„Eine Herzensangelegenheit“: Ettenheimer spendet 28 Öfen, damit Ukrainer durch den Winter kommen

Freuen sich über die gesammelten Spenden (von links): Lkw-Fahrer Marcin Kamieniarz, Bürgermeister Bruno Metz, Kristian Herdick, Aline Köbele (Stadtverwaltung), Andreas Schwindt (Transportunternehmen Schwindt) und Julia Zehnle (Stadtverwaltung).
StadtEin Ofenmuseum in den eigenen vier Wänden: Diesen Traum wollte sich Bernhard Stöhr aus Ettenheimmünster schon lange erfüllen. Der 85-jährige Blechnermeister brennt seit Jahrzehnten für die heimischen Feuerstellen und vertreibt diese in seiner „Kaminstube“ in Ettenheim. „Das Museum hat sich mittlerweile erledigt“, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Grund: Anstatt sie auszustellen, spendete der Senior insgesamt 28 Kaminöfen an die Ukraine.
Die Geräte stammen dabei von Kunden, die sich bei Stöhr einen neuen Kamin zulegten. Die ausgetauschten Öfen lagerte er anschließend zuhause ein. „Die meisten wurden in Dänemark hergestellt. Da sind wirklich stattliche Öfen dabei“, betont der Experte. Zwar seien noch alle in gutem Zustand, Wärme dürfen sie jedoch nicht mehr spenden – zumindest nicht in hierzulande. „Das liegt an der neuen Feinstaubverordnung, die ab 2026 in Kraft tritt“, erklärt der Experte.
Die gespendeten Öfen haben einen Wert von rund 22 000 Euro
Diese gelte jedoch nur in Deutschland, in anderen Ländern dürfe man die Kamine weiterhin betreiben. Wieso also nicht einfach verkaufen? Immerhin wären die 28 gebrauchten Öfen laut Stöhr für rund 22 000 Euro über den Ladentisch gegangen. „Ich kann nichts ins Grab mitnehmen. Das ist eine absolute Herzensangelegenheit“, erklärt er hörbar emotional.
So kam es also, dass sich der 85-Jährige im Sommer bei der Stadt meldete, die zu dieser Zeit Spenden für ihre ukrainische Partnerstadt Vilkhovetska sammelte. „Abgeholt wurden die Öfen Anfang dieser Woche. Ich habe sie extra gesäubert und die Brennräume hergerichtet“, so Stöhr.

Bernhard Stöhr spendete 28 Kaminöfen.
Foto: StadtDrei Tage lang sei der Lastwagen der Mahlberger Firma Schwind bis an die ukrainische Grenze unterwegs. „Die Weitergabe erfolgt über verlässliche Strukturen direkt an die Partnerkommune“, erklärt die Stadtverwaltung in einer Mitteilung. Die Hilfsgüter sollen den Menschen helfen, den mittlerweile vierten Kriegswinter zu überstehen. „Bedingt durch den russischen Angriffskrieg sind zahlreiche Häuser unbewohnbar. In manchen Gebieten gibt es weder Strom, Gas oder Wasser. Nässe und fallende Temperaturen verschärfen die ohnehin bedrohliche Lage vieler Familien. Da Gas- und Dieselkraftstoffe knapp werden, sind mehr und mehr Ukrainer auf Holzöfen angewiesen, um ihr Essen zu kochen und sich warm zu halten. Umso wertvoller sind deshalb die 28 Kaminöfen“, betont die Stadt die Bedeutung der Spende.
170 Pakete voller Winterkleidung kamen zusammen
Doch nicht nur die Feuerstellen befinden sich auf dem Weg nach Vilkhovetska. Durch Spenden der Ettenheimer Bürger wurden rund 170 Kartons mit warmer Winterkleidung, Stiefeln, Medizin und Zelte gepackt und mit den Öfen verschickt. „Die Solidarität und Hilfsbereitschaft unserer Bürgerschaft überwältigen mich immer wieder. Mit jeder Spende zeigen wir den Menschen in unserer Partnerstadt Vilkhovetska und darüber hinaus, dass sie in dieser schweren Zeit nicht allein sind“, freut sich Bürgermeister Bruno Metz.
Info – Die Städtepartnerschaft
Die Stadt Ettenheim unterstützt seit 2023 ihre Partnerkommune in der Westukraine. So wurden bereits unter anderem ein Feuerwehrfahrzeug, ein Bagger, ein Grader, ein Bauhoffahrzeug, Solarmodule und weitere Sachspenden übergeben, erklärt die Verwaltung in einer Mitteilung. Finanzielle Unterstützung sei weiterhin möglich. Geldspenden können auf die Konten der Stadt Ettenheim überwiesen werden, Barspenden können im Bürgerbüro oder bei der Stadtkasse abgegeben werden, heißt es weiter. Vilkhovetska ist rund 1800 Kilometer von Ettenheim entfernt und zählt circa 13 500 Einwohner. Weitere Informationen zur Stadt und Spendenaktion gibt es im Internet unter www.ettenheim.de.