Wolfacher Pflegedienstleiterin: Nach 30 Jahren ist nun Schluss

Claudia Wolf und Frank Urbat blicken auf intensive gemeinsame Jahre zurück,
LupferAls Berufseinsteigerin war der ambulante Dienst für die gelernte Krankenschwester Claudia Wolf keine Option. Doch das hat sich schon lang gewandelt: Seit 30 Jahren ist sie in ihrem Heimatort Schapbach das Gesicht der ambulanten Pflege, seit 20 Jahren stellvertretende Pflegedienstleiterin von Pflege mobil an Wolf und Kinzig. Und bald Ruheständlerin, denn: Am 14. September geht sie zum letzten Mal im roten Auto auf Tour.
„Mein Berufswunsch war eher in Richtung Dorfhelferin“, blickt Wolf zurück. Eine Krankenschwester habe als Kurgast aber dann so für ihren Beruf geschwärmt, dass Claudia Wolf ihn ausprobierte: Ein halbes Jahr in der Gynäkologie, ein halbes Jahr in der Inneren. „Dann wusste ich: Das ist mein Ding.“
Den Schritt in die Pflege hat Claudia Wolf nie bereut
Nach der Ausbildung in Freudenstadt habe sie „nicht unbedingt in den ambulanten Bereich“ wollen. Doch einige Jahre später, als sie nach der Babypause zurück in die Arbeitswelt wollte, wurde in Schapbach eine Nachfolge für die damalige Gemeindeschwester gesucht. Margret Schmid, damals Dorfschwester in Bad Rippoldsau, habe sie „unheimlich bestärkt, dass ich das probieren und nicht gleich das Handtuch werfen soll“.
1995 kam Claudia Wolf so stundenweise zur ambulanten Pflege. „Da war es noch keine große Tour – da waren am Anfang zwei, drei Patienten. Das ist erst mit der Zeit gewachsen.“ Als die Diakonie Freudenstadt sich Anfang der 2000er Jahre wegen Unwirtschaftlichkeit aus dem Wolftal zurückzog, kreuzten sich die Wege von Claudia Wolf und Frank Urbat im privaten Pflegedienst Menzel: Er war Pflegedienstleiter, sie Pflegekraft vor Ort. „Die Leute haben erstmal verstehen müssen, dass jemand Privates das genauso oder besser leisten kann wie jemand Kirchliches“, so Wolf.
„Nachdem auch die Frau Menzel sagte ‚Das reicht ja nur für die Portokasse’, war klar: Jetzt geht nur noch die Selbstständigkeit“, sagt Urbat. Doch für einen privaten Pflegedienst brauche es mindestens drei Stellen. Vier Frauen aus Bad Rippoldsau und Schapbach hätten ihm das Vertrauen geschenkt, eine davon Claudia Wolf. Zusammen kamen sie auf 3,25 Stellen. „Das ist jetzt 20 Jahre her. Von Anfang an hat Claudia eine sehr vermittelnde Rolle eingenommen für die Brücke von Wolfach zum Oberen Wolftal. Was mir sonst nie gelungen wäre“, lobt Urbat.
„Als Frank das übernommen hat, war ich diejenige, die am ängstlichsten war von allen“, gesteht Wolf. Doch er habe sie direkt gefragt, ob sie die stellvertretende Pflegedienstleitung übernehme. „Das Vertrauen hat mich bestärkt und gefestigt. Es war eine tolle Zusammenarbeit.“
Die Pflege habe sich in 30 Jahren nicht verändert
Ob sie den Wechsel in die Pflege bereut habe? „Nie. Ich wäre nie mehr zurück ins Krankenhaus.“ In der Pflege baue man zu vielen Patienten eine längerfristige Verbindung auf. Manche habe sie über zehn Jahre begleitet. „Das wollte ich auf keinen Fall mehr missen.“
In einem Ort wie Schapbach wiege das noch schwerer. „Es ist ein kleiner Ort. Man kennt sich von früher. Man kennt von den allermeisten Schulkollegen die Eltern.“ Die Pflege an sich habe sich in den 30 Jahren nicht stark verändert. Die Hilfsmittel und die Dokumentationsaufgaben allerdings schon. Und auch die Kundschaft: „Die große Klientel ist zwischen 80 und über 90 inzwischen. Das war damals noch nicht so. Die Leute werden immer älter, das merkt man.“ Immer wieder gebe es aber auch jüngere Pflegebedürftige, etwa nach Krebserkrankungen.
Ein Nachteil an der engen Verbindung im kleinen Ort: Anrufe zu jeder Tageszeit, auch am Sonntagabend. „Der ein oder andere wird trotzdem anrufen“, blickt Wolf voraus auf den Ruhestand. „Ich gehe mit gemischten Gefühlen.“ Einerseits freue sie sich auf den Ruhestand und darauf, mehr Freizeit zu haben. „Aber ich werde die Kontakte vermissen, den Umgang mit den Leuten, das weiß ich jetzt schon – und ich werde die Kolleginnen vermissen.“
So sieht das Konzept der Zukunft aus
Dass sie mit nun 63 Jahren ohne schlechtes Gewissen in Ruhestand gehen wolle, hatte Claudia Wolf schon 2023 angekündigt. Dass „Pflege mobil“ sein Engagement im Oberen Wolftal einstellt, ist inzwischen aber vom Tisch. Seit 2023 sei es gelungen, ein Team mit jungen Kolleginnen aufzubauen, erklärt Frank Urbat. „Ohne Hilfe von außen“, wie er betont. „Die haben gesagt: Ich kann mir vorstellen, da oben zu fahren.“ Für die Pflege gebe es Teammitglieder vor Ort. Für die aufwendigere „Bädertour“ zur Körperpflege erhalten sie Verstärkung aus Wolfach. „Jetzt sind wir wirklich ‚Pflege mobil’“, sagt Urbat. Möglich mache das der Einsatz des Teams – von den Behörden gab es keine Hilfe.