der Leistungsgedanke in unserer Gesellschaft haben solle. Heftig kritisiert wurde dabei die Abschaffung der Bundesjugendspiele in manchen Bundesländern.

Kritik an Abschaffung der Bundesjugendspiele

Einerseits beklage man die zunehmenden Bewegungsdefizite bei Kindern und Jugendlichen und fordere, dass deren Gesundheitsbewusstsein gefördert, ihre psychische und physische Widerstandsfähigkeit gestärkt werde – „Resilienzerziehung“ – , aber andererseits ist man ängstlich bemüht, Kindern Enttäuschungs- und Misserfolgserfahrungen zu ersparen aus Angst, sie könnten sich im Klassenverband diskriminiert fühlen, hieß es vonseiten der Vereinsvertreter. Das sei ein falscher erzieherischer Weg. Es sei notwendig, neue, positive Ziele zu formulieren und durchzusetzen sowie den Leistungsgedanken zu stärken. Und Kinder müssten auch lernen, mit Niederlagen und Misserfolgen fertigzuwerden.

Bury stimmte diesen Bedenken zu und verwies auf den geplanten „Bewegungsgipfel“, eine bundesweite Initiative, die der Bewegungsarmut entgegensteuern soll.

TV Lahr bemängelt auch ausufernde Bürokratie

Kontraproduktiv in diesem Zusammenhang, so der TV, seien aber auch die konkreten Pläne des Bundes, digitalen „E-Sport“ mit seinen virtuellen Computer-Wettkämpfen als olympische Disziplin anzuerkennen. Zwar erfordere Computer-Gaming Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsschnelligkeit und strategisches Denken, vergrößere jedoch die Bewegungsdefizite, verstärke die Reizüberflutung und schade der Gesundheit. Außerdem würden hinter dieser Art von „Sport“ rein auf Kommerz ausgerichtete Unternehmen stehen. Staatliche Fördermittel, die in diesen Bereich fließen, fehlten dann den traditionellen Bewegungssportarten. Das Gespräch ergab jedoch, dass diese Entwicklung wohl nicht mehr aufzuhalten sei.

Bury erkundigte sich nach der Mitgliederstruktur des TV Lahr, nach dessen Finanzsituation und den Problemen und Herausforderungen, denen er sich konfrontiert sieht. Die TV-Repräsentanten konnten ihm zeigen, dass es ein Mehrspartenverein mit anderen Problemen zu tun hat als etwa ein Fußballverein. So sei es schwieriger, Sponsoren zu finden und Übungsleiter für die verschiedenen Abteilungen zu gewinnen und dann für längere Zeit im Verein zu halten.

Beklagt wurden auch die stetig steigenden Kosten bei der Organisation größerer Veranstaltungen und Wettkämpfe. So forderten die Verbände immer höhere Gebühren, die Meldegelder für Wettkämpfe steigen stetig, die Sicherheitsvorschriften (Feuerwehr, Rotes Kreuz) seien kostenträchtig, und das heutzutage erwartete oder geforderte technische Equipment schlage belastend zu Buche. Ärgerlich seien vor allem immer wieder „die intransparenten und oft willkürlich erscheinenden Kostenberechnungen der Gema mit denen sich der Rechner des Turnvereins nach größeren Veranstaltungen herumschlagen muss“.

Auch nehme der bürokratische Arbeitsaufwand ständig zu. So seien inzwischen die Verwaltungsabläufe zur Beantragung einer FSJ-Stelle beim Landessportverband, die Abstimmung und Koordination mit der beteiligten Schule sowie der abschließende Tätigkeitsbericht umständlich und sehr zeitaufwändig. Die Geschäftsleiterinnen des TV Lahr wünschten sich Vereinfachungen der bürokratischen Verwaltungsprozesse, erfuhr Bury. Allgemein forderten die TV-Vertreter, dass der Staat es wertschätzen müsse, was die Sportvereine zur Förderung der Gesundheit der Menschen, aber auch für das soziale Miteinander in unserer Gesellschaft beitragen.

Yannick Bury, der selbst persönliche Vereinserfahrungen hat, versprach, die Gedanken und Anregungen dieser Gesprächsrunde „mitzunehmen“ und an den jeweiligen Stellen, etwa beim Thema Gema, auf Abhilfe hinzuwirken. Ansonsten würdigte er die Arbeit der Vereine und zeigte sich überzeugt davon, dass der Staat all das, was in den Vereinen für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft geleistet wird, gar nicht übernehmen könnte. Insofern leisteten die Vereine einen unersetzbaren Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

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