Brief an Abgeordnete
: Eltern beschweren sich über Kita-Gebühren in Lahr

Der Elternbeirat des Kindergartens Farbklecks in Hugsweier hat die Landtagsabgeordneten Marion Gentges und Sandra Boser um Hilfe gebeten.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Die Eltern in Lahr müssen in den nächsten Jahren immer mehr für die Betreuung ihrer Kinder in städtischen Kitas zahlen.(Symbolbild)

Thissen

Der offene Brief, den der Elternbeirat auch unserer Redaktion zur Verfügung gestellt hat, enthält deutliche Worte. Die Auswirkungen der höheren Kita-Gebühren auf Familien seien dramatisch, heißt es darin zum Beispiel. Und dass man sich nun „mit großer Sorge und wachsender Verzweiflung“ an die beiden Landtagsabgeordneten wende.

Hintergrund ist, dass der Lahrer Gemeinderat vor knapp einem Jahr die Kita-Gebühren angehoben hat. Demnach gingen sie im September 2025 um durchschnittlich 15 Prozent nach oben, bei Ganztagsplätzen um 20 Prozent. Eine weitere Erhöhung in dieser Größenordnung folgt zum September 2026. In den beiden kommenden Jahren steigen die Gebühren wiederum um je 20 Prozent.

Bei der Festsetzung der Gebühren habe man sich an umliegenden Gemeinden, Empfehlungen der Kommunalen Landesverbände und Kirchen sowie städtischen Gebührenkalkulationen orientiert, hieß es dazu aus der Verwaltung. Die Vertreter der Stadt betonten außerdem, dass finanzschwache Familien gesetzliche Förderansprüche haben.

Die Eltern rechnen vor, was sie die Betreuung kostet

In ihrem Brief verdeutlichen die Eltern dagegen, was die Gebührenerhöhung für sie bedeutet: Die Kosten für die Kinderbetreuung in Lahr würden von 2025 bis 2028 insgesamt um rund 107 Prozent steigen. Eine Familie mit zwei Kindern – ein U3-Kind und ein Ü3-Kind – müsse nach den neuen Gebühren künftig bereits rund 782 Euro pro Monat für Betreuung und Verpflegung bezahlen.

Nach den bereits beschlossenen weiteren Erhöhungen würden diese Kosten bis 2028 auf etwa 1126 Euro monatlich steigen, rechnen die Eltern vor. „Das entspricht über 12.386 Euro pro Jahr – allein für Kinderbetreuung. Für normale berufstätige Familien ist das nicht mehr tragbar.“

In Deutschland regelt jedes Bundesland die Kita-Gebühren selbst. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Bundesländer Maßnahmen ergriffen, um Familien finanziell zu entlasten. In Berlin etwa sind die Kitas seit 2018 für alle Kinder beitragsfrei. In Rheinland-Pfalz sind sie für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr gebührenfrei, in Brandenburg ab dem dritten – die Liste ließe sich fortsetzen. Dagegen gibt es in Baden-Württemberg keine landesweit verbindliche Regelung. In den vergangenen Jahren haben deshalb viele finanziell klamme Kommunen die Kita-Gebühren angehoben, Lahr bildet da keine Ausnahme.

Die Eltern der Kita Farbklecks nehmen das zum Anlass für kritische Fragen: „Wie kann es sein, dass Eltern im Sozialstaat Deutschland mit solchen Betreuungskosten konfrontiert werden? Wie kann es sein, dass andere Bundesländer die Eltern deutlich stärker entlasten oder die Betreuung sogar beitragsfrei anbieten – aber ausgerechnet Baden-Württemberg, eines der wirtschaftsstärksten und reichsten Bundesländer, dies nicht schafft?“

Diese Entwicklung führe dazu, dass immer mehr Eltern, vor allem Mütter, ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Berufstätigkeit ganz aufgeben, weil sich Arbeiten kaum noch für sie lohnt. Dadurch würden Frauen stärker finanziell vom Partner abhängig gemacht und ein deutlich höheres Risiko tragen, später in Altersarmut zu geraten, warnt der Elternbeirat in seinem Schreiben. „Es ist ehrlich gesagt zum Weinen“, heißt es in dem Brief.

Die Eltern appellieren an die Landtagsabgeordneten

Auch mit Blick auf die demografische Entwicklung sei diese Politik alarmierend. Deutschland habe derzeit die niedrigste Geburtenrate seit 1946. „Viele junge Familien erleben schon heute, dass Kinder zunehmend zu einer finanziellen Belastung werden, die kaum noch zu stemmen ist. Wer ernsthaft möchte, dass sich Menschen für Kinder entscheiden, darf Familien nicht mit immer höheren Betreuungskosten belasten“, so der offene Brief.

Ihnen sei bewusst, dass auch die Kommunen zunehmend unter enormem finanziellem Druck stehen und vielerorts kaum noch Handlungsspielraum hätten, schreiben die Eltern. „Wir möchten daher ausdrücklich betonen, dass wir die Verantwortung nicht allein bei der Stadt Lahr sehen.“ Vielmehr wollten sie das Land dringend darum bitten, „sich dieser Entwicklung anzunehmen und die Kommunen stärker zu entlasten – so wie es andere Bundesländer bereits erfolgreich vormachen“.

Dann wenden sich die Eltern direkt an Marion Gentges und Sandra Boser: „Setzen Sie sich auf Landesebene für die vollständige Abschaffung der Kita- und Krippengebühren in Baden-Württemberg ein. Sorgen Sie dafür, dass Kommunen und Träger bei den steigenden Betriebs- und Personalkosten deutlich stärker durch das Land unterstützt werden. Verhindern Sie, dass Familien immer weiter zur Finanzierung struktureller Probleme herangezogen werden.“

Frühkindliche Bildung müsste gebührenfrei sei, so wie Schule und Studium, fordern die Eltern aus Hugsweier. „Familienfreundliche Politik darf nicht nur aus Worten bestehen“, betonen sie. „Wer Gleichstellung fördern, Fachkräfte sichern und Familien stärken möchte, muss dafür sorgen, dass Kinderbetreuung bezahlbar bleibt.“

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