Das Frühlingskonzert bewies es
: Mahlberger können Weltmusik

Die „Frühlingsblüten“ beim Konzert des Musikvereins Mahlberg haben am Samstag in der Stadthalle viel Abwechslung geboten. Die musikalische Leistung war außergewöhnlich.
Von
Endrik Baublies
Mahlberg
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Vor der ausverkauften Halle boten die Mahlberger Musiker ihrem Publikum ein vielfältiges Programm auf einem hohen musikalischen Niveau.

/Baublies

Das Mahlberger Ensemble mit etwa 60 Musikerinnen und Musikern unter der Leitung von Melanie Huber hat mit den Stücken „Dunkirk“, „Shades of Syrinx“, „Flight of the Silverbird“ oder „Sakura – Variations on a Japanese Folk Song“ die Möglichkeiten eines guten Blaskonzertes weit übertroffen. Ein „Rock- und Pop-Medley“ von Altmeister James Last, „Black on the Track“ oder „Lenas Song“ rundeten das Konzert so ab, dass wirklich alle Besucher in der ausverkauften Halle etwas von der Musik hatten, die auf einem sehr hohen Niveau gespielt wurde.

Annette Burger brachte viel Licht mit ihrem Soloauftritt in die„Schatten“ (Shades). Ihre Musik sollte an eine altgriechische Flöte namens „Syrinx“ erinnern. Das virtuose Spiel der Musikerin, die hier in Mahlberg ihr Können gelernt hat, war das eine. Ein großes Lob bekommt hier das Orchester und die Dirigentin, die alle Höhenflüge begleitet haben, ergänzten und wenn erforderlich paraphrasierten. Was die Flötistin noch mit ihren drei unterschiedlichen Instrumenten (Alt-, Quer- und Piccoloflöte) an Klängen und Farben gespielt hat, war das andere herausragende Merkmal.

Dramatisches Kriegsereignis musikalisch nacherzählt

„Dunkirk“ ist eine musikalische Erzählung zu einem rätselhaften Kapitel in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Nach der offiziellen Kriegserklärung zwischen England, Frankreich und Hitlerdeutschland Anfang September 1939 gab es keine nennenswerten Kampfhandlungen an der Westfront: Es war ein auf Deutsch Sitzkrieg, auf Englisch „Phony war“, auf Französisch „Drôle de Guerre“. Als die Wehrmacht ab Mai 1940 Belgien und Frankreich überrannte (Blitzkrieg), waren englische Truppen in Dünkirchen (Dunkirk) eingeschlossen. Mit vielen kleinen Booten gelang es, die mehr als 300 000 Soldaten über den Ärmelkanal in Sicherheit zu bringen. Es ist historisch nie eindeutig geklärt worden, warum die Wehrmacht ihre Übermacht hier nicht ausgenutzt hat.

Solistin Annette Burger – hier an der Querflöte – begeisterte bei „Shades of Syrinx“.

Foto: Baublies/Endrik Baublies

José Alberto Pina hat diese dramatische Situation in Noten gefasst. Die Musiker in der Mahlberger Stadthalle haben diesen Wechsel und die Dramatik aus Sicht der Eingeschlossenen musikalisch nacherzählt. Leise Töne waren verbunden mit der heraufziehenden Gefahr und einem Rest Hoffnung, die immer geringer wurde. Irgendwann, gespielt von allen Registern, wurde überdeutlich, dass die Wehrmacht die Alliierten-Truppen eingekesselt hat. Der Wechsel zwischen den kurzen Solostimmen zu einem Crescendo des gesamten Ensembles und umgekehrt gehören zu selten gehörten Ausnahmen, die ein Blasorchester in dieser Qualität spielt.

Mit „Sakura“ wurde dem Mahlberger Publikum Weltmusik geboten

Sibylle Keßler (Klarinette), die den Abend moderiert hat, versprach den Gästen bei „Sakura“ (japanisch für Kirschblüte) einen Wechsel aus Spaß und Ernst. Im Ernst haben die Musiker hier noch mehr Register gezogen, wie das vorher beim Drama „Dunkirk“ der Fall war. Zur Geltung kam bei „Sakura“ aber nicht die Dynamik, die mehr als 50 Musiker zwischen Soloinstrument und gesamtem Ensemble haben. Es waren sehr unterschiedliche Farben und Schattierungen, die es in den Registern Holz und Blech samt der Percussion bei der richtigen Orchestrierung gibt, was schnell eine Vielfalt an unterschiedlichen Musikstilen präsentiert hat. Die Ukulele von Achim Herzog und das Cajun von Daniel Beck sorgten für japanische Anklänge. Der Begriff „Weltmusik“ passt hier gut.

Andere Überraschungen waren der Auftritt von Kathrin Fürstos, die als Sängerin mit „Lenas Song“ viel und verdienten Befall erhielt, und ein Solo von Jonas Ehret (Eufonium) beim Stück „Pulcinella“. Zu Rock und Pop gehörten E-Gitarre, E-Bass und ein Keyboard. Diese Instrumente waren auch Teil der verdienten Zugaben. Ein Gag der besonderen Art war der Auftritt der Drummer, die bei „Flight of the Silverbird“ zu spät kamen und daher laut Drehbuch in Schwarzlicht getaucht spielen mussten. Das i-Tüpfelchen war hier der Taktstock der Dirigentin, der ebenfalls im Dunkeln leuchtete.

Ehrung

Annette Burger wurde beim Konzert für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft im Musikverein Mahlberg ausgezeichnet.

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