Belastung durch den Flugplatz Lahr: Das bedeutet die Verunreinigung durch die Chemikalien PFAS für Kürzell

Trinkwasser kann ohne Bedenken verwendet werden.
Pleul/Die Quelle der Verunreinigung ist der Flugplatz Lahr, genauer gesagt dessen ehemaliges Feuerwehrgebäude. Bei Untersuchungen im Rahmen der Altlasten-Sanierungsplanung habe man in diesem Bereich eine erhöhte Konzentration von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, kurz PFAS, entdeckt, teilt Jürgen Mair, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft und Bodenschutz des Ortenaukreises, in der Kürzeller Ortschaftsratssitzung mit. Grund dafür ist Feuerwehrschaum, in dem PFAS enthalten sind.
Man habe festgestellt, dass die Belastung des Grundwassers sich bis in den östlichen Teil von Kürzell erstreckt. Das Landratsamt kann jedoch Entwarnung geben: „Das Trinkwasser ist nicht gefährdet“, betont Uwe Mangold vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz beim Landratsamt.
Mair ging auf die Vorteile von PFAS für die Industrie aufgrund ihrer Langlebigkeit ein. Dies sei aber gleichzeitig auch ein Nachteil, da sie kaum abbaubar sind und als „Ewigkeitschemikalie“ gelten. Einige der Stoffe seien gesundheitsschädigend und stehen im Verdacht, Krebs auszulösen.
Die Tiefbrunnen sind nicht betroffen
Die Bodenuntersuchungen in Kürzell haben gezeigt, dass die Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung nicht überschritten worden sind. Die Tiefbrunnen liegen außerhalb des belasteten Bereichs, so Mair. „Private Brunnen zur Gartenbewässerung sollen jedoch vorsorglich nicht mehr genutzt werden“, empfiehlt Mair. Stattdessen solle man auf Leitungswasser oder Regenwasser zurückgreifen.
Ingrid Rieth-Jäger (Pro M + K) wollte wissen, warum genau jetzt untersucht wurde und warum es „so lange gedauert hat“.
Gefahr von PFAS erst seit einigen Jahren bekannt
Im Rahmen der Altlasten-Sanierungsplanung habe man auch über PFAS diskutiert, dessen Gefährlichkeit erst vor einigen Jahren bekannt wurde, erklärte Mair. Die Überzeugung der Bundesbehörde habe Zeit gebraucht. Für weitere Untersuchungen von PFAS-Belastung müsse man auch finanziell auf Unterstützung hoffen.
Sven Kirner (FL) hakte nach, ob die Belastung in Kürzell schon höher gewesen sei. „Die zweite Probenahme zur Feststellung soll noch gemacht werden“, so Mair. Dazu müsse man sich mit der Bundesstelle absprechen. Zudem bestätigt der Fachmann, dass der Boden frei von Altlast sei und verwertet werden könne.
Robert Althauser (FW) wollte wissen, ob man den eigenen Brunnen auf PFAS untersuchen lassen könne. „Derzeit kann man für 50 Euro den Gehalt von Mangan feststellen, die Analyse auf PFAS ist deutlich teurer“, erklärte Mair. Die Entsorgung von kontaminiertem Boden gestalte sich schwierig, gestand Mangold auf Nachfrage von Rieth-Jäger. Es gebe kaum Deponien, die den belasteten Stoff annehmen.
Schröder spricht sich für weiteren Infoabend aus
Bürgermeister Alexander Schröder „möchte die Vertreter des Landratsamt in Schutz nehmen, die die schlechte Nachricht überbringen“. Sie haben sich für eine Untersuchung von PFAS stark gemacht und wollen weiterhelfen. Schröder sei dafür, eine weitere Veranstaltung zu organisieren, um die Bevölkerung zu informieren. „Wir wissen nicht, ob es besser wird oder nicht“, so der Bürgermeister. Untersuchung werden jedenfalls wichtig bleiben genau wie Informationen „mit Fachverstand und Ruhe“.
Was sind PFAS?
PFAS sind eine große Gruppe von synthetischen Chemikalien, die weit verbreitet sind – unter anderem in Industrien und im Haushalt (Feuerlöscher, Kleidung, Kosmetik). Die Stoffgruppe umfasst Schätzungen zufolge mehr als 10 000 verschiedene Chemikalien – von denen viele hochgiftig sind, wie das Umweltbundesamt mitteilt. Sie können das Grundwasser und Böden verunreinigen, wie es auf dem Flugplatz und im östlichen Teil von Kürzell passiert ist. Die Reinigung der verschmutzten Orte ist schwierig und teuer.