Frank Dellé im Interview: „Ich fühle mich in beiden Kulturen zuhause“

Frank Dellé ist auf der Bühne in seinem Element.
Saskia Hug- Frank Dellé trat beim „Black Forest on Fire“ in Berghaupten auf und fühlt sich heimisch.
- Er wuchs in Berlin, Freudenstadt und Bad Wildbad auf, lebte ab sechs Jahren in Ghana.
- Er sieht sich kulturell „doppelt“ und betont die Bedeutung von Bildung und Wasser.
- Musik steht für ihn als Botschaft im Vordergrund – Emotionen statt Technik.
- Seeed pausiert nach Demba Nabés Tod; ein Comeback ist möglich, aber ohne konkrete Pläne.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seeed-Sänger Frank Dellé stand beim diesjährigen „Black Forest on Fire“-Festival in Berghaupten auf der Bühne. Im Interview spricht der gebürtige Berliner über seine Kindheit im Schwarzwald, das Leben zwischen Deutschland und Ghana und die Botschaft seiner Musik.
Herr Dellé, Sie sind für Ihren Auftritt beim „Black Forest on Fire“ nach Berghaupten gekommen. Fühlt sich das ein bisschen wie eine Rückkehr an?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe von 1972 bis 1976 in Freudenstadt und Bad Wildbad gelebt. Als ich sechs Jahre alt war, sind wir nach Ghana gezogen. An den Schwarzwald habe ich wunderschöne Erinnerungen. Früher gab es hier noch richtig viel Schnee. Ich habe Schneemänner gebaut, bin durch verschneite Wälder gelaufen und habe die Natur sehr genossen. Es ist schön, wieder hier zu sein.
Was macht das Festival für Sie besonders?
Ich finde es großartig, was die Veranstalter hier auf die Beine stellen. Gefühlt ist das ganze Dorf beteiligt. Alle arbeiten ehrenamtlich mit und schaffen gemeinsam etwas, das Menschen zusammenbringt. Genau diese Energie spürt man hier. Vom Baby bis zur Oma sind alle willkommen – das macht dieses Festival besonders. Alle Beteiligten können stolz darauf sein.
Ihr Vater stammt aus Ghana. Wo wurden Sie geboren?
Mein Vater kam in den 1960er-Jahren aus Ghana nach Deutschland, um Medizin zu studieren. Hier lernte er meine Mutter kennen, die als Krankenschwester gearbeitet hat. So begann unsere Familiengeschichte. Ich wurde in Berlin geboren. Mit sechs Jahren zog unsere Familie nach Ghana.
Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Leider gab es zwischen 1976 und 1982 drei Militärputsche. Das war eine schwierige Zeit. Meine Eltern haben meine Geschwister und mich aber sehr gut davor abgeschirmt. Dafür bin ich ihnen bis heute dankbar.
Sie sind in zwei Kulturen aufgewachsen. Was bedeutet Ihnen das heute?
Ich empfinde das als großes Geschenk. Ich kenne beide Länder nicht nur aus Erzählungen, sondern habe wirklich dort gelebt. Deshalb habe ich mich nie als „halb“ empfunden, sondern eher als „doppelt“. Ich fühle mich in beiden Kulturen zuhause und kann gut zwischen ihnen wechseln.
Welche Unterschiede fallen Ihnen bis heute besonders auf?
Vor allem der Stellenwert von Bildung. In vielen afrikanischen Ländern ist Bildung der einzige Weg, um sozial aufzusteigen. Deshalb wird sie enorm geschätzt. Als wir nach Deutschland zurückkamen, war ich überrascht, wie selbstverständlich viele Jugendliche die Schule genommen haben, manche haben gar keinen Bock darauf. Das war für mich ein echter Kulturschock. Ähnlich ist es beim Wasser. Hier kommt es einfach aus dem Wasserhahn. In vielen Regionen Afrikas müssen Menschen kilometerweit laufen, um Wasser zu holen. Erst wenn etwas nicht selbstverständlich ist, erkennt man seinen Wert.
Was ist Ihnen bei Ihrer Musik besonders wichtig?
Mir ist wichtig, dass nicht ich im Mittelpunkt stehe, sondern die Botschaft. Wenn die Message im Vordergrund steht, verliert man auch die Angst zu versagen. Dann geht es darum, wofür man steht. Bei Musik gibt es keinen Beipackzettel. Jeder interpretiert etwas anderes in die Musik hinein. Es geht nicht um Technik, sondern rein um Emotionen.
Sie traten mit „Marley’s Ghost“ auf. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Ich kenne Sebastian Sturm schon lange. Als ich ihn zum ersten Mal gehört habe, dachte ich nur: „Das gibt’s doch nicht“. Ich hatte noch nie einen so guten Bob-Marley-Interpreten gehört. Selbst die Söhne von Bob Marley sind beeindruckend, aber Sebastian ist wirklich überragend.
Was fasziniert Sie bis heute an Bob Marley?
Seine Songs sind musikalisch außergewöhnlich. Die Songstrukturen, die Melodien und die Harmonien sind großartig. Dazu kommen die Inhalte: Freiheit, Frieden und Menschlichkeit. Seine Musik hat bis heute nichts von ihrer Kraft verloren.
Sie sind vielen Menschen vor allem als Mitglied von Seeed bekannt. Wie begann Ihre Karriere?
Ich habe Toningenieur in Babelsberg studiert. Dort habe ich auf einer Party Pierre Baigorry, also Peter Fox, kennengelernt. Pierre ist für mich ein musikalisches Wunderkind – ein rothaariger Weißer, der schwarze Musik wirklich verstanden hat. Wir beschlossen, gemeinsam eine Band zu gründen. Später kamen weitere Musiker zu uns. Wir haben unglaublich viel gearbeitet. Aber am Ende gehört auch Glück dazu. Dass Seeed einmal so erfolgreich werden würde, war nie unser Plan. Dafür gibt es keine Garantie.
Wie blicken Sie heute auf diese Zeit zurück?
Seeed ist irgendwann viel größer geworden als wir selbst. Hinter der Band standen nicht nur wir Musiker, sondern auch die Crew, die Techniker, die Manager und viele andere. Es war eine unglaubliche Zeit. Manchmal schaue ich mir alte Videos von den großen Stadionkonzerten an und denke: „Warst du das wirklich?“ Das fühlt sich bis heute surreal an.
Gibt es Hoffnung auf ein Comeback von Seeed?
Im Moment machen wir Pause. Nach dem Tod unseres Sängers Demba Nabé wollten wir eigentlich einen Schlussstrich ziehen. Jetzt widmet sich jeder anderen Projekten. Vielleicht machen wir irgendwann wieder gemeinsam Musik – aber im Moment gibt es dafür keine konkreten Pläne.
Seeed: Berliner Sound mit weltweitem Erfolg
Seeed gehört zu den erfolgreichsten deutschen Bands der vergangenen Jahrzehnte und steht für eine Mischung aus Reggae, Dancehall, Dub und Hip-Hop. Gegründet wurde die Berliner Formation Ende der 1990er-Jahre. Mit Hits wie „Dickes B“, „Ding“ und „Augenbling“ erlangte die Band große Bekanntheit und füllte später auch die größten Konzertarenen Deutschlands. Sänger Frank Dellé ist neben Peter Fox eines der prägenden Gesichter der Gruppe. Nach dem Tod von Bandmitglied Demba Nabé alias Boundzound im Jahr 2018 legte Seeed eine Pause ein.

