Treffen in Mühlenbach: So verändert sich der Forstbranche – und das bedeutet es für die Region

Die Referenten des Abends mit FVS-Vorstandsprecher Joachim Prinzbach (von links), Fachjournalist Gerd Ebner, Landrat Thorsten Erny, MdL Sarah Schweizer (CDU) und dem FVS-Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Bauernfeind.
StörrDie Forstvereinigung Schwarzwald (FVS) mit Sitz in Mühlenbach hatte am Donnerstag die Mitglieder zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. „Wir hoffen, dass wir kleine Impulse setzen können und wollen eine Plattform für den Austausch und Dialog bieten“, erklärte Vorstandssprecher Joachim Prinzbach.
Die Referate des Abends mit Schwerpunkt der sich immer schneller verändernden Rahmenbedingungen mit Herausforderungen, aber auch Chancen, bauten ein Stück weit aufeinander auf.
Das Prinzip der Nachhaltigkeit sei im Wald erfunden worden
Landtagsabgeordnete Sarah Schweizer (CDU) sah in erster Linie den Gedanken der nachhaltigen Bewirtschaftung, der viel mehr leiten müsse, bei gleichzeitiger Einbeziehung des Tourismus mit seinem „hohen Freizeitdruck“.
Dass das Bundeswaldgesetz wieder kassiert wurde, sei richtig, beim Entwaldungsgesetz – das kommendes Jahr in Kraft treten soll – brauche es substanzielle Änderungen. „Es wäre absurd, wenn der hohe bürokratische Aufwand für Dokumentationen geleistet werden muss, obwohl es gar keine Entwaldung, sondern Zuwächse gibt.“

Das Interesse am Infoabend der FVS im Gemeindehaus St. Sebastian in Haslach war groß.
Foto: StörrSchon jetzt würden die Waldbesitzer mit sehr viel Idealismus ihrer Arbeit nachgehen und man müsse aufpassen, weil „jeder Waldbesitzer und jeder Landwirt, der weg ist, kommt nicht zurück“. Das Prinzip der Nachhaltigkeit sei im Wald erfunden worden, das müsse wieder gestärkt werden. „Es braucht wieder mehr Vertrauen in die Leute, die vor Ort auf der Fläche arbeiten und ein originäres Interesse daran haben, ihre Lebensgrundlage zu erhalten“, endete die Abgeordnete.
Landrat Thorsten Erny oblag der Blick auf die Veränderungen der äußeren Rahmenbedingungen für die Holz- und Forstwirtschaft sowie die Rolle der forstlichen Zusammenschlüsse und die Rolle der Landratsämter. Mit dem verstärkten Generationenwechsel werde die Zeit und das Fachwissen für die eigene Waldbewirtschaftung ebenso abnehmen wie die technischen Hilfsmittel der einzelnen Betriebe.
Bevölkerung entfremde sich immer weiter von Land- und Forstwirtschaft
„Deshalb werden sich mehr Zusammenschlüsse bilden müssen“, blickte er voraus. Gleichzeitig sei zu beobachten, dass sich die Bevölkerung immer weiter von der Land- und Forstwirtschaft entfremde. Sein Zwischenfazit lautete: „Es ist ein hochdynamischer Veränderungsprozess, in dem wir arbeiten.“
Und es müsse auch immer die wirtschaftliche Komponente in der Wertschöpfungskette beachtet werden, schließlich gebe es im Ortenaukreis 8200 Waldbesitzer und 500 Holz verarbeitende Betriebe mit etwa 9000 Arbeitsplätzen. Das Landratsamt sei in der Rolle des neutralen Dienstleisters durch fachliche Beratung, als Impulsgeber und Moderator eingebunden.
Einen Blick auf den Weltmarkt warf Gerd Ebner als Schweizer Fachjournalist und Chefredakteur. Ein fundierter Ausblick werde hinsichtlich der Dynamik am Markt schwieriger, trotzdem halte der Preisanstieg im Rundholz weiter an.
Als neues Phänomen sei zu beobachten, dass sich langsam ein europäischer Einheitspreis von etwa 120 Euro je Festmeter plus/minus zehn Euro je Festmeter ab Waldstraße einpendele. „Wir sind nahe am Rundholz-Rekordpreis auf einem Niveau, das nicht selbstverständlich ist“, bilanzierte Ebner. Die Ressource sei das höchste Gut, „da sind Sie gut aufgestellt.“
Forstvereinigung
Mit momentan mehr als 50 Forstbetriebsgemeinschaften sowie kommunalen und privaten Forstbetrieben, ist die FVS hinsichtlich Fläche und Vermarktungsvolumen nach eigenen Angaben einer der größten forstlichen Zusammenschlüsse Deutschlands.