Wegen Hype um Playmobil-Figur: Wer darf den Bollenhut eigentlich tragen?

Gabriele Aberle ist Bollenhutmacherin in Gutach. Sie kennt sich mit den Regeln rund um die traditionelle Kopfbedeckung aus dem Schwarzwald aus. (Archivbild)
Robin HeidepriemDie Playmobil-Sonderfigur Schwarzwald Marie hat in den vergangenen Wochen einen enormen Hype ausgelöst. Binnen drei Tagen waren die 77.000 produzierten "Männchen" mit dem markanten roten Bollenhut vergriffen. Doch woher kommt die traditionelle Schwarzwälder Kopfbedeckung eigentlich genau? Und wer darf einen Bollenhut tragen?
Die Antworten auf diese Fragen kennt Gabriele Aberle aus Gutach. Sie ist eine von zwei Bollenhutmacherinnen, die es derzeit im Schwarzwald gibt. "Der Bollenhut kommt aus den Gemeinden Kirnbach, Gutach und Reichenbach", erklärt sie. Zwar ist er inzwischen weltweit als Symbol für den Schwarzwald bekannt - doch nur in diesen drei Ortschaften dürfe man ihn tragen, betont die Bollenhutmacherin.
Und das auch nicht von jeder Frau: Diese müssen obendrein konfirmiert und somit evangelisch sein. Der Bollenhut ist Teil der hiesigen Schwarzwald-Tracht und wird entweder von roten oder schwarzen Woll-Bollen geziert. "Der rote wird zum ersten Mal an der Konfirmation getragen. Verheiratete Frauen haben dann einen schwarzen Bollenhut", erklärt Aberle: "An der Hochzeit hatte man früher den Schäppel auf, also die Brautkrone. Wenn man nach der Hochzeit heimgekommen ist, hat man den abgelegt und am nächsten Tag kamen die Haare unter die Haube, und dann hat man den schwarzen Bollenhut getragen." Daher käme auch der Begriff "unter die Haube kommen", weiß die Bollenhutmacherin.
Die traditionelle Kopfbedeckung gibt es seit über 230 Jahren
Der Bollenhut stammt aus dem 18. Jahrhundert, erzählt Aberle. "Es gibt eine Anweisung vom Amt Hornberg vom 7. Januar 1797 an diese drei Gemeinden, einen Strohhut mit Kreisen zu entwerfen", weiß sie auswendig. Damals gab es die Woll-Bollen noch nicht, die Kreise seien auf den Hut gemalt worden. Mit ihm ging man in die Kirche, "wobei man wissen muss, dass um 1900 jeder Hof nur einen roten Bollenhut hatte, mit dem dann ein Mädchen in die Kirche durfte", erklärt die Hutmacherin: "Das war ein Luxusgegenstand. Damals mussten die Menschen sehen, wie sie durchkommen. Das waren alles Selbstversorger."
Das macht den Bollenhut aus
Ganz früher sei der Hut auch noch nicht so groß wie heute gewesen. "1820 gab es dann den Glockenhut, das war ein Strohhut mit 14 Wollrosen in Kreuzform", sagt Aberle. Dieser habe schon viele Merkmale des heutigen Originals aufgewiesen. Doch was macht den Bollenhut, den wir heute kennen, aus? Und wie wird er gemacht?
"Der originale Bollenhut ist immer eingegipst", erklärt die Hutmacherin. Sie habe einen blanken Strohhut, den Rohling, den sie leimt und formt und schließlich eingipst und schwärzt. "Früher hat man sogar immer zwei Hutformen aufeinandergelegt, damit der Hut noch stabiler ist", weiß Aberle. Mit rund zwei Kilo Wolle werden dann die 14 Bollen gefertigt, die anfangs rund sind und dann oval geschnitten und in Kreuzform auf den Hut genäht werden.
Wir haben Bollenhutmacherin Gabriele Aberle 2019 in Gutach besucht:
Dass es zurzeit nur sie und eine weitere Bollenhutmacherin, die aus Kirnbach kommt, gibt, sei nicht untypisch: "Es gab schon immer nur eine Hutmacherin im Ort, das ist auch nur ein Nebenerwerb", erklärt Aberle. Viele neue Bollenhüte brauche man gar nicht, weil diese innerhalb der Familien aus den Ortschaften weitergegeben werden. Wenn eine der Frauen doch einen neuen Bollenhut erwerben will, kostet sie dieser bei Gabriele Aberle 325 Euro.
Trotz des großen Hypes wird die Playmobil Schwarzwald Marie wegen dieser strikten Regeln also eher nicht zur Trendsetterin. Dass sie einen Bollenhut trägt, können ihr die Frauen aus Gutach, Kirnbach und Reichenbach sicher verzeihen - zumal der Gutacher Bürgermeister Siegfried Eckert höchstpersönlich in puncto Design über die Detailtreue der Figur gewacht hat.