Emotionales Treffen: So hat sich eine Lahrer Abi-Klasse von 2005 wieder gefunden

Vor 20 Jahren haben sie gemeinsam Abi am „Max“ gemacht, jetzt trafen sie sich dort wieder.
privatEinige Ehemalige legten besonders weite Wege zurück: Tomas Silva etwa, der seit zwölf Jahren mit seiner Familie in Houston, Texas lebt, reiste eigens für das Treffen an. „Für mich war das wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk“, erzählt der bald 40-jährige, ein dreifacher Familienvater. Er hatte seine Frau beim Studium in Freiburg kennengelernt und war später zu deren Familie nach Amerika gezogen.
Nicht nur aus den USA kamen Gäste – auch Ehemalige aus der Schweiz (Bern, Zürich), Österreich (Salzburg), Berlin, Frankfurt, Wiesbaden und Ingolstadt folgten der Einladung. Insgesamt besteht der Jahrgang aus rund 80 Personen – 70 davon konnten über Monate hinweg kontaktiert werden. Etwa 40 kamen schließlich am 13. September zum Treffen in Lahr zusammen.
Vorbereitungen begannen an Weihnachten
Um Weihnachten herum hatten die Vorbereitungen für das Treffen begonnen, berichtet Philip Kaufmann, der federführend die Organisation in die Hand genommen hatte. Als Mann der Zahlen ist der Stadtkämmerer von Gengenbach mit administrativen Aufgaben vertraut – die Grunddaten lagen in Form der Abi-Zeitung vor, über einen Sockel von rund 20 Handy-Nummern und diversen alten E-Mail-Adressen wurde das Netz ausgebaut.
Mithilfe einer WhatsApp-Gruppe wurden nach und nach die fehlenden Personen zusammengefügt. Bereits im Februar lag man bei 60 Personen, so dass anschließend eine konkrete Umfrage zwecks Termin-Koordination möglich war. Am Ende stand man mit 70 von 80 Personen des Jahrgangs in direktem Kontakt – „eine super Ausbeute“, heißt es in dem Bericht über das Treffen.
Gut 40 frühere Absolventen fanden dann auch tatsächlich am vergangenen Samstag am Max-Planck-Gymnasium wieder zusammen. Für manche war es der erste Besuch der alten Schule seit ihrem Abitur – und sie staunten nicht schlecht, was sich in der Zwischenzeit dort getan hat. Nach einem halbstündigen „Get-together“ bei kleinen Snacks und Getränken begann die Schulbesichtigung.
Ex-Lehrer übernimmt Führung
Die Führung übernahm der ehemalige Mathelehrer, Michael Hog, der die Klasse von der 8. bis 13. Stufe betreut hatte. Als Mitglied des Fördervereins vermochte Hog auch zahlreiche Informationen über die aktuellen Entwicklungen weiterzugeben und dabei auch viele Anekdoten aus den vergangenen 20 Jahren am „Max“ anzubringen.
Die Ex-Schüler staunten, was sich im Lauf der Zeit am „Max“ alles verändert hat
Der umgebaute Innenhof mit Mensabetrieb, Hausaufgabenraum, Chillout-Möglichkeiten sowie die Veränderungen in den naturwissenschaftlichen Räumen waren für die Ex-Schüler beeindruckend, heißt es. Gleichzeitig hätten sie aber an vielen Stellen alte, wohlvertraute Ecken gefunden: Die Aula und die ersten Klassenräume mit den alten Tafeln präsentierten sich (bis auf Beamertechnik) nahezu unverändert.
Beim Durchschreiten der alten Wirkungsstätte kamen zahlreiche Erinnerungen zurück, ist dem Bericht über das Treffen zu entnehmen. So wurde über gemeinsame Landschulheim-Aufenthalte an der Nordsee und im französischen Jura, den unliebsamen Cooperlauf-Test auf der nahe gelegenen Klostermatte, das Fußballspielen in der Turnhalle wie über die schönen Stunden im Computer-Raum sinniert. Im Internet zu surfen sei damals eine Rarität gewesen. Zum damals „modernen“ Chatten hatte sich ICQ als Messenger-Dienst etabliert und wurde, sofern man Internet-Zugang hatte, genutzt.
Eine Jugend ohne Smartphone
Handys besaß der Jahrgang meistens erst in der Oberstufe in einem größeren Stil. Mit dem Nokia Handy 3210 und den dortigen Funktionen (ohne Foto oder weitere Apps) war man dabei zufrieden. SMS waren nach 160 Zeichen beendet und kosteten 20 Cent. Der Umgang mit Abkürzungen war deshalb Alltag.
Diese Grenzen der eher analogen Jugendzeit haben aber, so waren sich die ehemaligen Absolventen einig, „niemanden geschadet“. Es „hat uns an nichts gefehlt“, hieß es. Das soziale Miteinander, lange Gespräche oder gemeinsame Aktivitäten im Pausenhof – sei es beim Basketball- oder Tischtennis spielen – hätten im Vordergrund gestanden.
Zum Ausklang verbrachte man noch viele Stunden bis tief in die Nacht im „Zarko“ in der Schillerstraße. Dort wurden alte Bilder und kleine Videos sowie die Jahrbücher des MPG durchgeblättert. Im Gruppenchat wurde am nächsten Tag über ein sehr gelungenes Jubiläum resümiert. „Es war eine schöne Zeitreise, ich habe das Wiedersehen mit euch genossen“, schrieb ein Ex-Schüler. Alle waren sich einig, dass man sich bald wieder treffen möchte – an Weihnachten am „Wolkenkratzer“ oder spätestens zum 25-Jährigen.