Bei Fensterhersteller Hewe: Lahrer Unternehmer tauschen sich über aktuelle Wirtschaftslage aus

Prokurist Patrick Steiniger (rechts) führte eine Besuchergruppe durch die Werkshallen von Hewe in Lahr.
HugBeim 46. Unternehmertreffen der städtischen Wirtschaftsförderung standen die Produktionshallen der Hewe Glas- und Metallbau in der Lahrer Archimdesstraße im Mittelpunkt. Zahlreiche Unternehmer aus der Region nutzten die Veranstaltung zum Austausch über wirtschaftliche Herausforderungen, kommunale Zukunftsprojekte und die Entwicklung des Lahrer Familienunternehmens.
Oberbürgermeister Markus Ibert bezeichnete Hewe in seiner Begrüßung als eine der bedeutenden Säulen des Wirtschaftsstandorts Lahr. Das Unternehmen habe sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt und gehöre inzwischen zu den größten Fensterherstellern Süddeutschlands.
Ibert verweist auch auf Zustand der Innenstadt
Gleichzeitig machte Ibert deutlich, dass sich viele Betriebe derzeit in einem schwierigen Umfeld bewegen. Geopolitische Krisen wie der Krieg in der Ukraine, Exportrückgänge, Wettbewerbsdruck aus China und ein angespannter Arbeitsmarkt belasteten die Wirtschaft. Auch die erhoffte Frühjahrsbelebung sei bislang ausgeblieben. Hinzu kämen hohe Energiepreise sowie steigende Lohn- und Lohnnebenkosten. „Neue Herausforderungen brauchen kreative Lösungen“, sagte Ibert. Dafür brauche es eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft.
Auch kommunale Themen sprach der Oberbürgermeister an. Die Bahnbrücke in der Rheinstraße sei statisch stark angeschlagen und aktuell nur noch für Fahrzeuge bis maximal 16 Tonnen freigegeben. Bis eine neue Brücke gebaut werden könne, werde es voraussichtlich noch etwa vier Jahre dauern (wir berichteten mehrfach).
Mit Blick auf die Innenstadt verwies Ibert auf zunehmende Leerstände und verändertes Einkaufsverhalten. Projekte wie das „Innovation Lab“ oder die „Jobsafari“ sollen helfen, Wirtschaft und Nachwuchskräfte stärker zu vernetzen.
Nächstes Jahr feiert Hewe sein 40-jähriges Bestehen
Zudem informierte Oberbürgermeister Ibert vor Ort über die Entwicklung des Flughafenareals, auf dem sich erste Investoren voraussichtlich ab 2028 ansiedeln könnten. Auch beim geplanten Neubau des Klinikums seien die Weichen gestellt, der Baubeginn sei für 2027 vorgesehen, betonte Ibert.
Im Anschluss blickte dann Hewe-Geschäftsführer Markus Beck auf die Entwicklung des Familienunternehmens zurück. Im kommenden Jahr feiert Hewe sein 40-jähriges Bestehen. Angefangen habe alles vor 39 Jahren in der Gottlieb-Daimler-Straße mit rund 20 Mitarbeitern, zeichnete Beck nach. Sein Vater habe bereits früh erkannt, dass moderne Technik und qualifizierte Mitarbeiter entscheidend für den Erfolg seien.
2016 entstand der heutige große Standort in Lahr. Ein wichtiger Schritt war zudem die Übernahme der Firma Vetter aus Endingen im Jahr 2020. Dadurch erweiterte Hewe sein Angebot um Stahl-Glas-Konstruktionen und stärkte insbesondere den Bereich Denkmalschutz. Projekte in Kirchen oder Arbeiten am Bahnhof Stuttgart seien dadurch möglich geworden.
Vor drei Jahren investierte Hewe erneut kräftig in den Standort Lahr und vergrößerte die Produktionsflächen deutlich. Trotz der derzeit schwierigen Konjunktur sei die Auslastung weiterhin gut, so Beck. Wachstumspotenzial sieht das Unternehmen insbesondere in Bereichen wie Brandschutz, Gebäudesicherheit und modernen Tür- und Fenstersystemen. Aluminium spiele dabei auch unter Nachhaltigkeitsaspekten eine wichtige Rolle, da es zu 99 Prozent recycelt werden könne.
Der Fensterbau bleibt stark handwerklich geprägt
Aktuell beschäftigt Hewe insgesamt 146 Mitarbeiter. Auf Leiharbeiter verzichtet das Unternehmen inzwischen aus wirtschaftlichen Gründen. Beim Rundgang durch die Werkshallen erklärte Prokurist Patrick Steininger die modernen Produktionsabläufe. Viele Prozesse seien digitalisiert, gleichzeitig bleibe das Geschäft stark handwerklich geprägt, da nahezu jedes Fenster individuell gefertigt werde.
Metallbauer zu finden, sei schwierig, berichtete Steininger. Kunden kommen überwiegend aus Deutschland und meist aus einem Umkreis von rund 350 Kilometern um Lahr. Projekte führte Hewe aber auch bereits in der Schweiz, in England oder zuletzt in Cannes aus. Technisch würden Türen und Fenster immer anspruchsvoller – etwa durch Fingerscanner oder integrierte Rauchmelder. Künstliche Intelligenz spiele bei Hewe bislang allerdings noch keine größere Rolle.
Wirtschaftsförderung
Die Wirtschaftsförderung der Stadt Lahr lädt regelmäßig Unternehmer und Vertreter der wirtschaftsnahen Institutionen zu Treffen in Lahrer Unternehmen ein. Ziel ist der Austausch zwischen Wirtschaft und Stadtverwaltung sowie die Diskussion aktueller Entwicklungen und gemeinsamer Projekte, heißt es auf der Homepage der Stadt Lahr.