Die Enttäuschung war groß: Deshalb lehnte der Gemeinderat die Blitzersäulen ab

Den Autofahrern leuchtet häufig ein „zu schnell“ von der Geschwindigkeitstafel in der Adlerstraße, Ecke Rösslegasse, entgegen.
Bohnert-SeidelHauptgrund für die Installation von zwei Blitzersäulen auf Höhe der ehemaligen Tankstelle Ziegler in der Kronenstraße sowie auf Höhe des Lebensmitteldiscounters Aldi war die Unfallhäufigkeit Ecke Rösslegasse und Adlerstraße, erläuterte Bürgermeister Erik Weide. Eine Einhaltung der Geschwindigkeit hätte zudem einen positiven Nebeneffekt für die Anwohner. Die Kosten in Höhe von 185 000 Euro, die die Gemeinde Friesenheim vorfinanziert hätte, wären über Bußgeldeinnahmen zurückgeflossen. Binnen zehn Jahren hätten sich die Kosten amortisiert.
Charlotte Schubnell (CDU) sprach von einer jahrelangen belastenden Situation der Anwohner von „nächtlichen Crashs“ aufgrund überhöhter Geschwindigkeit bis zu Dauerlärm durch schnelle Fahrzeuge. Zwei Blitzersäulen stünden für mehr Verkehrssicherheit bei 16 000 bis 18 000 Fahrzeugen täglich, so Schubnell. Die Blitzer würden die Lebensqualität der Bürger erhöhen, schließlich sei das Verkehrsaufkommen an der Bundesstraße deutlich höher als auf einer Landstraße.
Mobile Blitzer haltenviele Räte für sinnvoller
Das hat im Rat die Mehrheit nicht so gesehen. „Die Adlerstraße war schon immer ein Problemkind“, erklärte Roland Herzog (CDU). Viel wurde in der Vergangenheit getan: „Tempo 30, zwei Fahrradstreifen, Busbuchten und alles führe zum Autochaos.“ Das „scharfe Eck“ an der Rösslegasse bekäme niemand in den Griff. Vielmehr vermute er, dass Autofahrer nach dem Blitzer wieder Gas geben. Variable Blitzer wären wirksamer.
Martin Althauser (FW) betonte für seine Fraktion ebenso Geschlossenheit gegen die Installierung von Blitzern. Zuerst sollten all die von der Straßenverkehrsbehörde empfohlenen Maßnahmen umgesetzt werden wie: eine Radfahrerfurt in der Rösslegasse rot markieren, die Entfernung von vier Blockmarkierungen am Radschutzstreifen und stattdessen eine Verlängerung der Randmarkierung, die Zuführung zur Mittelinsel verlängern und die Markierung im Bereich des Knotens Rösslegasse optimieren. Angebracht wäre auch die Anbringung einer Bake am Baum Knoten Rösslegasse sowie die weitere Verstärkung der Geschwindigkeitsmessgeräte.
Fußgänger ließen sich nicht durch Blitzer schützen
„Die 30er-Zone habe ich nie verstanden“, betonte Moritz Weschle (CDU). Tempo 30 bedeute für die Geschäftswelt 15 Minuten längere Zeit auf der Straße, was eine Zumutung sei, findet er. „Für einen Blitzer sehe ich keinen Handlungsbedarf“, ergänzte Weschle. Es fehle zudem die rechtliche Grundlage.
Gemeinhin wird vom Sparen geredet und dann sollen 200 000 Euro Kredit aufgenommen werden, warf Leon Rottler (SPD) ein. Fußgänger ließen sich nicht durch Blitzer schützen, aber durch Poller.
Über die Forderung von möglicher Gleichbehandlung erkenne Rottler langfristig Begehrlichkeiten in der Hauptstraße in Schuttern, in der Bahnhofstraße oder in Heiligenzell. Es gehörten mobile Blitzer ins Dorf. „Stationäre Blitzer sind der falsche Weg.“
Der Blitzer kontrolliere nur die bestehenden Bedingungen. Die Ursache für die Unfallhäufigkeit am „scharfen Eck“ erkennt Andreas Bix (FW) an der Verkehrsinsel, die eventuell nicht ausreichend ausgeleuchtet ist, außerdem sitze das Problem hinter dem Lenkrad. Bauamtsleiter Markus Reinbold erklärte: Die Verkehrsinsel habe ihre Berechtigung und sei durchaus frühzeitig erkennbar. Glasreflektoren seien ebenfalls gut erkennbar. Die Engstelle sei auch gewünscht, um die Geschwindigkeit zu drosseln.
„Ich kann nicht glauben, wie unempathisch einzelne hier sind. Es geht um die Anwohner und deren Sicherheit“, so Stefan Armbruster (GLU). Und dennoch: Am Ende entschied sich der Rat bei 13 Nein- und sieben Ja-Stimmen gegen die stationären Blitzer.
Maßnahmen
Im Jahr 2019 kam erstmals das Thema stationäre und mobile Geschwindigkeitsüberwachung im Gemeinderat auf, resultierend aus der Fortschreibung des Verkehrskonzepts der Gemeinde Friesenheim. Im Juni 2023 hat der Gemeinderat per Beschluss gegen die Einrichtung einer Blitzersäule gestimmt. Unterschiedliche Geschwindigkeitsmessungen wurden durchgeführt, deren Ergebnisse bis heute nicht veröffentlicht wurden. Im Dezember 2024 fand eine Begehung der Adlerstraße/Rösslegasse statt. Beteiligt waren die Gemeinde Friesenheim, die Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes, die Straßenmeisterei und die Polizei. Maßnahmen wurden beschlossen, die bis heute nicht umgesetzt worden sind. Das mobile Geschwindigkeitsmessgerät soll verstärkt in dem Bereich eingesetzt werden. Allerdings nicht am Wochenende und nicht bei Nacht.