Nahwärmenetz in Oberwolfach: Gemeinderat stimmt gegen eine Erweiterung

Die 25 Jahre alte Pelletheizung im Oberwolfacher Rathause muss in absehbarer Zeit ersetzt werden.
LupferErweitern die Kraftwärmeanlagen (KWA) ihr Nahwärmenetz im Ortsteil Walke? Immer wieder wurde über diese Idee in den vergangenen Jahren beraten. Seit Dienstag steht die Antwort fest: Der Gemeinderat verwarf das Projekt bei einer Enthaltung.
Hauptgrund ist die mangelnde Wirtschaftlichkeit. Technisch wäre das Projekt machbar, wie Konrad Nübel von der Ingenieurgesellschaft IBS dem Rat darlegte: „Wir haben hier mal eine abgespeckte Version dargestellt.“ Abdecken sollte der neben dem bestehenden Verbund von Kindergarten, Feuerwehr und Marienkirche das Rathaus, vier Wohngebäude sowie das Hotel „Hirschen“. Versorgt werden könnten diese über einen 300-Kilowatt-Hackschnitzelkessel sowie einen 500-Kilowatt-Ölkessel als Ausfallsicherung im jetzigen Gerätehaus. Die Hackschnitzel sollten in zwei großen Containern lagern – dort, wo jetzt noch die Löschfahrzeuge parken.
Umsetzbarkeit erst bei neuem Feuerwehrhaus
Nötig wären dazu ein kleiner Anbau Richtung Berg sowie zwei hohe Schornsteine geworden. Umsetzbar wäre diese Variante erst, wenn das geplante neue Feuerwehrhaus steht und die alte Garage frei wird. Ein erster Schritt könnte laut Kämmerer Thomas Springmann aber sein, das Rathaus über eine neue Verbundleitung mit dem bestehenden 150-Kilowatt-Pelletkessel im Gerätehaus zusätzlich zu Kindergarten und Kirche mitzuversorgen. Denn: Die 25 Jahre alte Rathaus-Pelletheizung müsse absehbar ersetzt werden. Martin Welle und Martin Dieterle stellten die Standortwahl infrage. Welle wegen der hohen Schornsteine und einer möglichen Rauchbelästigung der Spinnerberg-Anwohner, Dieterle wegen des Lastwagen-Anlieferverkehrs für die Hackschnitzel direkt am Kindergarten und dem teilweisen Eingriff in Spielplatz und Weg während der Bauphase.
„Da machen wir uns nur mehr Probleme als wir lösen.“ „Es ist nicht der ideale Standort“, räumte Nübel ein. Das wäre in Sachen Bedienung das Bauhof-Areal. „Aber das lässt sich wirtschaftlich noch schlechter darstellen als der Standort Spinnerberg.“ Lange Leitungen wären im Bau noch teurer und bedeuteten höhere Wärmeverluste im Betrieb. Investitionskosten in Höhe von 1,22 Millionen Euro netto skizzierte Nübel für das vorgestellte Netz mit Heizzentrale im Gerätehaus. Die legte Thomas Springmann seiner Wirtschaftlichkeitsberechnung zugrunde, die allerdings bei Jahreskapitalkosten von 31 590 Euro und möglichen jährlichen Nettoerträgen von 14 752 Euro unterm Strich einen jährlichen Verlust von 16 838 Euro prognostizierte. Die Rechnung beinhalte verschiedene Variablen, doch, so Springmann: „Es wird einfach nicht besser. Ich bin skeptisch, dass wir da was erreichen können. Das wird an der Walke wirklich schwer.“
Bessere Alternative
Im Ortsteil Kirche gebe es deutlich bessere Voraussetzungen für eine mögliche Netz-Erweiterung. „Ich glaube nicht, dass wir uns das leisten können, auch wenn wir wollen“, sagte Christian Sum – zumal die Baukosten wohl nach dem Gerätehaus-Neubau noch höher lägen. Bei einer Enthaltung von Eberhard Junghanns beschloss der Rat, das Projekt Nahwärme an der Walke einzustellen. Geprüft werden soll weiter die Mitversorgung des Rathauses, für die es aber keine Redundanz-Lösungen wie bei der Versorgung Dritter brauche.