Aktion in Lahr zum Grundgesetz
: Das Briefgeheimnis künstlerisch interpretiert

In der Lahrer Innenstadt präsentiert der Verein L’ Art pour Lahr 16 künstlerische Interpretationen der wichtigsten Artikel des Grundgesetzes. Annette Birnbaum illustrierte das Post- und Briefgeheimnis, während Felix Grundhöfer eine Zeichnung über die räumliche Privatsphäre angefertigt hat.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Das Briefgeheimnis in der künstlerischen Darstellung von Annette Birnbaum

Das Briefgeheimnis in der künstlerischen Darstellung von Annette Birnbaum

Birnbaum
  • In Lahr zeigen 16 Künstler in der Innenstadt Interpretationen zum Grundgesetz.
  • Annette Birnbaum visualisiert Artikel 10: Schutz von Brief, Post und Fernmeldegeheimnis.
  • Ihre Collage nutzt Gelb und Rot als Warnsignal, zwei Reißverschlüsse sollen zum Nachdenken anregen.
  • Felix Grundhöfer interpretiert Artikel 13 zum Schutz der Wohnung im typischen Comic-Stil.
  • Plakate bis 15. August, Originale vom 18. bis 29. August in der Galerie L’Art pour Lahr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Stelen in der Innenstadt zeigen zurzeit 16 Künstler ihre Interpretationen von Artikeln des Grundgesetzes. Wo sonst Ankündigungen für Kulturveranstaltungen hängen, lassen sich nun ihre Werke betrachten. Auf einem der Plakate ist der Beitrag von Annette Birnbaum zu sehen.

Die Lahrerin hat Grundgesetz-Artikel 10 künstlerisch interpretiert, der das Briefgeheimnis, das Postgeheimnis und das Fernmeldegeheimnis betont. Ohne diesen Schutz gäbe es keine Garantie für freie Meinungsäußerung in Briefen oder digitalen Nachrichten. Denn die Menschen müssen sich untereinander austauschen können, ohne Angst zu haben, ausspioniert zu werden, sei es vom Staat oder von fremden Dritten.

„Niemand darf den Inhalt eines Briefes ohne Erlaubnis des Absenders oder Empfängers lesen. Das Briefgeheimnis dient dem Schutz der Privatsphäre und der freien Kommunikation der Menschen“, betont Birnbaum.

Die Farben haben eine besondere Bedeutung

Für die Grundgesetz-Aktion des Kunstvereins hat die Lahrerin eine Materialcollage geschaffen, die einen Briefumschlag zeigt. Zur Hälfte ist er gelb – die Farbe der deutschen Post. Daneben setzt sie ein intensives Rot ein – die Signalfarbe von Verkehrsschildern, die eine Warnung aussprechen. Rote Stoppschilder besagen etwa, dass man vollständig anhalten muss. Entsprechend soll auch Artikel 10 des Grundgesetzes Versuchen, in fremder Leute Nachrichten herumzuschnüffeln, ein Ende setzen.Vervollständigt wird Birnbaums symbolischer Briefumschlag von zwei Reißverschlüssen, die eigentlich nicht zum Motiv passen – und gerade deshalb den Betrachter zum Nachdenken anregen sollen.

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Annette Birnbaums Vater war selbständiger Malermeister, sie ist deshalb bereits sehr früh mit dem Medium Farbe in Berührung gekommen. Sie selbst ist gelernte Vermessungstechnikerin, aber schon seit vielen Jahren als Künstlerin aktiv. Von 2012 bis 2018 hat sie an der Akademie für Bildende Kunst Lahr studiert. Seit 2007 setzt sie sich intensiv mit Enkaustik – dem Malen mit pigmentiertem Heißwachs – auseinander. Sie arbeitet vorwiegend mit quadratischen Formaten, abstrakt, geometrisch oder auch in Form von Collagen.

