Friesenheim
: Handwerkskunst zum Jahresbeginn

Brauchtum: Bäckereien in Schuttern und Ichenheim bieten Neujahrsbrezeln in allen Variationen an
Von
Christine Bohnert-Seidel und Dieter Fink
Friesenheim
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"Glück soll sie bringen, die Neujahrsbrezel", erklären die beiden Bäckermeister Carsten (links) und Klaus Baumert. Das Rezept, das sie in der Bäckerei Baumert in Schuttern für die Brezeln verwenden, wurde über die Jahre immer wieder angepasst. Foto: Bohnert-Seidel

Lahrer Zeitung

Geschmückt, geflochten, süß oder salzig: In zahlreichen Bäckereien werden zum Jahresbeginn die Glücksbringer aus Hefeteig verkauft. In Schuttern und Ichenheim wird das Gebäck noch in der eigenen Stube gebacken.

Schuttern/Ichenheim. Seit 136 Jahren gibt es die Bäckerei Baumert in Schuttern schon, genauso lange werden dort auch an Neujahr Brezeln oder Neujahrskränze gebacken. Bis vor 30 Jahren waren noch die Neujahrskränze in der Überzahl, heute sind es die Neujahrsbrezeln. Wie viele die beiden Bäckermeister Klaus Baumert und sein Sohn Carsten Baumert nach Neujahr über die Wochen bis März mit ihrem gesamten Team backen, zählen sie nicht. "Wichtig allein sind die Zutaten", sagt Klaus Baumert. Langsam zählt er auf: gute Butter, Milch, Hefe, Eier, Mehl, Zucker und eine Prise Salz.

Viele Kunden wollen das Gebäck bereits zu Weihnachten

In welcher Zusammensetzung die Zutaten verwendet werden, bleibt das Geheimrezept der Bäckerei. Zudem wurde dieses im Laufe der Jahre an die Gaumen der Kunden angepasst. Nur eines gibt es nicht: Vegane Neujahrsbrezeln. Ohne Butter, Milch und Eier bleiben Geschmack und Konsistenz auf der Strecke. "Glück soll sie bringen, die Neujahrsbrezel", steht für Klaus Baumert fest. In Schuttern verschenkten vor allem sehr gern Paten die Neujahrsbrezeln an ihre Neffen und Nichten als Glücksboten.

Allerdings beobachtet Baumert seit mehr als fünf Jahren einen starken Trend, die Brezel schon um die Weihnachtszeit kaufen und verspeisen zu wollen. Das sei neu. Ob die Menschen mit der frühen Brezel noch stärker am Glück festhalten wollen oder ob ihnen das süße Hefegebäck einfach nur gut schmeckt, bleibt das Geheimnis der Kunden. Klaus Baumert jedenfalls erfüllt ihnen ihren Wunsch gerne.

In der Backstube Baumert hat jeder Bäcker seinen Platz. Während sich Klaus Baumert unterhält, übernimmt ein Geselle die Arbeit und belegt das Blech. Jeder kennt in der Backstube seinen Zuständigkeitsbereich, flechtet Zöpfe, tunkt Brezeln ins Laugenbad oder holt schon wieder die nächste Fuhre aus dem Backofen. Von hektischer Betriebsamkeit ist weit und breit keine Spur. Kuschelig warm ist es in der Bäckerei. Zwischendrin wird noch mal schnell abgefragt, wie lange die nächste Fuhre Brezeln noch braucht.

Mit 23 Jahren war Klaus Baumert damals 1975 der jüngste Handwerkermeister. Nie habe er sich einen anderen Beruf gewünscht. Die Leidenschaft für das Handwerk ist bei Sohn Carsten ganz klar in der vierten Generation angekommen. Gegründet wurde die Bäckerei Baumert in Schuttern im Jahr 1883 von Ignaz Mast. Anna Mast und später Gertrud Baumert übernahmen den Betrieb. Klaus Baumert lenkt seit 1984 die Geschicke, ihm zur Seite steht neben seinem Sohn Carsten auch Ehefrau Mariechen.

Auch in Ichenheim herrscht derzeit Hochbetrieb: Backstubenleiter Martin Bischoff und Auszubildender David Löffler in der Backstube beim Kiefer-Beck in Ichenheim stellen aus Dinkel- oder Weizenmehl in verschiedenen Größen süße aber auch salzige Neujahrsbrezeln her.

Neujahrsbrezeln, die als Glücksbringer gelten, gibt es in Baden und im Elsass. Dieses köstliche Gebäck wird zum Jahreswechsel gebacken. In vielen Größen angeboten, teilweise auch ganz speziell verziert, kommen sie in vielen Haushalten um den Jahreswechsel auf den Frühstückstisch. Früher wurden noch Geldstücke eingebacken, denn die Neujahrsbrezel war ein beliebtes Mitbringsel von Paten (Gettel – die Patentante, oder Pfedri – der Patenonkel) für ihre Patenkinder. "Prost Neujahr, ein Brezel wie ein Scheunentor, ein Kuchen wie ein Ofenblatt, davon werden alle satt", hieß es früher. Dabei brachten die Paten ihren Patenkindern meist schon an Silvester eine Brezel. Am Neujahrstag war dann das Neujahrsanwünschen bei der Verwandtschaft angesagt, was auch heute noch zum großen Teil üblich ist. Wie lange es diesen Brauch schon gibt, bleibt offen. Auf alle Fälle soll das Gebäck vor Krankheit, Unglück und Hunger schützen. Zudem symbolisieren die Brezeln Verbundenheit.

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