Einsparpotenzial in Ortsmitte: Seelbacher Rat bringt Konzept zur Wärmewende auf den Weg

Die verdichtete Bauweise in der Dorfmitte würde sich für eine dezentrale Wärmeversorgung in Seelbach anbieten.
BaubliesAdrian Gut, Projektentwickler bei der Badenova Netze aus Freiburg, stellte das Konzept für eine dezentrale Wärmeversorgung (wir berichteten) im Seelbacher Gemeinderat vor. Interessant ist die derzeitige Energiebilanz in der Gemeinde, gemessen nach Stromverbrauch, fossilen Energieträgern, Kraftstoff, Heizöl und erneuerbarer Wärme.
Private Haushalte machen 46 Prozent des gesamten Energieverbrauches aus, die Wirtschaft in der Gemeinde schlägt mit 27 Prozent zu Buche. Kommunale Liegenschaften machen drei Prozent aus, der Verkehr verursacht 25 Prozent. 52 Prozent des gesamten Energieverbrauches dienen der Wärmeversorgung. Heizöl macht immer noch 45 Prozent bei der Wärmeerzeugung in der Gemeinde aus. Solarthermie liegt bei drei Prozent, Umweltwärme bei fünf Prozent.
Deckungsgrad der erneuerbaren Energien lässt sich noch steigern
Laut der Erhebung, bei der auch auf Daten der Kaminkehrer zurückgegriffen wurde, so Gut, liegt bei den privaten Gebäuden ein Einsparpotenzial von 44 Prozent. Sehr positiv ist, dass der derzeitige Deckungsgrad bei Strom aus erneuerbaren Energien bei 143 Prozent liegt. Diese Deckung ließe sich – derzeit hypothetisch – auf 900 Prozent steigern.
Wie bereits berichtet, würden sich der Ortskern Richtung Lahr entlang der Hauptstraße, die Hindenburgstraße und die Siedlung Sankt Josef für eine Nahwärmeversorgung anbieten. Auf Nachfrage von Markus Himmelsbach (Grüne) stellte Gut klar, dass andere Gebiete – wie das Neubaugebiet um den Tretenhof – aus Sicht der Badenova weniger attraktiv sind. Da müssten zuerst alle Anwohner an einem Strang ziehen. Die Badenova – auch das ist sicher ernüchternd – würde in den kommenden zehn Jahren kein Interesse an einer Entwicklung in Seelbach zeigen. Das liege, so die Einschätzung Guts, daran, dass sich der Wärmeversorger unter anderem stark in Freiburg engagieren würde.
Gut stellte aufgrund mehrerer Nachfragen auch klar, dass es bei der dezentralen Wärmeversorgung zuerst auf die Art ankommt, wie sich das finanziert. „Ein Kontraktor will Geld verdienen.“ Eine „Genossenschaft Seelbacher Bürger“ wäre auf das „Engagement möglichst vieler“ angewiesen. Den Einwand von Markus Himmelsbach zu schlechtem Timing – derzeit würden gerade die Straßen aufgerissen, um Glasfaser zu verlegen, und dann würden etwas später Rohre für eine dezentrale Wärme erneut verlegt werden – wies Gut zurück: Die Glasfaserkabel werden unter den Bürgersteigen verlegt. Die Wärmerohre in der Straße. Zudem wären die Bauarbeiten einer neuen Wärmeversorgung viel langwieriger.
Josef Schwörer (CDU) regte an, dass man Erfahrungen anderer Gemeinden abfragen könnte. Albert Himmelsbach (FBL) ergänzte hier, dass man die Bereitschaft der Einwohner in der eigenen Gemeinde generell erfahren solle.
Bürgermeister Michael Moser beendete die Diskussion mit dem Hinweis auf den Beschlussvorschlag der Gemeinde. Der Rat sollte den Vortrag des Projektentwicklers der Badenova jetzt zur Kenntnis nehmen. Dann wird geprüft werden, welche Schritte in Zukunft notwendig sein könnten. Der Rat stimmte geschlossen zu.
Konzept bis 2040
Das Konzept der kommunalen Wärmeentwicklung in Seelbach ist bis zum Jahr 2040 geplant. Nach der Erhebung werden lokal, technisch und wirtschaftlich mögliche Klimapotenziale geprüft. Wie kann Energie eingespart oder die Effizienz verbessert werden? Ein Zielbild und die Entwicklung von mindestens fünf konkreten Maßnahmen sind das Ziel, samt der Frage, was die Kommune dazu beisteuern kann.