Mundart im Mostmaierhof: So begeisterte ein Ehepaar mit Geschichten und Liedern in Hausach

Heinz Siebold und Ulrike Derndinger unterhielten im Mostmaierhof.
BuchtaZwei alemannische Dialekte ganz unterschiedlicher Klangfarbe gab es am Freitag im Mostmaierhof zu erleben: Zum einen trug Ulrike Derndinger aus Lahr in ihrer melodisch-weichen Ortenau-Diktion Geschichten aus ihrer Vergangenheit vor, zum anderen sang zur Gitarre der aus Hausen im Wiesental stammende Heinz Siebold im kernigen Hochalemannisch, wie man es von Johann Peter Hebel kennt.
Die beiden sind auf einem „Burehof“ aufgewachsen, sind ein Ehepaar, arbeiten beide im „normalen Leben“ als Journalisten und sind seit nunmehr 15 Jahren mit ihren alemannischen Mundarten unterwegs.
Lieder und Texte im breitesten Alemannisch
„Alemannisch vo do un dert“ hieß der „Mundartobe“ und er brachte dem von Anfang an sichtlich angetanen Publikum die beiden schönen Dialekte näher.
Mit ihrem ersten, gemeinsamen Lied gaben sie im wechselnden Gesang quasi ihre Visitenkarte ab. Derndinger erzählte in breitem Dialekt aus ihrer Kindheit mit Mutters obligatorischem Hefekranz, den sie sich in Stein gemeißelt auf deren Grab wünscht.
Von schwierigen Geburten im Kuhstall war die Rede und von Anrufen bei der internationalen Telefonauskunft nach der Nummer von Paul McCartney: „Bloß no a Muggeseggele weg von eme Gschwätz mit em Beatle.“ Von der verzweifelten Suche einer Nackten nach einem Handtuch am Badestrand erzählte sie und von der „Bollesupp“ beim Chinesen in der „Krone“, die dann wider Erwarten prima schmeckte.
Siebold widmete sich dem Hochalemannischen im Wiesental, der verwirrenden Jugendsprache, für die es keinerlei VHS-Kurs gebe und, als waschechten Blues, der Elektromobilität vom Siggi. Auch über den Mann im Mond machte er sich so seine eigenen Gedanken, und dem zeitgenössischen „Rentner-Bashing“ setzte er entschieden den Refrain entgegen: „Rentner sin tipptopp.“
Appell zur Pflege des Alemannischen
Nach der Pause, in der sich die Zuhörer ein wenig erholen und die Barden etwas Luft schnappen konnten, philosophierte Ulrike Derndinger über die Kluft von „was eine gsait un was sie gmeint het“ und darüber, wie man Frieden bekommen könnte. Sie erinnerte sich an den rauchgeschwängerten Stammtisch ihres Opas, der Tote hätte aufwecken können: „Es isch gruusig un herrlich gsin“. Mit dem Fernsehen kann man „Schwätze spare“, stellte sie fest, und sann dem Wind als dem Spielkameraden ihrer Kindheit nach.
Mit dem Lied vom „großen Zoo vom lieben Gott“ von Roland Hofmaier, einem Hoch auf das Ehrenamt und einem Appell zur Pflege des Alemannischen endete der „Mundartobe“ unter großem Beifall.