Trotz schlechter Noten
: Marode Brücken im Kinzigtal werden erstmal nicht erneuert

Obwohl die Zustände einiger Kinzigtäler Brücken schlecht sind, gibt es in naher Zukunft keine Pläne sie zu ersetzen. Das Regierungspräsidium Freiburg erklärt, warum.
Von
Charlotte Reinhard
Oberndorf
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Sechs Brücken befanden sich im Oktober 2024 in einem schlechten Zustand.

Reinhard

Nach dem Einsturz der Carolabrücke in Dresden im vergangenen Jahr reagierten die Behörden mit Planungen zur Absicherung. Brücken – auch im Kinzigtal und Umgebung – mit ähnlicher Bauweise aus Spanntbeton und Spannstahl sollen erneut geprüft werden.

Im ganzen Regierungsbezirk seien von 2500 Brücken 35 betroffen; 26 davon mit riskantem Spannstahl und neun mit ähnlicher Problematik. Auf Nachfrage unserer Redaktion erläutert das Regierungspräsidium Freiburg, warum die Brücken im Kinzigtal trotz mangelhafter Zustandsnoten erstmal nicht saniert werden.

Um den Zustand der Brücken jetzt zu überprüfen, müsse keine von ihnen vollständig gesperrt werden, teilt das Regierungspräsidium mit. Lediglich der Schwerverkehr, also die Belastung durch Lkw, müsse in 31 Fällen reduziert werden. In 20 Fällen solle fortan auch ein Abstandsgebot von 50 Metern für Lkw eingeführt werden, um Kolonnenbildung zu vermeiden und so zusätzlich für Entlastung zu sorgen. Für elf der Überführungen gebe es zusätzliche Einschränkungen wie beispielsweise Tonnagebeschränkungen oder für Lkw gesperrte Fahrstreifen.

In Zukunft sollen die Brücken alle drei statt alle sechs Jahre geprüft werden, so das Präsidium. Die meisten der 35 betroffenen Bauwerke sind mehr als 60 Jahre alt und sollen langfristig neu gebaut werden, wobei der Grundsatz „Erhalt vor Neubau“ gelte, um die begrenzten Ressourcen möglichst sinnvoll zu nutzen.

Die elf am stärksten betroffenen Brücken, an denen auch Sperrungen einzelner Fahrstreifen vorgenommen werden müssen, befinden sich vor allem im Ortenaukreis, im Landkreis Emmendingen, Waldshut und Rottweil.

Keines der Bauwerke auf dieser Liste befindet sich im Kinzigtal, obwohl im Oktober 2024 sechs der Brücken dort nur die Zustandsnote drei oder schlechter erhalten hatten, was „nicht ausreichend“ bedeutet.

Bauwerke werden nach und nach erneuert

Die Brücke in Gutach an der B 33 wurde sogar nur mit der Zustandsnote 3,5 bewertet – die Skala reicht von 1,0 bis 4,0. Dennoch wurden sie bei den unmittelbar geplanten Maßnahmen nicht berücksichtigt.

Zum einen sei die Erneuerung der Brücken im gesamten Bundesland eine „Mammutaufgabe“ und die Bauwerke, die nun in der ersten Umsetzungsstufe erneuert werden sollen, müssten bis 2030 einen Ersatzneubau erhalten. In diesen Fällen sei eine Instandsetzung nicht wirtschaftlich, denn bei der Zustandsnote „schlecht“ müsse ein Neubau schnell geschehen.

Auch der Umfang der einzelnen Projekte sei in die Auswahl des Erhaltungsprogramms mit eingeflossen. Auch Baustoffe, die heute als problematisch eingestuft werden, haben einen Einfluss.

Für die Steinacher Brücke an der B 33 über die L 103 gelte, dass das 45 Jahre alte Bauwerk zwar mittelfristig saniert werden müsste, ein Ersatzbau aber vorerst nicht nötig ist. Auch bei der Kinzigbrücke in Steinach sei das der Fall. Bei der Kinzigbrücke in Hausach wiederum sei ein Neubau notwendig, da die Spannbetonplatten aus Hohlkörpern hergestellt wurden, was zu strukturellen Defiziten führte, so das Regierungspräsidium. Durch die Verkehrsverhältnisse werde es nicht möglich sein, die Brücke bis 2030 neu zu bauen. Daher habe sie es nicht in das Erneuerungsprogramm geschafft.

Bei Gutacher Brücke fehlt ein Antrag

Für die besonders schlecht bewertete Brücke an der B 33 bei Gutach liege eine ähnliche Problematik vor. Zur Erneuerung bräuchte man eine Behelfsbrücke mit örtlicher Umfahrung sowie Veränderungen von Radwegen. Da diese Maßnahmen aber noch nicht beantragt wurden, konnte die Brücke trotz baulicher Notwendigkeit noch nicht in die Stufe eins des Erneuerungsprogramms aufgenommen werden. Nach drei Jahren bestehe aber erneut die Möglichkeit zur Aufnahme.

Eine andere Brücke bei Gutach-Steingrün habe noch keine finale Abwägung erhalten, ob eine Generalsanierung oder ein Umbau die bessere Lösung ist, weshalb sie laut Regierungspräsidium noch nicht ins Programm aufgenommen wurde. Auch dort könnte es sein, dass beim nächsten Prüftermin in drei Jahren dann Sanierungen angeordnet werden.

Das Baumaterial

Von den 1950er bis 70er Jahren war eine Bauweise mit Spannbeton oder -stahl verbreitet. Dabei werden Stahlseile im Beton unter Spannung gesetzt. Heute gilt er als korrisionsgefährdet, da sich Feuchtigkeit und Rost bilden können.

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