Austausch mit Gästen
: SPD-Politiker diskutieren in Lahr über die Zukunft der Bundeswehr

Mit rund 20 Besuchern diskutierten die Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner und Esra Limbacher in Reichenbach über allerlei Aspekte rund um  Bundeswehr und Reservistenverband. Unter anderem wurde die hohe Bürokratisierung kritisiert.
Von
Thorsten Mühl
Lahr
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Die SPD-Politiker Esra Limbacher  (rechts) und Johannes Fechner tauschten sich im Gasthaus Linde in Reichenbach  mit den rund 20  Gästen aus.

Die SPD-Politiker Esra Limbacher (rechts) und Johannes Fechner tauschten sich im Gasthaus Linde in Reichenbach mit den rund 20 Gästen aus.

Mühl
  • SPD-Abgeordnete Fechner und Limbacher diskutierten in Reichenbach über Bundeswehr.
  • Limbacher: Bundeswehr soll alle gesellschaftlichen Gruppen abbilden – Demokratie müsse sich schützen.
  • Ziel bis 2035: 400.000 Personal, davon 200.000 Reservisten; heute Planung mit 60.000.
  • Kritik aus dem Publikum: zu viel Bürokratie, veraltete Ausbildung, falsche Nutzung von Potenzialen.
  • Pistorius’ Stopp beim F126-Projekt verteidigt: Entscheidung sei richtig, wenn auch schmerzlich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Johannes Fechner und Esra Limbacher debattierten im Gasthaus Linde unter anderem über Fragen und Konsequenzen zur künftigen Aufstellung von Bundeswehr und Reservistenverband angesichts einer sich erheblich verändernden internationalen Sicherheitslage. Limbacher amtiert seit diesem Jahr als Vizepräsident des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr.

Der 90-minütige offizielle Teil wurde von Vertretern der Kreisgruppe Baden-Südwest und der Reservistenkameradschaft Lahr eingeleitet. In seinem Referat betonte Esra Limbacher anschließend, dass eine Bundeswehr nur stark sein könne, wenn alle gesellschaftlichen Gruppen in ihr vertreten seien. „Eine moderne Demokratie muss sich selbst verteidigen können“, lautet seine Überzeugung. Bis 2035 solle der Personalbestand auf 400.000 erhöht werden, darunter 200.000 Reservisten. Heute werde mit 60.000 Reservisten geplant. „Wir stehen beim Thema vor einer Riesenherausforderung“, bekannte Limbacher.

Vor allem gelte es, die Rolle der Reservisten neu zu definieren, was beispielsweise in Form des Reservisten-Stärkungs-Gesetzes vorgesehen sei. In den USA seien Reservisten etwa als elementarer Bestandteil in der Armee integriert.

Gäste liefern den Politikern wichtige Anregungen

Limbacher sprach sich dafür aus, Reservisten beispielsweise an Übungen teilnehmen zu lassen, um für einen Ernstfall vorbereitet zu sein. „Wir können es uns nicht erlauben, so weiterzumachen wie bisher. Um uns herum verändert sich die Sicherheitslage allerorten, einst verlässliche Verbündete Europas sind nicht mehr da“, so Limbacher.

In der folgenden Diskussion lieferten die Anwesenden den beiden Politikern wichtige Anregungen. Themen wurden dabei eifrig, aber sachlich diskutiert. Unter anderem kam die Frage nach Unterbringung und Finanzierung bei Aufstockung des Personals auf. Limbacher sagte, das neue Gesetz formuliere Aspekte neu, so auch die Rolle des Reservistenverbands. „Wir werden damit in den kommenden Jahren einen Bewusstseins-Wechsel erleben“, zeigte er sich in Reichenbach überzeugt.

Auch die Ausbildung nach alten Standards und der hohe bürokratische Aufwand wurde aus den Besucherreihen kritisiert. Ein Teilnehmer, selbst bei den Marinefliegern mit guten Erfahrungen ausgestattet, kritisierte die deutsche Mentalität. „Anderswo werden Potenziale analysiert und Kandidaten entsprechend der Stärken eingesetzt. Das ist ein deutsches Problem, es nicht so zu handhaben.“ Das Problem sei erkannt, die Einstellung werde sich in Zukunft ändern, zeigte sich Limbacher hier zuversichtlich.

Limbacher verteidigt Entscheidung von Pistorius

Ein anderer Zuhörer favorisierte derweil , dass Kameraden länger dienen und üben sollten, wenn sie wollten und könnten. Esra Limbacher sagte dazu: „Unser Ziel ist nicht, neue Alte für den Dienst zu bekommen. Aber Kameraden sollten generell länger dabei sein dürfen.“ Er spüre Bereitschaft bei diesem Thema.

Die Frage, ob es vorgesehen sei, mehr Dienststellen im Bereich der Unteroffiziere zu schaffen, verneinte der Verbands-Vizepräsident. Mit einer konkreten politischen Frage wurde Limbacher ebenfalls noch konfrontiert. Bekanntlich beendete Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius den Kauf mehrerer bereits bestellter Fregatten (F126-Projekt) nach massiven Verzögerungen. Bereits 2,3 Milliarden Euro an Steuergeldern waren ins Projekt geflossen. Zur Frage danach sagte Limbacher deutlich: „Es war richtig, so zu handeln, wenngleich schmerzlich. Pistorius macht sich daran, in diesem Dickicht aufzuräumen.“

Der Verband

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr wurde 1960 in Bonn gegründet. Die rund 110.000 Mitglieder fungieren ehrenamtlich als Mittler für Belange der Streitkräfte in der Gesellschaft. Der Verband ist die größte Vereinigung ehemaliger Soldaten der Bundeswehr. Außerhalb der Bundeswehr sorgt der Verband als besonders beauftragter Träger der Reservistenarbeit für lebenslange Betreuung, Ausbildung und Information aller Reservisten und von Ungedienten.

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