Hornberg
: Schanzenberghof wird 400 Jahre alt

Liane und Hugo Dold, die zehnte Generation auf dem Hof, feiern das Jubiläum mit Aktionen und viel Musik
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Schwarzwälder-Bote
Oberndorf
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Liane und Hugo Dold leben seit Jahrzehnten gemeinsam auf ihrem Hof auf rund 840 Metern Höhe. Fotos: Schwannauer

Schwarzwälder-Bote

Als erstes fällt die Stille auf: Es ist nicht nur ruhig und friedlich, sondern vollkommen still hier oben am Schanzenberg. Der Blick schweift weit übers Tal bis zur fernen Anhöhe, rechts der Schlossfelsen. Der Maimorgen ist längst erwacht: Löwenzahn streckt zu tausenden die gelben Blüten in den Himmel, die Singvögel trainieren zögernd ihre Stimmen. Hier, auf etwa 840 Metern über dem Meer, ist der Himmel weit und der Blick reicht übers Gutachtal nach Reichenbach und zum hinüber Schlossfelsen, um den sich manche Legende rankt. Hugo Dold erzählt davon: Einst habe man rüber zum Schlossfelsen eine lederne Brücke aus Rinderhäuten errichten wollen, damit die Leute sicherer nach Hause kommen.

400 Jahre alt wird der Schanzenberghof jetzt – für Liane und Hugo Dold, die das Anwesen in zehnter Generation führen, ein willkommener Anlass, den Sommer für viele Veranstaltungen zu nutzen. Diesen Sonntag findet der Auftakt statt, die Maiandacht auf dem Hof der Familie Dold. Diese Andacht findet im Wechsel mit dem Feiertags-, dem Cölestin- und dem Unterhippensbachhof statt.

Auf dem Hof leben drei Generationen: Außer dem Ehepaar Dold die 90-jährige Mutter des Landwirts und der Sohn mit seiner Partnerin. Sie haben vor kurzem das obere Geschoss bezogen, ehemalige Ferienzimmer werden jetzt privat genutzt. Die Dolds schätzen sehr, dass eines ihrer beiden Kinder – die Tochter studiert in der Schweiz – dem Hof die Treue hält. 90 Hektar gehören zum Anwesen, etwa 25 Kühe bevölkern die Löwenzahnwiese hinter dem mächtigen Bauernhaus. Der Ertrag stammt zum größten Teil aus dem Wald. Manche Feriengäste kommen seit über 40 Jahren hierher und vererben ihr Urlaubsziel über Generationen. Für sie gibt es einen kleinen runden Pool im Freien, eine Grillstelle, eine Schaukel. Dieses Urlaubsziel punktet in erster Linie mit Natur und Stille. Auf dem Werbeflyer des Ferienhofs Schanzenbergs findet sich auch ein Hinweis für die, denen es zu leise wird in der Stille: Der Europapark sei nicht weit.

Hugo Dold bewahrt einen trockenen Holzbalken auf: Die Jahreszahl 1615 hat der damalige Zimmermann einst eingeritzt. Der Balken hat vermutlich jahrhundertelang einen kleinen Balkon gestützt, der sich über dem Eingang zum Hauptgebäude befand. Der Landwirt überlegt, ob er ihn an die Hauswand hängen soll, zur sichtbaren Erinnerung, und zu diesem Zweck kleinsägen. Liane Dold findet, das kann man nicht machen, den alten Balken kaputt sägen. So steht er in der Scheune.

Betritt man den Flur, wird’s erst einmal dunkel. Dann öffnet sich die Vesperstube undmit ihr ein entzückender Ausblick über Geranien hinweg ins bewaldete Tal. Viel Mühe investieren die Eheleute in den Hof und jetzt auch in sein Jubiläum. Liane Dold berichtet vom geplanten Programm: Neben Alphornbläsern, Gottesdienst und Blaskapelle soll es jede Menge Information rund um zünftiges Essen geben.

Hugo Dold hat sich mit der Geschichte des Hofs befasst und geht davon aus, dass ein gewisser Andreas Dold im Jahr 1615 den Hof gegründet hat. Die Ahnenforschung reicht bis ins Jahr 1600 zurück, sagt er. Weitläufige Verwandte hätten den Anstoß gegeben, die Geschichte des Hofs zurückzuverfolgen.

"Wir wollen uns nicht hervortun", sagen die Dolds bescheiden, "es gibt viele Höfe im selben Alter, die ebenfalls noch bewirtschaftet werden."

Thomas Scheiflinger ist zufällig zu Gast, der die Musik- und Trachtenkapelle Niederwasser dirigiert. Hugo Dold schickt ihn hinters Haus, die Kühe auf die offene Wiese treiben – fürs Foto: "Und wenn die vorne sind, verschwind’ du wieder vom Bild".

"Viele Höfe kommen jetzt in dieses Alter", sagt Hugo Dold, der auf dem Schanzenberg geboren und aufgewachsen ist, "viele sind auf den Höfen geblieben und erhalten sie - das finde ich bemerkenswert, dass so viele trotz Rückschlägen zu ihrem Hof halten." Er selbst bewältigte als Kleiner Bub eineinhalb Stunden Fußweg zur Grundschule, im Winter auf Skiern. Die damalige Volksschule in Rensberg gibt es nicht mehr. Die eigenen Kinder wurden mit dem Auto zur Bushaltestelle gefahren: "Das hätten wir nicht gewollt, dass die zweieinhalb Kilometer zum Bus laufen müssen", sagt Liane Dold.

Haben sie jemals gehadert mit der abgelegenen Wohnlage weitab vom Schuss? Das sei reine Gewohnheitssache, sagen sie. Die weiten und steilen Wege runter ins Tal nach Niederwasser. Täglich kommt die Post hier hoch, und die Müllabfuhr arbeitet sich sommers wie winters in Schneeketten den Anstieg hoch, um den Müll vom Hof einzusammeln. Das scheint auch das einzige zu sein, worauf Hugo Dold nicht gut zu sprechen ist: "Muss denn das sein, dass die Müllabfuhr extra für einen Sack von uns den Weg hier hoch macht?"

Das Sommerprogramm bestreitet die Familie in Eigenleistung. Den Auftakt macht die Maiandacht in der Hofkapelle am morgigen Sonntag, die um 14.30 Uhr beginnt und zu der der Kirchenchor Niederwasser singt. Für den 20. Mai ist ab 7 Uhr eine Frühwanderung von Schonach zum Schanzenberg geplant, etwa eineinhalb Stunden, am Ziel wird gefrühstückt. Am Donnerstag, 23. Juli, spielt der Musikverein- und Trachtenkapelle Niederwasser ab 19.30 Uhr zum Kurkonzert auf.

Am Samstag, 15. August, lädt die Blaskapelle Speikobra ab 18 Uhr "spritzig und giftig" zu böhmisch-mährischer Musik ein.

Die Schnitzeltage am 13. Juni und 7. August und Speckseminare jeweils am 8. Juli, 12. und 26. August und 9. September stehen im Zeichen regionaler Küche.

Nicola Schwannauer

Das ganze Programm, Information und Anmeldung zu den Veranstaltungen unter www.schanzenberg.de

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