Ab 25. August zählt es als Abfall: Mann lebt bei Kappel jahrelang in seinem Auto – nun wird es entsorgt

Für viele Jahre war die schwarze Limousine der Nissan-Edelmarke „Infiniti“ das Zuhause eines Mannes.
PiskadloDie Reifen platt, die Kennzeichen entfernt, das Unkraut reicht teils bis zu den Kotflügeln – dass der schwarze Wagen auf dem Parkplatz bei der Rheinfähre auf Kappeler Seite nicht erst seit gestern dort steht, sieht man auf den ersten Blick. Das Kuriose: Der Besitzer wollte das Auto nicht loswerden – im Gegenteil. Offenbar hat er jahrelang in der Limousine der Nissan-Edelmarke „Infiniti“ gewohnt.
So liegen auf dem Beifahrersitz leere Konservendosen und Gewürze, der Fahrersitz wurde zu einem Bett umfunktioniert. Auf der Rückbank lagern Klamotten, vergilbte Zeitschriften und leere Flaschen, durch die Heckscheibe lässt sich ein kleines, klappbares Solarmodul erkennen. Vom Bewohner selbst fehlt indes jede Spur. Er soll mittlerweile umgezogen sein und die Ortenau samt seinem Auto hinter sich gelassen haben.
„Er stammte aus Indien und kam scheinbar aus Frankfurt“, erklärt Kappel-Grafenhausens Bürgermeister Philipp Klotz im Gespräch mit unserer Redaktion. Wie der Fahrzeugbesitzer aussieht oder weshalb er in seinem Auto wohnte, wisse Klotz nicht. „Tagsüber war er immer unterwegs“, sagt der Rathauschef, der selbst einige Male den persönlichen Kontakt gesucht habe. Auch wie lange die Limousine bereits auf dem Parkplatz steht, könne Klotz nicht genau sagen. Das erste Mal sei das Thema im April 2021 in der Verwaltung aufgekommen – und habe seither immer wieder für Kopfzerbrechen gesorgt.
Das Auto befindet sich auf einer gemeindefreien Fläche
So habe der Mann jegliches Hilfsangebot seitens der Gemeinde abgelehnt. Demnach sei die Unterbringung in einer Unterkunft für ihn nicht infrage gekommen. Und da sich das Ganze in einer rechtlichen Grauzone befinde, musste die Verwaltung ihn gewähren lassen.
„Das ist sehr komplex. Er hat nie jemanden belästigt und hat sehr umweltverträglich gelebt. Auch sein Auto hat nie Öl oder sonstige Flüssigkeiten verloren und ein Verstoß gegen die Naturschutzverordnung lag nicht vor, da er sein Fahrzeug innerhalb einer ausgewiesenen Parkfläche abgestellt hat“, zählt Klotz auf.
Zumal sei die Fläche nahe des Rheins innerhalb eines sogenannten gemeindefreien Gebiets. „Da gelten nochmal andere Regeln. Es wäre anders, wenn er sein Auto in einem Wohngebiet abgestellt hätte“, erklärt der Bürgermeister und betont, dass die Kreisverwaltung für diesen Bereich zuständig sei. Ohne triftigen Grund sind den Behörden aber die Hände gebunden.

Der Mann hat sich in seinem Auto eingerichtet und eine Menge Chaos hinterlassen.
Foto: PiskadloNun soll der Mann jedoch in seine Heimat zurückgekehrt sein. Das bestätigen zahlreiche Beiträge auf der Internetplattform Facebook. Ein Nutzer, der den Mann wohl persönlich kenne, schreibt: „Er ist wieder nach Indien zu seiner Familie.“
Auch auf dem Rathaus sei diese Nachricht mehrfach eingegangen. „Damit hat sich der Fall geändert“, so Klotz. Ohne Besitzer kann das nun endgültig verlassene Auto als Abfall deklariert werden. Darauf macht mittlerweile ein roter Aufkleber aufmerksam, der in Zusammenarbeit mit dem Amt für Gewerbeaufsicht, Immissionsschutz und Abfallrecht am Fahrzeug angebracht wurde.
Das bedeutet: Wenn sich der Besitzer nicht meldet, wird das Auto nach Ablauf einer einmonatigen Frist entsorgt. Stichtag ist der 25. August. „Ab diesem Tag gilt es als Müll“, erklärt Klotz. Danach wird das Fahrzeug abgeschleppt und beseitigt– auf Kosten der Kreisverwaltung.
Die Gemeinde möchte sich gegen mögliche Nachahmern wappnen
Somit könnte das Ärgerthema ein baldiges Ende finden – sofern sich der Besitzer nicht meldet. Für diesen Fall sei die Verwaltung derzeit noch „am klären“, wie eine mögliche Lösung aussehen könnte. Ebenso befasse man sich mit der Option, die Parkdauer bei der Fähre zeitlich zu befristen. Das soll es der Gemeinde künftig leichter machen, gegen mögliche Nachahmer vorzugehen. „Daran arbeiten wir mit Hochdruck“, so Klotz.