60.000 ehrenamtliche Stunden: Der Weltladen Esperanza blickt mit Feier auf 30 Jahre fairen Handel zurück

Das Streichtrio JEM spielte bei der Feier zum 30-jährigen Bestehen des Weltladens Esperanza.
Christof Fischer-Rimpf- Weltladen Esperanza feierte im Stadtmuseum 30 Jahre fairen Handel und Engagement.
- Rund 60.000 ehrenamtliche Stunden in 30 Jahren – im Schnitt 2000 Stunden pro Jahr.
- Bürgermeister Schöneboom lobte Bewusstsein für fairen Konsum und die Kontinuität.
- Vorsitzende Wenzel-Teuber betonte Miteinander, Schulen schenkten einen Adventskalender.
- Rückblicke von Rimpf, Schleimer und Fischer-Rimpf, Musik vom Streichtrio JEM.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Hoffnung, Gerechtigkeit und gelebte Solidarität: Seit 30 Jahren steht der Weltladen Esperanza in Lahr für weit mehr als den Verkauf fair gehandelter Waren. Bei einer Jubiläumsfeier im Stadtmuseum blickten Verantwortliche, Wegbegleiter und zahlreiche Gäste auf die Anfänge zurück und würdigten das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement, wie der Weltladen mitteilte.
„Esperanza, das bedeutet Hoffnung, das bedeutet Zuversicht und Erwartung“, erklärte Erster Bürgermeister Guido Schöneboom in seinem Grußwort. Der Weltladen sei weit mehr als ein Fachgeschäft für fairen Handel. Seit drei Jahrzehnten schaffe er Bewusstsein für nachhaltigen Konsum, faire Löhne und die Lebensbedingungen der Menschen in den Erzeugerländern.
Besonders beeindruckten Schöneboom die Kontinuität und die geleistete Arbeit. Rund 60.000 ehrenamtliche Stunden seien in 30 Jahren zusammengekommen. Das entspreche durchschnittlich 2000 Stunden jährlich und damit etwa einer Vollzeitstelle. Wer sich über Jahrzehnte freiwillig für eine gute Sache engagiere, verdiene größten Respekt.
Der Bürgermeister erinnerte an die Eröffnung 1995 in der Zollamtstraße, den Umzug 1998 in die Mühlgasse und den heutigen Standort am Marktplatz, den der Weltladen 2006 bezog. Auch bei der Lokalen Agenda 21, der Landesgartenschau 2018 und der Entwicklung Lahrs zur Fair-Trade-Stadt habe der Weltladen wichtige Impulse gesetzt. „Hier geht es um Fairness statt nur um Profit“, betonte Schöneboom. Der Weltladen verbinde globale Verantwortung mit konkretem Handeln vor Ort. Im Namen der Stadt dankte er allen Beteiligten für den Einsatz – und zeigte sich schmunzelnd zuversichtlich für die kommenden 30 Jahre.
60.000 ehrenamtliche Stunden in 30 Jahren
Wie sehr der Weltladen auch zwischenmenschliche Beziehungen fördert, verdeutlichte die heutige Vorsitzende des Trägervereins Initiative Fairer Handel, Lilli Wenzel-Teuber. Für soziale Gerechtigkeit und fairen Handel habe sie sich schon lange eingesetzt. „Jetzt freue ich mich, dieses Anliegen gemeinsam mit einem engagierten Team in Lahr weiterzuführen“, so Wenzel-Teuber. Ihr Leitgedanke lautet: „Verbinde und verbünde, was möglich ist, und mach gemeinsam möglich, was niemand alleine schafft.“ Wie lebendig dieses Miteinander sei, zeige auch die Zusammenarbeit mit Schulen. So schenkte das Max-Planck-Gymnasium dem Weltladen einen von der Vorbereitungsklasse selbst gestalteten Adventskalender.
Rosemarie Rimpf, bis zum vergangenen Jahr langjährige Vorsitzende und direkte Vorgängerin von Lilli Wenzel-Teuber, erinnerte an ihre ersten Erfahrungen mit dem damaligen Dritte-Welt-Handel. Bereits als 16-Jährige habe sie nach dem Gottesdienst Nicaragua-Kaffee, Honig aus Mexiko und Jutetaschen verkauft. „Die Idee, durch eine bewusste Kaufentscheidung Menschen in anderen Ländern bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen, überzeugt mich bis heute“, so Rimpf.
Aus kleinen Verkaufsaktionen sei eine große Bewegung geworden. Heute biete der Lahrer Weltladen mehr als 800 Produkte an. Besonders freue sie, dass fairer Handel inzwischen auch in Gastronomie, Verwaltung und Gesellschaft angekommen sei.
Rimpfs Vorgängerin im Amt der Vorsitzenden des Trägervereins, Irene Schleimer, erinnerte an zahlreiche Begegnungen, die ihr Engagement bereichert hätten. Besonders eindrucksvoll seien Besuche von Handelspartnern aus Costa Rica gewesen, die über ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen berichteten. Später habe sie einige von ihnen in ihrer Heimat besucht. „Das hat ja meinen Horizont schon erweitert“, sagte Schleimer dankbar. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Weltläden in der Ortenau habe sie als bereichernd erlebt. Dort habe stets der Zusammenhalt und nicht die Konkurrenz im Vordergrund gestanden.
Einen sehr persönlichen Rückblick gab Christof Fischer-Rimpf, der den Weltladen in Lahr federführend vor 30 Jahren etablierte. Schon als 17-Jähriger habe er vor rund 45 Jahren an der Gründung eines Weltladens mitgewirkt. Sein Engagement wurzele in den Erfahrungen seiner Familie. „Mein Großvater hat mir vermittelt, wie wichtig Gerechtigkeit und gute Lebensbedingungen für alle Menschen sind“, so Fischer-Rimpf.
Über Jahrzehnte seien Freundschaften und Netzwerke entstanden, die weit über die eigentliche Ladenarbeit hinausreichten. Zahlreiche Kooperationen mit Vereinen, Kirchen, Schulen und städtischen Einrichtungen hätten das Projekt getragen. Fischer-Rimpf erinnerte dabei an die Lokale Agenda 21, die Fair-Trade-Stadt Lahr und gemeinsame Aktionen mit anderen Weltläden in der Ortenau.
Zum Abschluss unterstrich er die Bedeutung einer aktiven Bürgerschaft. „Eine lebendige Stadt entstehe erst durch Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich einbringen.“ Nach wie vor suche der Weltladen Menschen, die sich im Ladendienst entweder zu festen Zeiten oder zeitlich flexibel engagieren möchten. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom jungen Streichtrio JEM. Bei einem anschließenden Umtrunk klang das Jubiläum aus.
Sortiment bei Esperanza
Der Weltladen bietet Lebensmittel wie etwa Gewürze, Reis, Brotaufstriche, Trockenfrüchte, Nüsse aus fairem Handel an. Zudem gibt es unter anderem Kunsthandwerk, Spielzeug oder Schmuck, Schals, Mützen, Socken, Seifen, Cremes und Öle, Haarseifen, Hand- und Badetücher. Kaffees, Tees, Schokoladen und Kakaospezialitäten dürfen nicht fehlen.
