Treffen im Ramsteinerhof
: So fühlten die Ortenauer Landfrauen Landrat Erny auf den Zahn

Beim Treffen in Hausach kam eine breite Themenpalette zur Sprache. Dazu zählten Einbürgerung, Umweltauflagen, Gesundheit oder auch das Ehrenamt.
Von
Claudia Ramsteiner
Oberndorf
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Vertreterinnen der Ortenauer Gruppe tauschten sich mit dem Landrat in Hausach aus

Ramsteiner

Am Jahrestag seiner Wahl zum Landrat traf sich Thorsten Erny mit der Spitze der Ortenauer Landfrauen im Ramsteinerhof zum Gespräch. Von seinem Vorgänger habe er mitbekommen, dass „dieser Termin mit soviel Womenpower den Kreis immer weiterbringt“, sagte Erny. Tatsächlich hatten die Landfrauen, die 3500 Mitglieder im Kreis repräsentieren, eine ganze Reihe von Themen mit dem Landrat zu besprechen.

Ehrenamtskarte: Der Ortenaukreis ist einer der wenigen Landkreise, die auf den Vorschlag des Landes, eine Ehrenamtskarte einzuführen, negativ reagierten. Warum, wollten die Landfrauen wissen: „Wir müssen aufpassen, den Standard zu halten. Das Land winkt mit Unterstützung, initiiert diese Ehrenamtskarte mit Zuschüssen, die bald eingefroren werden und die Kreise müssen’s übernehmen“, antwortete Thorsten Erny. Die Bewertungskriterien seien hier sehr vielfältig, das sei mit der Erhöhung der Ehrenamtspauschale bei der Steuer einfacher und besser gehandelt. Da konnten die Landfrauen mitgehen. Die Ehrenamtskarte ist für Menschen, die sich in besonderem Maße engagieren. Als Anerkennung erhalten sie Ermäßigungen in zahlreichen Freizeiteinrichtungen. Ab Mitte 2025 wird die Karte nach und nach landesweit eingeführt.

Essensangebot im Ortenau Klinikum Achern: Michaela Bross vom Bezirk Achern kritisierte, dass das Klinikum in Achern in Zukunft keine eigene Krankenhausküche mehr haben soll. Stattdessen soll das Essen halbgefroren angeliefert werden. Damit sei auch das „Essen auf Rädern“ gefährdet, sagte Bross. „Wir haben mit der Klinikchefin durchbekommen, dass wir die Küche des Josefskrankenhaus reaktivieren für die Übergangszeit, wenn die Klinik in Achern 2027 fertig ist bis zur Fertigstellung des Klinikums Offenburg 2030“, so Erny. Danach greife das „Cook & Chill“-Verfahren (siehe Infokasten), damit wäre auch das Essen auf Rädern gerettet. Ulrike Velte-Hoffmann vom Ernährungszentrum Ortenau bestätigte, dass dies ein nährstoffschonendes Verfahren sei.

ÖPNV-Taxis im Nahverkehr: „Wenn man innerhalb einer Stunde nicht weiterkommt vom Bahnhof, kann man gegen einen kleinen Aufschlag zum ÖPNV-Tarif ein Ruftaxi bestellen“, schilderte Vizepräsidentin Irmgard Lehmann ein Projekt aus Freudenstadt und schlug vor, Gelder von der „für den ÖPNV nicht wirklich dienlichen Ortenau-Mobil-App“ dafür umzuschichten. „In den Gremien wird bis zum Ende des Jahres diskutiert, was in Sachen Ruftaxi noch finanziell möglich ist“, entgegnete Landrat Erny und merkte an, dass der Haushalt des Kreises Freudenstadt noch nicht genehmigt sei. Auch die Mobilapp sei in der Prüfung. In Gengenbach beispielsweise sei ein Ruftaxi kaum genutzt worden.

Umweltauflagen: Heidi Reitsamer vom Bezirk Haslach führte Beispiele aus der Region an, wo für Geringfügigkeiten ein artenschutzrechtliches Gutachten gefordert worden sei, etwa beim Felssturz im Gutacher Ramsbach. „Wurde da der Ermessensspielraum der Beamten ausgeschöpft?“, wollte sie wissen. Der Landrat gab an, Informationen über die genauen Vorgänge einfordern zu wollen und versprach, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

Gesundheitsversorgung: Zum Thema Schließung der Notfallpraxen in Wolfach und Achern wollte Irmgard Lehmann wissen, wie der Ansturm auf die Notaufnahmen personell aufgefangen werde und was der Ortenaukreis gegen die Schließung der Notfallpraxen unternommen habe. Ein Lob gab’s für die positive Reaktion bei der Kinderarztpraxis in Offenburg. Da müsse man oft bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sehr dicke Bretter bohren, sagte Erny. Im letzteren Fall habe das geklappt. Aber das System der Selbstverantwortung der Kassenärztlichen Vereinigung hält Thorsten Erny für gescheitert. Natürlich habe man gegen die Schließung der Notfallpraxen protestiert. Dort, wo diese bereits umgesetzt wurden, sei der Ansturm auf die Notaufnahmen ausgeblieben. Dass die KV Ärzte mit weniger als 100 Prozent trotzdem als ganzen Arztsitz werte, beklagte Michaela Bross aus Achern. Das MVZ in Achern sei aber eine gute Lösung, sagte Bross.

Buslinie im Bereich Nationalpark: „Wir brauchen kein neues Tiergehege beim Nationalpark. Diese Gelder könnten sinnvoll für die Vermeidung des Individualverkehrs umgewidmet werden“, forderten die Landfrauen. Thorsten Erny betonte: „Wir kämpfen um die Linien, aber das Finanzministerium müsste dazu 1,5 Millionen Euro freigeben.“

Einbürgerung: Michaela Bross schilderte den Fall eines Einbürgerungsantrags, der anderthalb Jahre benötigt habe: „Warum geht das so lang?“, fragte Bross nach. Auch das sei ein Anspruch, der vom Bund geweckt und finanziell nicht abgedeckt werde. Erny bestätigte die langen Bearbeitungszeiten, das liege schlicht am Personalmangel. Es gebe einen Anstieg von Einbürgerungsanträgen in den vergangenen Jahren von 1500 auf fast das Doppelte.

Am Gespräch mit Landrat Thorsten Erny teilgenommen haben die Betriebsleiterin des Ramsteinerhofs, Stefanie Kölblin, Ulrike Velte-Hoffmann vom Ernährungszentrum Ortenau sowie die Vizepräsidentin der Landfrauen Südbaden, Irmgard Lehmann sowie die Vertreterinnen der Bezirke: Heidi Reitsamer (Haslach), Michaela Bross (Achern), Gerda Roth (Lahr), Ingrid Schwörer (Kehl), Lore Sälinger (Oberkirch); sie vertreten 3500 Landfrauen in der Ortenau. Erny dankte den Landfrauen für ihr großes ehrenamtliches Engagement und versicherte, dass er bei ihrem Slogan „wir halten die Ortenau am Laufen“ mit ihnen an einem Strang ziehen werde.

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