Betreiber haben alle Hände voll zu tun: In Lahrs größter Postfiliale herrscht Hochbetrieb

Shirin und Farhad Khalat führen die Postfiliale am Schlossplatz.
Schabel- Nach Schließung der Postbank im Nestler-Carrée ist die Filiale am Schlossplatz Hauptanlaufstelle.
- Farhad und Shirin Khalat erweiterten Fläche, Personal und Öffnungszeiten auf 8 bis 19 Uhr, sechs Tage.
- Paketaufkommen mehr als verdoppelt – täglich 3 bis 4 Rollcontainer an, 4 bis 5 gehen raus.
- Konflikte wegen Ausweiskontrollen häufen sich, dennoch berichten sie von vielen freundlichen Kunden.
- Betreiber fordern Kurzzeit-Halteoption und Briefkasten; Stadt verweist auf Lieferzeiten und Genehmigungen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Donnerstagmittag in der Post-Filiale am Schlossplatz: Der Laden brummt, vor den Kassen und Schaltern stehen mehrere Menschen an, die Tabakprodukte, Zeitschriften oder Schreibwaren kaufen oder ein Paket aufgeben wollen. So belebt ist es hier fast zu jeder Tageszeit. Denn seit der Schließung der Postbank-Filiale im Nestler-Carrée Mitte Januar ist der Laden am Schlossplatz die wichtigste und zentralste Anlaufstelle für Postkunden in Lahr. Entsprechend geht’s hier häufig zu wie in einem Bienenstock.
Für die Betreiber, Farhad und Shirin Khalat, bedeutete das eine große Umstellung. Das Ehepaar hatte ab 2023 an dem Standort eine kleine Post-Filiale auf ganzen 15 Quadratmetern geführt, ehe die DHL den beiden anbot, künftig praktisch die Hauptpost in Lahr betreiben zu können – unter der Voraussetzung, dass sie sich räumlich vergrößern. Sie gingen darauf ein, ließen in dem Gebäude Wände einreißen und Umbauten vornehmen. Ihr Betrieb umfasst so mittlerweile auch einen Bereich, in dem früher ein Friseursalon betrieben wurde.
Auch sonst hat sich vieles verändert: Die Eheleute haben ihr Personal aufgestockt (von drei auf fünf) und ihre Öffnungszeiten erweitert. Ihre Filiale ist nun an sechs Tagen in der Woche durchgehend von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Wenn andere Postabgeabestellen in der Stadt längst geschlossen sind, sind sie noch für die Kunden da. Für die Betreiber bedeutet das in erster Linie mehr Arbeit.Sie seien praktisch während der gesamten Öffnungszeiten im Laden präsent, nur kurze Mittagspausen seien für sie drin, erzählt das Ehepaar bei einem Gespräch.
Identitätsprüfungen sorgen für Ärger
„Aber wir bereuen es nicht, das Angebot der Post angenommen zu haben“, sagt Shirin Khalat. Ihr Mann und sie seien es gewohnt, sich im Beruf anzustrengen. Bevor sie die Filiale übernahmen, habe er im Schichtbetrieb im DHL-Paketzentrum am Lahrer Flughafen gearbeitet, während sie gelernte Restaurantfachfrau sei, eine Tätigkeit, in der man belastbar sein und gut mit Menschen umgehen können müsse. Der Geschäftsführerin ist anzumerken, dass sie über diese Fähigkeit verfügt, sie besitzt ein offenes, freundliches Wesen. Aber das braucht sie in diesem Job auch.

Das Personal – hier Raffaela Schwermer-Nicolino – nimmt eine Vielzahl von Paketen entgegen.
SchabelImmer wieder komme es zu Reibereien mit Kunden, die ein Paket abholen wollten, dabei aber kein Ausweisdokument vorzeigen könnten, erzählt sie. Die Identitätsprüfung sei nun aber mal gesetzlich vorgeschrieben: Wer ein Paket ausgehändigt haben wolle, müsse einen Personalausweis vorlegen; der Führerschein oder die Krankenkassenkarte würden ebenfalls akzeptiert. Ausnahmen könne man natürlich nicht machen. Manche Kunden wollten das nicht einsehen und würden ihr Personal oder sie selbst dann beschimpfen oder gar beleidigen, sagt sie. Das passiere leider mehrfach täglich.
Macht der Beruf so noch Spaß? „Ja“, betont Shirin Khalat, „denn auf einen unfreundlichen Gast kommen 20 freundliche“. Zu den Stammkunden habe man ein gutes Verhältnis. Aber man biete auch einen sehr guten Service, helfe älteren Menschen zum Beispiel beim Falten eines DHL-Normpakets oder mit dem Ausfüllen des Adressfeldes darauf.
Dabei haben die Betreiber und ihre Angestellten auch so schon alle Hände voll zu tun. Sie übernehmen umfassende Postdienstleistungen (Briefe, Pakete, Express, Retouren) sowie Zusatzsortimente. Allein das Paketaufkommen habe sich seit Januar mehr als verdoppelt, erzählt Farhad Khalat. Mittlerweile erhalte man täglich drei bis vier Rollcontainer, beladen mit jeweils bis zu 200 Paketen, die im Lager im hinteren Gebäudebereich einsortiert und später dann vorne an Abholer ausgegeben würden. Die Pakete, die täglich in der Filiale abgegeben würden, füllten ihrerseits vier bis fünf Rollcontainer. „Alles eine Frage der Organisation“, so Farhad Khalat, der Inhaber der Filiale.
