Damit es im Ernstfall klappt
: Die Kippenheimer Feuerwehr stellte sich einer besonderen Jahresübung

Eine brennende Scheune mit zwei Vermissten: Dieses Probe-Szenario stand dem Kippenheimer Löschtrupp bevor.
Von
Michael Masson
Kippenheim
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Die Feuerwehr musste eine „brennende Scheune“ löschen. Die Rettung von vermissten Menschen – hier in Form von lebensechten Puppen – gehörte auch dazu.

Masson

Für die Jahresübung der Freiwilligen Feuerwehr Kippenheim hatte sich Kommandant Lucas Riegger eine sehr anspruchsvolle Situation einfallen lassen: Einen Scheunenbrand beim Aussiedler-Herrweierhof im westlichen Außenbereich Kippenheims inmitten von weiten Äckern.

Das besondere daran: Dort draußen gibt es keinerlei nahe Gewässer und ein ehemaliger Tiefbrunnen ist längst nicht mehr funktionstüchtig. Woher also dann nötiges Löschwasser her nehmen? Anfangs half da zwar noch das Tankwasser der in Minutenschnelle samt Schmieheimer Abteilung angerückten drei „Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge“ (HLF) sowie von einem weiteren Fahrzeug der vorsorglich mit alarmierten Feuerwehr aus Mahlberg. Diese brachten allein 1600 Liter mit.

Feuerwehr baute eine kilometerlange Versorgungsleitung auf

So reichte das Wasser schon mal für einen Ersteingriff, bei dem zuerst die Rettung von zwei „Vermissten“ in der „brennenden und verrauchten“ Scheune im Vordergrund stand. Doch auch das benachbarte Wohngebäude musste sogleich per Riegelstellungen geschützt werden – und auf Dauer hätten dafür die Fahrzeugtanks bei weitem nicht ausgereicht.

Darum wurde zeitgleich die Lahrer Feuerwehr hinzu alarmiert, denn diese verfügt über ein spezielles Schlauchfahrzeug für längere Distanzen. Damit baute die Feuerwehr eine kilometerlange Versorgungsleitung von einem fernen Hydranten im Industriegebiet sogar über eine Bahnbrücke hinweg auf, um damit, samt nötigen Druckstationen, die Löschfahrzeuge vor Ort mit neuem Wasser versorgen zu können.

21 Kameraden aus Lahr waren auch im Einsatz

Das ist eine aufwendige Sache. Deshalb waren gleich 21 Lahrer Kameraden in kompletter Zugstärke unter Leitung von Markus Preschle damit beschäftigt, das benötigte Löschwasser per Schlauch- Doppelleitung zügig heranzuschaffen.

Derweil hatten sich längst 30 Einsatzkräfte der Kippenheimer und Schmieheimer Abteilungen mit ihrem Einsatzleiter Michael Dees und Abschnittsleiter Rolf Haffke vor dem landwirtschaftlichen Hofgelände positioniert, während die Mahlberger Zusatzkräfte unter Leitung von Rolf Ackermann den Scheunenbrand von der Rückseite bekämpften.

Ein Einsatz im Grünen stellte die Feuerwehr vor besondere Herausforderungen.

Foto: Masson

Sie hatten auch weitere Atemschutzträger mitgebracht, denn von denen brauchte es am „Brandort“ vorsorglich viele zur Ablösung. Nach maximal 30 Minuten ist eine Atemluftflasche leer – und dabei muss der mühsame Rückzug einberechnet werden, mit akribisch geführten Zeitkrontroll-Tabellen per abgerufenen Funkdaten. Vorschriftsmäßig bewegten sich mehrere Trägertrupps in der großen Holz-Scheune auf der Suche nach den „Vermissten“ nur auf dem Boden robbend. Um dabei Rauch zu simulieren, hatte man ihnen vorab ihre Masken-Sichtscheiben derart mit Folien zugeklebt, dass ihre Sicht wie in echten Fällen dadurch eingeschränkt war.

Dennoch fanden die geforderten Atemschutzkräfte zügig die zwei schweren Dummie-Puppen mit entsprechend menschlichen Körpergewicht. Nach weiteren Löscharbeiten bekamen die Einsatzkräfte schließlich das Kommando: „Wasser halt!“

Löschtrupp soll mehr Frauen-Power erhalten

Nachdem alle beteiligten Kräfte nach Übungsende ihre Ausrüstung samt vielen Schläuchen wieder eingepackt und ordentlich für nächste Einsätze verstaut hatten, saßen sie Stunden später stressfrei in der ausgeräumten Kippenheimer Fahrzeughalle noch beim obligatorischen Schnitzelessen zusammen. Kommandant Riegger zeigte sich dabei sehr zufrieden mit den abgelieferten, nahezu fehlerfreien Übungsleistungen. 62 Aktive zählt seine Kippenheimer Gesamtwehr derzeit, darunter allerdings „erst“ drei Frauen. „Das wollen wir aber noch verbessern“, kündigte er an.

Auch Bürgermeister Matthias Gutbrod spendete ein dickes Lob. Die Gemeinde sei mit ihrer Freiwilligen Feuerwehr nicht nur technisch bestens aufgestellt, sondern ein unverzichtbarer Garant für die Sicherheit aller Bürger. Auch die mittlerweile jahrzehntelange Zusammenarbeit mit der Mahlberger Wehr zur beidseitigen Erhöhung der Tagesverfügbarkeit habe sich längst bewährt. Erst kürzlich im April habe man, erwähnte dazu Riegger, die stets reibungslose Kooperation noch umfangreicher und zielgerichteter ergänzt – etwa mit einer aktualisierten Ausrückordnung. Dies bedeutet, dass künftig noch genauer festgelegt ist, welche Feuerwehrfahrzeuge bei welchen Alarmstichworten einheitlich ausrücken werden.

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