Felix Grundhöfers Arbeit zum Schutz der Wohnung

Felix Grundhöfers Arbeit zum Schutz der Wohnung

Grundhöfer

Artikel 13 des Grundgesetzes regelt die Unverletzlichkeit der Wohnung, ein fundamentales Freiheitsrecht. Es gewährt jedem Menschen einen elementaren Rückzugsort, in den der Staat nur unter strengen Voraussetzungen wie bei richterlichen Durchsuchungsbeschlüssen oder im Fall von Gefahr im Verzug eingreifen darf. Neben Privatwohnungen sind auch Hotelzimmer, Wohnmobile, Zelte sowie Geschäfts- und Arbeitsräume vor allgemeiner Zugänglichkeit geschützt.

Grundhöfer wählt den für ihn typischen Comic-Stil

Als er gesehen habe, dass noch kein anderer der an der Aktion beteiligten Künstler Artikel 13 genommen hatte, habe er sich spontan dafür entschieden, sagt Felix Grundhöfer bei einem Gespräch mit unserer Redaktion. „Es war meine erste Wahl.“ Auch die zündende Idee für die Zeichnung in dem für ihn typischen Comic-Stil – ein Schneckenhaus ganz besonderer Art – sei ihm sehr schnell gekommen.

Grundhöfer ist gebürtiger Lahrer. Nach dem Abi am Scheffel-Gymnasium studierte er Architektur in Karlsruhe, danach arbeitete er 14 Jahre als angestellter Architekt in Brig in der Schweiz. 2022 habe er sich dann für ein Leben als freischaffender Künstler entschieden, erzählt der heute 44-Jährige, der Ende 2023 wieder nach Lahr zurückgekehrt ist.

Das zentrale Element seines Schaffens ist die von ihm erfundene, fiktive Comic-Traumwelt rund um die futuristische Wolkenstadt „Kla-ud-ta-un“. Seine Werke spiegeln dabei oft gesellschaftliche Probleme, Utopien und Dystopien wieder – verpackt mit viel schwarzem Humor und skurrilen Charakteren. So regen sie zum Nachdenken, teils auch zum Schmunzeln an.

Seine Interpretation von Artikel 13 passt gut in diese besondere künstlerische Welt. Kenner seines Werks werden in dem Wolkenkratzer auf dem von ihm gezeichneten Schneckenhaus den Architektur-Stil seiner Wolkenstadt wiedererkennen. Dazu ist dann noch das bekannte Sprichwort „My home is my castle“ zu lesen, zu Deutsch „Mein Haus ist meine Burg“. Es bedeutet, dass ein Haus oder auch eine Wohnung ein Ort der Zuflucht ist, ein sicherer Hort –­ und gibt damit perfekt den Inhalt von Grundgesetz-Artikel 13 wieder.

Und wie hält Grundhöfer selbst es mit räumlicher Privatsphäre? Ist er einer, der sich gern in den eigenen vier Wänden „vergräbt“? „Früher mehr als heute“, erwidert er. Gleichwohl sei die eigene Wohnung für jeden Menschen „heilig“ – natürlich auch für ihn. Das sei einer der Gründe gewesen, weshalb er ausgerechnet diesen Grundgesetz-Artikel zeichnerisch interpretieren wollte.

Vereinsgalerie zeigt Originale

Die Kulturstelen mit Plakaten zu Grundrechten sind noch bis zum 15. August in der Innenstadt zu sehen. Danach werden die Originale vom 18. bis 29. August in der Galerie von L’Art pour Lahr in der Obertorstraße 4 gezeigt. Initiatoren sind der Lahrer Schriftsteller Michael Paul und der Verein L’art pour Lahr, unterstützt vom Kulturamt und dem Forum Demokratie Lahr. Bei geführten Rundgängen durch die Stadt erklären Künstler und Projektbeteiligte die Idee hinter den Werken. Es gibt noch zwei Führungen; sie starten an den beiden Samstagen, 8. und 15. August, jeweils um 11 Uhr vor der Galerie von L’Art pour Lahr in der Obertorstraße 4.