Das Kleinod muss saniert werden
: Viele wollen der Konradskapelle bei Seelbach helfen

Die Spendenbereitschaft für das Schmuckstück über Seelbach ist groß: Seit dem Aufruf Ende März sind bereits mehr als 8000 Euro zusammengekommen.
Von
Jonas Köhler
Seelbach
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Schwarzwälder Bote

„Ganz viele Menschen identifizieren sich mit der Kapelle“, freut sich Manuela Müllerleile. Die Besitzerin der Konradskapelle zeigt sich im Gespräch mit unserer Redaktion begeistert von der Spendenbereitschaft aus der Region. Seit Ende März, als sie gemeinsam mit der Gemeinde bekanntgegeben hat, dass das denkmalgeschützte Wahrzeichen für mindestens 30.000 Euro saniert werden muss, sind auf den Spendenkonten des Historischen Vereins Mittelbadens mehr als 8000 Euro zusammengekommen. Doch das reicht nicht: „Durch Preissteigerungen ist fast sicher von einer weiteren Erhöhung auszugehen“, sagt Müllerleile. „Das kann ich nicht alleine stemmen.“

Die Schuttertälerin, in der Region durch ihre Backkünste bekannt, ist mit der Kapelle aufgewachsen. „Als Kind haben wir auf dem steilen Hang im Steingraben Heu gemacht, die Kapelle war unser schattiges Plätzchen zwischendurch. Wir haben mit Begeisterung die Glocke geläutet, so wie das bis heute jedem Besucher möglich ist. Besonders Kinder freuen sich immer darüber“, erzählt sie.

Aufgeben und die Konradskapelle verfallen zu lassen, sei nie eine Option gewesen. Auch nicht, als durch die Bestimmungen des Denkmalschutzes die notwendigen Arbeiten komplizierter wurden. „Das könnte ich mit mir nicht vereinbaren, aber auch weil ich es meinem Vater und zuletzt auch meiner Mutter versprochen habe, dass ich mich kümmere“, sagt sie. So kam es schließlich zum Spendenaufruf.

Baubeginn hat sich von Mai auf Juni verschoben

Dass sich an dem 1937 errichteten Bauwerk seit Ende März noch nichts getan hat, lag jedoch nicht am fehlenden Geld: „Der ursprünglich für Mai geplante Baubeginn hat sich auf Juni verschoben. Engpässe beim beauftragten Bauunternehmen sowie der extrem nasse April haben dies verursacht“, so Müllerleile. Erdarbeiten an einem Steilhang bei Dauerregen seien schlicht nicht möglich.

Der Baubeginn stehe nun „unmittelbar bevor“. Die Hangsicherung, verdeutlicht die Schuttertälerin, ist „der größte Brocken der Sanierung“. Baggerarbeiten und der Aufbau einer stabilisierenden Bruchsteinmauer sollen das weitere Abrutschen des Geländes stoppen und Folgeschäden am bereits gerissenen Fundament verhindern.

Wahrzeichen begeistert konfessionsübergreifend

„Die Resonanz aus Seelbach und der Region ist bemerkenswert“, bilanziert die Enkelin der Erbauer. Sie berichtet von einer – evangelischen – Seelbacher Einwohnerin, die spontan einen größeren Betrag gespendet habe. „Die Kapelle sei für sie kein religiöses Symbol, sondern ein schöner, erhaltenswerter Ort“, habe sie Müllerleile mitgeteilt. Diese berichtet weiter, dass ein Mitglied einer Seniorensportgruppe beim TV Seelbach im Training eine Spendenkasse aufgestellt habe.

Beim Vortrag von Werner Weber in der Katharinenkirche kamen die eingegangenen Spenden ebenfalls der Kapelle zugute. Weber war ein Klassenkamerad von Müllerleiles Vater, Josef Konrad Schuhmacher, der die Kapelle 40 Jahre lang bis zu seinem frühen Tod gepflegt hatte. Ebenfalls in der Katharinenkirche habe Pfarrerin Anke Doleschal am Pfingstmontag die Kollekte des ökumenischen Gottesdienst der Konradskapelle gewidmet.

„Für dieses Engagement bin ich ihr überaus dankbar. Es ist ein Zeichen, das über Konfessionsgrenzen hinaus wirkt und zeigt: Die Konradskapelle gehört zu Seelbach und ist ein Wahrzeichen der Gemeinde“, so Müllerleile.

Ihr Dank gilt ebenfalls Bürgermeister Michael Moser, der von Anfang an seine Unterstützung zugesagt habe und mit ihr und dem Historischen Verein Mittelbaden in engem Austausch stehe. Auch Hansjörg Vögele und das Bildungswerk sowie das Gemeindeteam Seelbach hebt sie hervor. „Sie waren bereits in der Vergangenheit für meine verstorbenen Eltern, so auch jetzt für mich wertvolle Unterstützer vor Ort.“

In den kommenden Wochen sind weitere Aktion geplant, um die Spendensumme zu erhöhen. Der Erlös der Benefizveranstaltung des Musikvereins am Ferienparadies Schwarzwälder Hof (16. Juli) soll der Konradskapelle zugute kommen. Am Tag drauf eröffnet Thomas May seine Fotoausstellung „Street and more“ im Rathaus.

Auch der Erlös der Vernissage werde der Kapelle helfen. „Es sind eigenständige Reaktionen auf den Spendenaufruf, von Menschen und Gruppierungen, die einfach helfen wollten. Aktionen die mich emotional stark berühren, kommen sie doch von Herzen“, kommentiert Müllerleile.

Die Besitzerin selbst wird am Samstag, 11. Juli, auf dem Bauernmarkt Kuchen verkaufen und über die Kapelle informieren. „Zusätzlich plane ich eine Spendenaktion mit selbst gelaserten Vesperbrettern aus massivem Buchenholz mit Gravur der Konradskapelle. Die Aktion möchte ich ähnlich der Ziegelaktion von 2012 gestalten. Bei der aufwendigen Dachsanierung, die mein Vater noch durchgezogen hat, waren originale Dachziegel der Konradskapelle gegen einen Spendenbeitrag abgegeben wurden.“

„Ich bin mir sicher“, sagt sie abschließend, „mit diesem Rückenwind werden wir es gemeinsam schaffen, was zunächst aussichtslos und nicht zu stemmen erschien“. Heißt: Genug Geld zusammenzubekommen, um die Kapelle wieder fit zu machen.

So kann man spenden

Weitere Informationen zur Restaurierung der Seelbacher Konradskapelle gibt’s im Netz unter www.konradskapelle-seelbach.de. Dort sind auch die Kontodaten für Spenden angegeben.

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