Diskussion im Gremium: Darum sorgte das Löschwasserkonzept für Ärger im Schwanauer Gemeinderat

Zahlreiche Löschwasserentnahmestellen, darunter viele Brunnen, sichern aktuell die Versorgung Schwanaus. Nach ersten Erkenntnissen fällt die Leistungsfähigkeit der einzelnen Stellen sehr unterschiedlich aus.
Marijan Murat/dpaDie Wasserversorgung in Schwanau hat in der Vergangenheit schön öfter Fragen und Diskussionen aufgeworfen. Im Bereich Trinkwasser sind nur Teilgebiete an die zentrale Versorgung des Wasserversorgungsverbands Ried angeschlossen, für viele Schwanauer Bürger ist es üblich, das Trinkwasser aus dem eigenen Brunnen zu beziehen. Auch beim Löschwasser läuft in der Gemeinde viel über Brunnen, 54 Stück sind dafür im Einsatz, deren baulicher Zustand, Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit unterschiedlich ausgeprägt sind, heißt es in der Beschlussvorlage der Gemeinderatssitzung. Dort sollte über die Auftragsvergabe für ein Löschwasserkonzept abgestimmt werden.
Um eine leistungsfähige Feuerwehr sicherzustellen, will die Gemeinde ein Konzept festlegen, dass unter anderem die Auswirkungen der Infrastrukturmaßnahmen wie Leitungsneubauten und Ringschlüsse berücksichtigt. Generell soll das neue Löschwasserkonzept den Ist-Zustand analysieren, den Soll-Zustand unter Berücksichtigung der technischen Regelwerke definieren und daraus Handlungsfelder abzuleiten.
Nach dem Beschlussvorschlag sollte die Gemeinde den Auftrag für die Erstellung eines ingenieurmethodisch fundierten Löschwasserkonzepts für die gesamte Gemeinde an die Firma Brandschutz Vier aus Kippenheim vergeben, zum Preis von 44 800 Euro.
Die Summe sorgte im Gemeinderat für Diskussionen. Im Haushalt sind Mittel in Höhe von 60 000 Euro für das Löschwasserkonzept eingeplant, inklusive der Messung der Löschwasserentnahmestellen. Markus Kenngott (FW) kritisierte, dass außerdem pro Brunnen noch einmal 1000 Euro obendrauf kämen, plus eventuelle Zusatzleistungen. „Natürlich sind das Sachen, die der Allgemeinheit zugute kommen“, betonte er. „Aber wir haben bei der Haushaltsberatung teilweise um Ausgaben über 800 Euro gefeilscht, und jetzt das.“ Auch Hartmut Läßle (Liste Hartmut Läßle) äußerte sich kritisch gegenüber dem Beschluss. Er sei überrascht darüber, was über die Jahre in Schwanau bereits alles in Brunnen und Fahrzeuge investiert worden sei. „Erst haben wir gebaut, jetzt machen wir das Konzept? Sollte es nicht andersherum sein?“
Bauhofleiter und zugleich Hauptkommandant Bernd Leppert, der zu diesem Thema im Rat geladen war, entgegnete, dass es keine Alternative dazu gäbe, dieses Geld auszugeben. „Es ist ohnehin viel zu spät, dass wir das jetzt erst machen. Wir hätten es viel früher angehen sollen, damit wir Rechtssicherheit haben. Einmal hat es in Nonnenweier gebrannt und die Gemeinde wurde angezeigt, weil die Wasserversorgung nicht ausreichend war. Das muss einfach nicht sein.“
Schwanaus Situation ist einzigartig
Zu der Frage, welches Unternehmen denn den Auftrag für das Löschwasserkonzept erhalten sollte, wurde im Rat ebenfalls diskutiert. Ralf Herrenknecht (FW) warf ein: „Diese Firma Brandschutz Vier, wir machen alles mit denen. Gibt es keine anderen Firmen auf der Welt?“ Leppert erläuterte, dass die Firma Brandschutz Vier die Hintergründe der Gemeinde Schwanau besonders gut kenne, und es außerdem schwierig sei, überhaupt eine Firma zu finden. Die Gemeinde Neuried habe kürzlich ebenfalls ein Konzept erstellen lassen, bei einer anderen Firma – diese habe aber keine Zeit für den Auftrag aus Schwanau gehabt. „Es gibt nirgendwo in Deutschland eine Kommune ohne zentrale Wasserversorgung. Schwanau ist da einzigartig, das ist für jeden Neuland“, betonte Leppert. Er wies außerdem darauf hin, dass die Brunnen schon digitalisiert seien und das neue Konzept sehr nachhaltig sein werde: „Ich denke nicht, dass wir nochmal ein neues Konzept brauchen, bevor ich in Rente gehe. Aber wir brauchen überhaupt erstmal ein Konzept, wir haben so etwas noch nie gemacht.“
Aufgrund der lebhaften Diskussion stellte Bürgermeister Marco Gutmann schließlich den Antrag, den Tagesordnungspunkt zu vertagen. Er erklärte, man werde sich nun einige Vergleichsangebote einholen und spätestens im April erneut über den Beschluss diskutieren. „Aber die Notwendigkeit, dass wir das umsetzen müssen, ist nicht von der Hand zu weisen“, schloss Gutmann ab. Dem Vorschlag, die Entscheidung zu vertagen, stimmte der Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen zu.
Das Schwanauer Wasser
Die erste Bauphase für den seit Jahren in der Gemeinde geplanten Ringschluss begann am 20. Januar in Allmannsweier. Die Themen Trinkwasser und Löschwasser werden den Gemeinderat vermutlich noch über Jahrzehnte beschäftigen, hatte Gutmann in der Vergangenheit bereits deutlich gemacht.