Integration in Wolfach: Starthilfe in einer neuen Welt

Die erfolgreichen Kursteilnehmenden können nach einem Jahr Arbeit zufrieden sein.
LupferIn ihrer Heimat standen sie mitten im Leben. In den vergangenen elf Monaten ging es für sie buchstäblich zurück in die Schule: Nach knapp 700 Unterrichtsstunden neigt sich der erste Integrationskurs der VHS Ortenau in den Beruflichen Schulen dem Ende zu. Der zweite startet schon Ende des Monats.
Die größte Hürde haben sie gemeistert: 22 Teilnehmer von Mitte 20 bis jenseits der 60 absolvierten nach sechs Sprachmodulen den Deutschtest für Zuwanderer.
22 Teilnehmer haben den Kurs erfolgreich gemeistert
17 von ihnen legen aktuell noch eine Schippe drauf: Den Orientierungskurs, in dem es um Geschichte, Kultur und Recht geht und an dessen Ende der Test „Leben in Deutschland“ steht. Sie stammen aus dem ganzen Kinzigtal, von Nordrach bis Schramberg, von Oberwolfach bis Hornberg.
Für jedes Modul hatten die Teilnehmer und ihre Lehrer Angelika Spitzmüller aus Hofstetten und Werner Wußler aus Ottenhöfen je 100 Schulstunden Zeit – montags bis freitags wurde seit Kursstart im April 2024 außer in den Ferien jeden Nachmittag gemeinsam gebüffelt, zuzüglich Hausaufgaben.
„Man hat nicht viel Zeit, besondere pädagogische Methoden einzuflechten. Das ist ein bisschen schade, finde ich“, bilanzierte Spitzmüller. Doch über den Leistungswillen ihrer Schützlinge gerieten die pensionierten Pädagogen bei der Übergabe der Sprachzertifikate ins Schwärmen.
Über Alter und Name seien viele anfangs nicht hinaus gekommen. „Wenn ich jetzt höre, was die Teilnehmer sagen können, dann erfüllt mich das mit Stolz“, so Wußler. Er sei dankbar, „weil ich gesehen habe, dass jeder sich bemüht hat – und Fortschritte machen wollte.“
„Wir sind in Wolfach Vorreiter“, sagte VHS-Geschäftsstellen-Leiter Thomas Lang. Denn: Es war nicht nur der erste Integrationskurs im Kinzigtal, es war auch der erste der VHS Ortenau. „Es ist ein Riesenaufwand, das auf den Weg zu bringen.“ Mehr als 50 Dokumente brauche es für die Zulassung durchs Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Doch: „Es war einfach die richtige Zeit, das anzugehen.“
Von den 17 Teilnehmern im Orientierungskurs stammen 15 aus der Ukraine. So wie Artem Stryshko (28): „Die deutsche Sprache ist sehr schwierig für uns. Wir sind unseren Lehrern dankbar. Ich habe mich gefühlt wie ein Kind. Man muss alles mit sehr einfachen Worten sagen.“ Aber: „Unsere Lehrer haben es uns gut erklärt“, sagte Alina Sarman. „Einfach Dankeschön zu sagen ist nicht genug, glaube ich“, so Tatiana Tibaldi aus Russland. Wie es jetzt weitergeht? Artem Stryshko: „Selbstständig werden, nicht abhängig sein vom Jobcenter oder einem anderen Amt.“
Zweiter Kurs startet
Der zweite Integrationskurs in Wolfach startet am 24. März. Infos und Hilfe bei der Anmeldung bei der VHS unter Telefon 07834/86 75 90.