Die fehlenden Arbeitsplätze sind ein Problem
Die Arbeit hat zugenommen, der Stress ebenfalls – direkt wirtschaftlich gelohnt habe sich der Aufstieg zur zentralen Poststelle in Lahr aber nicht, sagen die Eheleute. Vom Postbetrieb allein könne ihr Laden nicht leben. Er sei aber der Frequenzbringer für ihre anderen Waren oder Dienstleistungen – Tabakprodukte in großer Auswahl, Zeitschriften, Süßwaren, Getränke, Toto-Lotto-Service, Kopierservice sowie Finanztransfers unter anderem über Western Union.
Shirin (31) und Farhad Khalat (39) haben beide kurdische Wurzeln und stammen aus dem Nordirak. Sie lebt in Deutschland, seit sie sechs Monate alt ist, er kam als junger Mann. Kennengelernt haben sie sich in Lahr. Die beiden sind froh, die berufliche Entscheidung getroffen zu haben, die zentrale Post in Lahr zu führen. Denn alles in allem stehe ihr Geschäft auf gesunden Beinen.
Wunschlos glücklich mit der aktuellen Situation dort sind sie aber nicht, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion betonen. Von Kunden mit Abholschein für ein Paket, aber ohne Ausweisdokument wollen sie mehr Respekt für ihre Arbeit und Akzeptanz für die gesetzlichen Vorgaben. Aber auch von der Stadtverwaltung wünschen sie sich mehr Verständnis. Ein großes Problem seien nämlich die fehlenden Parkplätze. Kunden müssten teils schwere Pakete mit bis zu 30 Kilo Gewicht anschleppen oder abholen.
Die deutsche Post habe deshalb bei der Stadt beantragt, eine Lösung für Kurzparker zu schaffen. „Der Anträge wurde abgelehnt“, sagt Shirin Khalat. Dass der Schlossplatz nicht wegen ihres Ladens wieder zum Parkplatz gemacht werde, sei ihr klar, so die Geschäftsführerin. Aber ihren Kunden sollte doch die Möglichkeit eröffnet werden, an dem Eckgebäude zumindest kurz seitlich halten zu können, wünscht sie sich. Stattdessen hätten Kunden, die mit dem Auto kamen, aber bereits Strafzettel vom KOD kassiert. Auch ihr selbst sei mal ein Knöllchen ausgestellt worden, als sie Waren für ihren Shop mit dem Auto anlieferte – obwohl sie das dafür vorgesehene Zeitfenster für Ladeninhaber in der Innenstadt eingehalten habe.
Kunden vermissen einen Briefkasten
Der zweite große Wunsch der Khalats betrifft einen Briefkasten – ihr Laden hat nämlich keinen, zu ihrem großen Bedauern. Aber es sollte doch möglich sein, an der Hauptstelle der Post in einer Stadt mit mehr als 50 000 Einwohnern einen Brief einzuwerfen, betonen sie. Zahlreiche Kunden hätten diesen Wunsch bereits geäußert. In diesem Punkt hat die Stadtverwaltung Entgegenkommen signalisiert.
Die beiden haben alles getan, was sie selbst in der Hand haben, um mit ihrem Laden die Voraussetzungen einer Hauptpost zu erfüllen – so sehen sie es. „Wir geben jeden Tag unser Bestes, auch wenn die Belastung immer größer wird“, betonen sie. Aber auch die Infrastruktur drumherum, die sie selbst nicht beeinflussen könnten, müsse an die gestiegenen Anforderungen angepasst werden, betonen sie. Zumal die vielen Postkunden ja auch zur Belebung der Innenstadt beitragen würden. Jedoch: „Wir fühlen uns mit diesen Herausforderungen allein gelassen.“
Das sagt die Stadt
Parkplätze vor oder neben der Poststelle wird es nicht geben, das verdeutlicht die Stadt auf Nachfrage. Das Geschäft befinde sich in einer Fußgängerzone, die Anfahrt sei während der Lieferverkehrszeiten montags bis samstags von 6 bis 11 Uhr für alle Verkehrsteilnehmer mit einem berechtigten Anliegen möglich. „Darunter zählt unter anderem auch das Verladen schwerer Pakete“.
Außerhalb der Lieferverkehrszeiten sei die Anfahrt lediglich mit einer Ausnahmegenehmigung zulässig. Diese könne der Betreiber der Postfiliale grundsätzlich beim Bürgerbüro beantragen. „Für Kunden ist das leider nicht möglich, da sonst die Verkehrszunahme in der Fußgängerzone erheblich ansteigen würde“, so die Stadt. Sollten den Ladenbetreibern Strafzettel ausgestellt worden sein, obwohl eine Ausnahmegenehmigung vorliegt, könne dies bei der Bußgeldstelle im Rahmen der Anhörung vorgebracht werden. Das Verfahren werde dann eingestellt, heißt es aus dem Rathaus.
Zum Thema Briefasten hat die Stadt zu sagen, dass der regulär bei der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung beantragt werden kann. „Sofern sich im Prüfverfahren keine wichtigen Ablehnungsgründe ergeben, steht einer Genehmigung nichts entgegen.“