Buch eines Ettenheimer Fotografen
: 140 Bilder zeigen das harte Leben von Handwerken, die auf die Walz gehen

Holger Keifel aus Ettenheim bekam bereits viele Berühmtheiten vor die Kamera. In seinem neuen Werk widmet sich der Fotograf nun einer jahrhundertalten Tradition.
Von
Christopher Piskadlo
Ettenheim
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Holger Keifel hat ein neues Buch veröffentlicht, in dem er der Tradition der Walz eine besondere Bühne gibt. Unter dem Namen „Wanderschaft“ werden darin 140 Handwerker porträtiert.

Piskadlo

Junge Menschen in Arbeiterkluft, schwarzen Hüten und hölzernen Gehstöcken – alles, was sie besitzen, tragen sie am Körper. Die Rede ist von Wandergesellen. Das sind frisch ausgebildete Handwerker, die ihr Zuhause für mindestens drei Jahre und einen Tag verlassen, um durchs Land zu ziehen – und zu arbeiten. „Das ist nicht einfach“, erklärt Holger Keifel im Gespräch mit unserer Redaktion. In seinem neuen Buch „Wanderschaft“ hat der Ettenheimer Fotograf rund 140 solcher Handwerker porträtiert.

„Sie dürfen während ihrer Reise kein Handy mitnehmen und ihrem Heimatort nicht näher als 50 Kilometer kommen“, erklärt Keifel die harten Regeln für die Handwerker. Warum sie auf die Walz gehen? „Um frei zu sein“, weiß der Fotograf. Dabei sei die Bandbreite der Berufe sehr groß: „Vom Dachdecker zur Geigenbauerin bis hin zum Bäcker ist alles dabei.“ Und sie alle finden ihren Platz in Keifels Buch. So zeigt jede Seite einen anderen Menschen, erzählt eine andere Geschichte. Bei jedem Umblättern fragt man sich, welche Strapazen wohl jener Handwerker auf seiner Walz durchmachen musste, aber auch was er dadurch für sein weiteres Leben gelernt hat. Beantwortet werden dem Leser diese Fragen teilweise durch ein kurzes Zitat neben dem jeweiligen Porträtbild. „Jeder Wandergenosse durfte eine von 18 vorbereiteten Fragen beantworten“, erklärt Keifel.

Ein Anruf öffnet Keifel die Tür zu den Gesellen

Alle Antworten wurden so abgedruckt, wie sie ausgesprochen wurden – ein Anliegen des Fotografen. „Wandergesellen lassen sich nicht gerne ablichten. Das liegt daran, dass sie durch ihre Kluft schnell auffallen und auf ihrer Reise oftmals ungefragt fotografiert werden“, weiß Keifel und betont: „Vertrauen spielt eine große Rolle.“

Und wie hat er dieses Vertrauen gewonnen? „In Freiburg gibt es Kneipen, in denen oft Wandergesellen unterwegs sind. Bei einer habe er 2019 angerufen und nachgefragt. Zu meinem Glück waren zu diesem Zeitpunkt zwei vor Ort, die auch mit mir sprechen wollten. Sie waren von meiner Idee begeistert und ein paar Biere später war klar, dass sie mir bei meinem Vorhaben helfen möchten“, erklärt er.

Authentizität spielt eine wichtige Rolle

Während des Schaffungsprozesses sei ihm das Thema Authentizität sehr wichtig gewesen. „Ich habe die Bilder bei Tageslicht geschossen und habe alles natürlich gehalten.“ Wer Keifels Werke kennt, der weiß, dass er gerne mit Schwarz-Weiß-Effekten arbeitet. Bei „Wanderschaft“ habe er jedoch bewusst darauf verzichtet, da die Kluften sehr traditionell seien. „Wären die Bilder schwarz-weiß, könnten sie auch vor 50 Jahren geschossen worden sein. Ich möchte zeigen, dass sie noch unterwegs sind, dass es sie noch gibt.“

Doch warum widmet sich Keifel überhaupt diesem Thema? „Diese Art zu leben, kann ich ein bisschen nachvollziehen“, erklärt er. Ein Blick auf seinen Werdegang bestätigt das. Auch er wisse, wie es ist, alles zurückzulassen und neue Wege zu beschreiten. Nur mit Rucksack und Schlafsack sei er im Jahr 1986 mit dem Fahrrad unter anderem von Los Angeles nach Kanada gefahren. 1993 – sieben Jahre später – zog er dann nach New York, wo er heute noch wohnt. Nur einmal jährlich besuche er Freunde und Verwandte in der deutschen Heimat. „Man ist auf sich allein gestellt“, sieht er eine Parallele zu den Wandergesellen. „Sie müssen auf Leute zugehen und ins Gespräch kommen, um etwa einen Schlafplatz oder eine Arbeit zu finden. Dabei sammeln sie Lebenserfahrung, kommen aber auch in ihrem Beruf weiter“, weiß der Ettenheimer.

Auch zu Muhammad Ali hatte er Kontakt

Auch für ihn war der Umzug nach New York – quasi seine ganz persönliche Walz – eine Möglichkeit, in seiner Tätigkeit als Fotograf zu wachsen. Erst dadurch habe er weltbekannte Persönlichkeiten kennenlernen und fotografieren dürfen – darunter viele legendäre Kampfsportler wie Mike Tyson, Joe Frazier oder Vitali Klitschko. Auch mit Box-Ikone Muhammad Ali habe er Kontakt gehabt. „An diese Menschen kommt nach nicht von Ettenheim aus“, erklärt er augenzwinkernd. Sein Appell an junge Menschen lautet deshalb: „Einfach machen“ – so wie die Wandergesellen.

Info – Vorstellung im Rockcafe

Holger Keifel wird sein neues Buch „Wanderschaft“ am Mittwoch, 5. November, um 19.30 Uhr im Rockcafe Altdorf vorstellen. Das Buch hat rund 200 Seiten und kostet 36 Euro. Es kann direkt vor Ort gekauft werden. Weitere Infos zum Ettenheimer Fotografen und seine Werke gibt es im Internet unter www.holgerkeifel.com.

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