Jahres-Bilanz in Lahr vorgestellt: E-Werk-Chef fordert mehr Windenergie

Das E-Werk-Mittelbaden mit Sitz in der Lahrer Lotzbeckstraße hat eine Bilanz zum vergangenen Jahr gezogen.
KöhlerDas E-Werk mit Sitz in Lahr hat auf das vergangene Jahr zurückgeblickt. Der Konzernumsatz betrug rund 555 Millionen Euro, die Investitionen lagen bei 60 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss betrug rund 17 Millionen Euro.
Daneben wurde die weltweite politische Lage thematisiert. Vorstand Bernhard Palm betonte, dass man von geopolitischen Umwerfungen und technologischen Revolutionen nicht minder betroffen sei als andere Branchen. Würde etwa die Straße von Hormus geschlossen, würde dies eine kostenintensivere Stromerzeugung zur Folge haben. Lahrs OB Markus Ibert, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende beim E-Werk Mittelbaden ist, erklärte, man agiere in einen „komplizierten Umfeld“.
Ausbau von PV-Anlagen muss reduziert werden
Aus Palms Ausführungen zur Energiepolitik der neuen Bundesregierung war ein gewisser Optimismus herauszuhören: „Die zentrale Botschaft ist, dass wesentliche Leitplanken stehen geblieben sind.“ Dies führe zu mehr Planungssicherheit. Doch befinde sich die Energiewirtschaft in einem Transformationsprozess, weg von Öl und Gas. Das werde aber Dekaden dauern. Auch auf die Bezahlbarkeit kam Palm zu sprechen: „Deutschland war nie ein Billig-Energieland.“ Der Abstand zu anderen Ländern müsse wieder geringer werden – wird er auf absehbare Zeit aber wohl nicht.
Dementsprechend stellt auch Palm der neuen Regierung kein rundum positives Zeugnis aus. Bekanntlich werden Union und SPD die eigentlich versprochene Absenkung der Stromsteuer nicht umsetzen. Das bedauert Palm. Denn dies hätte etwa die Attraktivität der Wärmepumpe und der E-Mobilität gesteigert. Er hinterfragt, ob der Weg der Regierung der richtige Weg sei – zumal sie die Gasumlage abschaffen will.
Der Vorsitzende glaubt, dass Strom künftig eine zentrale Rolle zukommt: Aktuell habe dieser einen Anteil von 19 Prozent am Gesamtenergieverbrauch, für 2045 wird mit 45 Prozent gerechnet. Palm plädierte dafür, besonders in Süddeutschland Windenergieanlagen auszubauen. Es gelte, insgesamt an weniger, dafür aber an guten Standorten zu bauen.
2024 kam die Genehmigung für den Bau von fünf neuen Windkraftanlagen auf dem Nillkopf, dem Steigleskopf und der Prechtaler Schanze. Sie sollen Anfang 2026 den Betrieb aufnehmen. Man sei laufend dabei, sich weitere Standorte zu sichern, so Finanzvorstand Martin Wenz. Insgesamt spreche man von rund 30 Projekten für Windanlagen in den kommenden Jahren, rechnerisch reiche das, um rund 450 000 Menschen zu versorgen.
2027 soll Rechenzentrum in Lahr fertig sein
Dagegen müsse der Ausbau der PV-Anlagen deutlich reduziert werden, man bekomme extrem viele negative Strompreisstunden an der Börse, so Palm. 2024 habe man sich auch ausführlich mit Batteriespeichern auseinandergesetzt. „Wir sehen das als künftige Geschäftschance“, so Palm. In Lahr gebe es ein Pilotprojekt, um die Technologie zu testen. Bei negativen Strompreisen würde der Speicher vollgemacht und abends entleert.
Man sei stolz, erklärte Palm weiter, dass man durch die Beteiligung Kehls im vergangenen Jahr den kommunalen Anteil im E-Werk Mittelbaden erhöhen konnte. Zudem freut er sich, dass die Stadt Lahr inzwischen der größte Anteilseigener sei. „Die Energiewende findet regional und kommunal statt, im Austausch mit den Kommunen.“ Zudem wurde 2024 mit der Stadt Lahr und der Badenova-Wärmeplus eine Absichtserklärung über die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft abgeschlossen. Ziel ist es, Lahr bis 2040 klimaneutral zu machen.
2024 wurden im Netz mehr als 150 Kilometer Leitungen sowie 67 Netzstationen ausgebaut. Auch auf die Tarikundenentwicklung kam Palm auf der Bilanz zu sprechen: „Die Kunden in der Region halten uns die Stange“ Das sei nicht selbstverständlich, wenn man sich bundesweit umschaue. 2024 habe man einen Nettozuwachs von etwas mehr als 2000 Kunden gehabt.
Doch gibt es auch Misstöne: „Man sieht, dass die Wirtschaft nicht ganz so gut läuft“, sagte Wenz in Bezug auf den Stromabsatz. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres war der Absatz an die Industriekunden rückläufig. Der Trend setze sich seit 2023 fort.
Wichtig seien IT und Sicherheit, so Palm. Das Rechenzentrum in Appenweier sei bis Mitte vergangenen Jahres gut gefüllt gewesen, seit Herbst sei es ausgebucht. In Lahr habe man mit Erdarbeiten für ein neues Rechenzentrum in Lahr begonnen, 2027 soll es fertig sein. „Es gibt ein großes Interesse“, berichtete Palm.
Mitarbeiter-Rekord
Das E-Werk Mittelbaden beschäftigt aktuell rund 500 Mitarbeiter. Zudem hat das E-Werk aktuell 51 Azubis. Beide Zahlen sind für das Unternehmen ein neuer Rekord.
