Das starke Stück zum Wochenende: Arbeit muss sich auch für Ärzte lohnen - in Lahr und anderswo

Die Folge des Praxissterbens
Melanie Jilg- Lahr hat nur noch eine HNO-Praxis: David Kasper behandelt in der Kirchstraße 26.
- Früher gab es drei Praxen. Ali Rahmann hörte 2009 auf, Sigrid Duffner fand 2019 keinen Nachfolger.
- HNO-Praxen sind erste Anlaufstelle bei Akutfällen – viele kommen ohne Termin.
- Neues Beitragssatzstabilisierungsgesetz erschwert rentables Arbeiten in Praxen.
- Folge können gekürzte Sprechzeiten und mehr Notaufnahmen sein, Nachfolge wird schwieriger.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ältere Lahrer werden sich erinnern, jüngere können es sich vermutlich gar nicht mehr vorstellen – aber vor einigen Jahren gab es noch drei HNO-Praxen in Lahr. Ali Rahmann hörte 2009 auf, seine Kassenzulassung wurde damals an die Mediclin nach Achern übergeben. Auch die Praxis von Sigrid Duffner wurde nicht fortgeführt, sie ging 2019 in Ruhestand, ohne einen Nachfolger gefunden zu haben, trotz intensiver Bemühungen. Mittlerweile gibt es nur noch David Kasper und seinen Betrieb in der Kirchstraße 26.
Dabei werden Praxen dieser Fachrichtung dringend gebraucht, da sie erste Anlaufstelle für Akutpatienten sind. Auch zu Kasper kommen viele Menschen, ohne einen Termin zu haben. Denn bei Atemnot, Mittelohrentzündungen oder plötzlichem Hörsturz ist eben eine schnelle Hilfe gefragt.
Nun hat die Regierung ein Gesetz beschlossen, dass niedergelassenen HNO-Spezialisten, aber auch Ärzten anderer Fachrichtungen ein rentierliches Arbeiten erschwert. Das muss man sehr ernst nehmen. Ärzte wählen ihren Beruf in der Regel zwar aus dem Wunsch heraus, Menschen zu helfen und Leben zu retten, nicht aus Geldgier. Praxisinhaber müssen aber auch wirtschaftlich kalkulieren. Deshalb ist es verständlich, wenn sich die Mediziner gegen das neue Beitragssatzstabilisierungsgesetz wehren.
Denn es sieht vor, dass niedergelassene Ärzte ab einem bestimmten Punkt, wenn ihr Budget pro Quartal ausgeschöpft ist, praktisch umsonst arbeiten sollen. Wenn dann als Konsequenz Sprechzeiten in den Praxen gekürzt werden, da sie sich wirtschaftlich nicht mehr tragen, führt der Weg der Betroffenen in die Notaufnahmen. Das ist weder effizient noch kostensparend.
Letztlich steht zu befürchten, dass selbständige Praxen es unter den neuen Rahmenbedingungen noch schwerer haben werden, einen Nachfolger zu finden. Im Hinblick auf die HNO-Versorgung in Lahr kann man deshalb nur hoffen, dass David Kasper noch lange weitermacht. Und dass sich jemand findet, der in seine Fußstapfen treten will, wenn er seinen Arztkittel eines – hoffentlich sehr fernen – Tages an den Nagel hängen wird.
