Nach Insolvenz und Unsicherheit
: Die berühmten Zeller „Hahn und Henne“ Tassen sind zurück

Die Stadt Zell hat sich die Markenrechte des Dekors gesichert, die beliebten Tassen werden nun in Handarbeit gefertigt – die ersten 727 Stück stehen jetzt zum Verkauf.
Von
Inka Kleinke-Bialy
Zell
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Das Motiv von Hahn und Henne ist eng mit der Stadt Zell verknüpft.

Das Motiv von Hahn und Henne ist eng mit der Stadt Zell verknüpft.

Inka Kleinke-Bialy
  • Zells „Hahn-und-Henne“-Tassen kehren nach Insolvenz zurück – Verkauf startet jetzt.
  • Stadt Zell sicherte Markenrechte und gab sie an Allgäuer Keramik Hans Rebstock weiter.
  • Produktion in Handarbeit in Allstädten bei Sonthofen, unterstützt von Ex-Zeller Malerin.
  • Erste Auflage: 727 spülmaschinenfeste Tassen, Preis 19,95 Euro, zehn Verkaufsstellen.
  • Geplant sind Namensedition, Sonderwünsche und als Nächstes die Herstellung eines Tellers.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Man kann es noch nicht richtig fassen“, freute sich Bürgermeister Günter Pfundstein bei der Pressekonferenz über die offizielle Rückkehr des weltbekannten „Hahn-und-Henne“-Dekors mit dem nun anstehenden Verkaufsstart. „Wir alle sind richtig gespannt, wie das jetzt anläuft.“ In einem kurzen geschichtlichen Abriss blickte er zurück: Die Zeller Keramikfabrik wurde 1794 von Josef Anton Burger gegründet. 1898 entwarf Karl Schöner zur Geburt seiner Tochter Paula das Hahn-und-Henne-Dekor, das einen Siegeszug durch die ganze Welt antrat.

Das Unternehmen durchlief jedoch immer wieder schwierige Zeiten. Nach der Insolvenz der Zeller Keramik und der Einstellung des operativen Geschäfts im Jahr 2024 erwarb die Stadt Zell am Harmersbach die Gebäude sowie die Markenrechte. Diese ließ die Stadt durch einen Markenanwalt sichern und teilweise ergänzen, bevor sie an die Firma Allgäuer Keramik Hans Rebstock weitergegeben wurden. „Auch wenn die Allerwenigsten das Dekor mit Zell am Harmersbach in Verbindung bringen, ist das Thema doch ganz eng mit der Stadt und der Stadtgeschichte verbunden“, betonte Pfundstein.

Besonders bekannt für das Allgäuer Nationalgericht

Ganz in der Tradition der Zeller Keramik werde jede Tasse weiterhin per Hand gefertigt und entspreche dem bisherigen Produkt. Die bisherigen Rückmeldungen hätten gezeigt, „wie wichtig und emotional belegt das Thema für viele ist“. Ruth Rebstock, Inhaberin der Allgäuer Keramikmanufaktur, stellte das kleine Unternehmen aus Allstädten bei Sonthofen vor. Die 1923 gegründete Manufaktur fertigt seit Generationen Geschirrkeramik. „Ganz bekannt sind wir im Allgäu für unsere Kässpatzenschüsseln für das Allgäuer Nationalgericht.“ Der Kontakt zur Zeller Keramik bestand bereits seit vielen Jahren. „Und für uns Kinder gehörte Hahn-und-Henne zum sonntäglichen Frühstücksritual.“ Es sei daher eine besondere Ehre, die Tradition dieses Dekors weiterführen zu dürfen. Möglich geworden sei dies auch durch die Unterstützung von Erika Börsig.

Die langjährige Zeller Kerammalerin, die ein halbes Jahrhundert in der Zeller Keramik beschäftigt war, gab ihr Wissen an die Mitarbeiter der Allgäuer Keramik weiter. „Wir waren alle ganz ehrfürchtig, wie schnell sie das macht“, sagte Rebstock. Am 18. Mai hatte der Zeller Gemeinderat das Projekt beschlossen, nun steht eine erste Auflage von 727 Tassen bereit – wie gewohnt spülmaschinenfest. Der Weg dorthin sei allerdings anspruchsvoll gewesen. Vor allem das charakteristische Dekor, die Farben und die feinen Details mussten in mehreren Testläufen an das Original angepasst werden.

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Weitere Souvenirartikel könnten folgen

Produziert wird weiterhin vollständig in Handarbeit. Rund zehn Mitarbeiter fertigen die Tassen in der kleinen Manufaktur, künftig sollen 200 bis 300 Stück pro Woche entstehen. Darauf, „wirkliche Handarbeit, die nach wie vor in Deutschland produziert wird“, anbieten zu können, sei man sehr stolz, betonte Rebstock. Ein wichtiges Ziel sei es, das Wissen und Können traditionsbewussten Handwerks in Deutschland zu erhalten – auch wenn dies angesichts hoher Energiekosten eine Herausforderung sei.

Der Zeller Handels- und Gewerbeverein hatte die Rückkehr von „Hahn und Henne“ auf den Markt angestoßen. Zehn Partnerbetriebe in Zell vertreiben die Tasse künftig. Sie kostet 19,95 Euro und ist auch in der Tourist-Information erhältlich. Eine Namensedition für 20,95 Euro sowie Sonderwünsche ab 29,95 Euro sind geplant. Wie sich die zunächst bewusst überschaubare Auflage entwickelt, bleibt abzuwarten. Angedacht ist als nächstes die Herstellung eines Tellers. „Teller ist immer gut für uns, der hat keinen Henkel“, flachste Ruth Rebstock, „aber wahrscheinlich hat der wieder andere Tücken“. Weitere Souvenirartikel könnten bald folgen Darüber hinaus arbeiten Stadtmarketing und Tourismus daran, Zell stärker als Heimat von „Hahn und Henne“ zu positionieren.

Bereits in dieser Woche – pünktlich zu den Sommerferien – startet eine Audiotour zu vier markanten Plätzen: Storchenturm, Rundofen, Stadtpark und Färberhaus. Erwachsene begeben sich dabei auf die Spuren des Malers Anton Burger, Kinder folgen den Geschichten von Hahn und Henne. Bürgermeister Günter Pfundstein stellte außerdem die Idee einer kleinen Schauproduktion beziehungsweise Schaumalerei auf dem ehemaligen Keramikareal in den Raum. Für das Sanierungsgebiet soll im September eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden.

Hier gibt´s die Tassen

Die Verkaufsstellen des „Hahn und Henne“ Geschirrs in Zell sind die Apotheke am Kurgarten, das Café Welle-Männle, der Edeka Lebensmittelmarkt Bruder, das Spielwarengeschäft Kopf, das Hotel Klosterbräustuben, das Landgasthaus Zum Pflug, „Martinas Spezialitäten“, das Papierhaus Bechert, das Geschäft „Schmid Ideen und Geschenke“ und der Trachten Shop Zell.